Kaufhäuser

Karstadt schafft die schwarze Null

Die Kaufhäuser des angeschlagenen Konzerns Karstadt rechnen sich wieder. Der Betriebsrat fordert Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter.

Seit gut einem Jahr führt Stephan Fanderl den angeschlagenen Kaufhausriesen Karstadt. Seither versucht er, mit Filialschließungen, Personalabbau und einer neuen Warenhausstrategie das Traditionsunternehmen zu retten. Und sein Sanierungskurs schlägt sich bereits in der ersten Bilanz, die er verantwortet, deutlich nieder: Das für die Banken entscheidende operative Ergebnis dürfte im Ende September ausgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 (30. September) erstmals seit vielen Jahren wieder knapp im positiven Bereich liegen. Die angepeilte schwarze Null werde man wohl erreichen, wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" aus dem Unternehmen erfuhr – ein Wert den Karstadt lange vermissen ließ.

Die genauen Zahlen sollen im Laufe dieser Woche vorgestellt werden. Unter dem Strich wird aber wohl ein Nettoverlust zwischen 50 und 60 Millionen Euro anfallen, wie es aus dem Unternehmensumfeld hieß. Im Geschäftsjahr zuvor betrug das Minus noch 190 Millionen Euro. Der Umsatz ist um 2,7 Prozent auf rund 2,15 Milliarden Euro gesunken, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete.

Mit diesen Zahlen dürfte der österreichische Karstadt-Eigner René Benko zufrieden sein, er hatte mit seiner Firma Signa die Warenhauskette im August 2014 vom glücklosen Investor Nicolas Berggruen für einen symbolischen Euro übernommen und Fanderl mit der Sanierung betraut. Entscheidend für die Bewertung, ob sich die Kaufhäuser rechnen, ist das operative Ergebnis. Hier stand 2013/14, im letzten Jahr unter Berggruen, noch ein Verlust von 108 Millionen Euro. Diesen binnen Jahresfrist wettzumachen, spricht für Fanderls Strategie, der Neuausrichtung in den Filialen ein hartes Sparprogramm vorzuschalten.

Erster Nettogewinn seit 2002 möglich

Dass netto weiter ein Verlust steht, liegt unter anderem an den Sanierungskosten, etwa für Abfindungen. Im seit Oktober laufenden neuen Geschäftsjahr dürften derlei Ausgaben kaum noch ins Gewicht fallen, entsprechend rechnet Fanderl für 2015/16 erstmals auch wieder mit einem Nettogewinn. Es wäre der erste für Karstadt seit 2002.

Fanderl passt die Sortimente an regionale Bedürfnisse an, konzentriert Karstadt im Textilbereich auf die Kernzielgruppen im mittleren Alter, lässt Produkte wie Bücher, Drogerie- und Elektronikartikel in die Kaufhäuser zurückkehren. Das wird allerdings noch Zeit brauchen.

Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl wertet die verbesserten Ergebniszahlen als Erfolg, der gesunkene Umsatz bereitet ihm aber Sorgen: „Karstadt muss auch operativ wieder wachsen, das haben wir noch nicht geschafft“, sagte er. Er hält auch das Konzept, die Sortimente wieder auszuweiten und regionaler zu gestalten, für richtig, warnte aber, dies mit reduzierten Belegschaften umzusetzen, sei schwierig. „Die Neuorganisation verlange den Mitarbeitern viel ab, sie arbeiteten unter hoher Belastung, sagte Ettl. Deshalb und angesichts der verbesserten Zahlen fordert der Betriebsrat nun auch, den Beschäftigten in diesem Jahr ein Weihnachtsgeld zu zahlen. „Das ist das Mindeste“, sagte Ettl.

Nach Benkos im Sommer gescheiterten Versuch, den größeren Rivalen Kaufhof zu schlucken, hat Ettl mittelfristig zudem eine weitere Sorge. Gerade ein wieder rentables Karstadt könnte für den neuen kanadischen Kaufhof-Besitzer HBC interessant werden. Das wäre dann die von Benko verfehlte Deutsche Warenhaus AG – unter umgekehrten Vorzeichen. „Dieses Szenario schwebt nach wie vor als Bedrohung über uns“, sagte Ettl.