Volkswagen

Millionen-Rückruf - Was VW-Kunden nun wissen müssen

Millionen Autofahrer müssen im nächsten Jahr mit ihrem Diesel in die Werkstatt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In einem der beiden Autotürme im VW-Stammwerk Wolfsburg werden vollautomatisch Autos in Parkfächer transportiert

In einem der beiden Autotürme im VW-Stammwerk Wolfsburg werden vollautomatisch Autos in Parkfächer transportiert

Foto: Martin Schubert/Arcaid/laif

Warum greift die Behörde jetzt durch?

Volkswagen hat dem Amt vor einer Woche Vorschläge unterbreitet, wie das Unternehmen für die Einhaltung der Abgaswerte bei seinen Dieselmodellen vorgehen will. Der VW-Plan sah einen freiwilligen Austausch der manipulierten Software sowie die technische Nachrüstung bei manchen Modellen vor. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) besteht aber darauf, dass alle Fahrzeuge die gesetzlichen Normen einhalten und ordnete daher die Rückrufpflicht an. Das KBA ist Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zugeordnet. Der Pflichtrückruf sei kein Anzeichen für ein Misstrauen, sagt der Minister, „die Zusammenarbeit mit VW ist weiterhin ausgesprochen konstruktiv“.

Wann beginnt der Rückruf?

Volkswagen wollte im Januar 2016 damit beginnen. An dem Zeitplan hat sich bisher nichts geändert.

Müssen die Besitzer der betroffenen Modelle selbst aktiv werden?

Die VW-Kunden müssen sich erst einmal um nichts kümmern. Volkswagen schreibt sie im kommenden Jahr an. Alles Weitere hängt von einer Reihe noch ungeklärter Einzelheiten des Rückrufs ab. Wie lange der Austausch der Software dauern und wann die gegebenenfalls notwendige Nachrüstung abgeschlossen sein wird, ist noch offen.

Was geschieht mit den Fahrzeugen in der Werkstatt?

Der Autokonzern arbeitet noch an den Plänen für die Nachrüstung. Es gibt für die Motoren verschiedene Lösungsansätze. Bei den 2,0-Dieseln muss nach Erkenntnissen des KBA nur eine neue Software installiert werden. Volkswagen muss sie bis Ende Oktober vorstellen. Bei den Autos mit einem 1,6-Liter-Diesel ist es damit nicht getan. Hier müssen zusätzliche Teile eingebaut werden, um die Abgase entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen zu reinigen. Was mit den 1,2-Liter-Maschinen geschehen soll, hat VW noch nicht bekannt gegeben. Lösungen muss der Konzern dem KBA bis Ende November vorstellen.

Was kostet der Rückruf und wer zahlt?

Die Gesamtkosten lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Sie hängen vom Aufwand der Nachrüstung ab. Die In­stallation einer neuen Software ist vergleichsweise kostengünstig. Teile auszuwechseln wird teurer, allein schon, weil die Fachkräfte länger dafür brauchen. Auch steht noch nicht fest, welche Betriebe mit der Ausführung betraut werden. Die Kosten übernimmt Volkswagen. So hat es das Unternehmen zumindest angekündigt.

Darf das Auto bis zur Nachrüstung wie üblich genutzt werden?

Es sind keine Einschränkungen beim Betrieb vorgesehen. Bundesverkehrsminister Dobrindt verweist darauf, dass die Fahrzeuge verkehrssicher sind.

Bekommt der VW-Kunde während der Reparatur ein Ersatzfahrzeug?

Darüber ist derzeit noch nichts bekannt, weil die Einzelheiten des Rückrufs noch nicht feststehen.

Können die Autos die grüne Plakette verlieren?

Derzeit besteht diese Gefahr nicht. Undenkbar ist dies aber auch nicht, wenn sich herausstellt, dass die manipulierten Motoren weitaus mehr Abgase ausstoßen, als in den Umweltzonen erlaubt ist. Das KBA geht davon jedoch nicht aus.

Droht Autobesitzern eine Steuernachzahlung? Und müssen sie eventuell die Abwrackprämie zurückgeben, falls sie sie bekommen haben?

Beides ist nach derzeitigen Äußerungen der Bundesregierung nicht geplant. Wenn es Sanktionen für die Manipulation der Abgaswerte gibt, werden sie allein den Hersteller treffen.

Wie stelle ich fest, ob mein Fahrzeug betroffen ist?

Volkswagen-Kunden können sich auf der Internetseite info.volkswagen.de darüber informieren, ob ihr Modell zu denen gehört, das die Manipulationssoftware verwendet und die deshalb von dem Rückruf betroffen sind. Dazu muss nur die Fahrzeugidentifizierungsnummer eingegeben werden, die sich im Servicehandbuch sowie im unteren Bereich der Windschutzscheibe findet. Audi-Kunden können im Internet unter http://bit.ly/1jecBho feststellen, ob ihr Auto betroffen ist, Skoda-Fahrer unter http://bit.ly/1hoAlxm.

Von welchen Modellen und Baujahren ist die Rede?

Es geht um Drei- und Vierzylinder Turbodiesel mit Direkteinspritzung aus den Jahren 2008 bis 2014 und der Norm Euro 5. Betroffen sind verschiedene Modelle der gesamten Markenfamilie, als auch von Audi, Seat und Skoda.

>> Welche Marken und Modelle sind betroffen?

Muss ich auf den Rückruf reagieren?

Das KBA hat eine Nachrüstungspflicht angeordnet. Das bedeutet, dass jeder Halter eines betroffenen Modells dem Ruf in die Werkstatt folgen muss. Es ist auch im Eigeninteresse der Eigentümer. Denn der Wiederverkaufswert nicht nachgerüsteter Fahrzeuge dürfte stark sinken.

Könnte anderen Herstellern ein ähnlicher Rückruf auferlegt werden?

Das Kraftfahrt-Bundesamt testet derzeit nicht nur die Dieselmodelle von VW, sondern auch die anderer Hersteller, um die wahren Abgaswerte zu ermitteln. Dabei misst die Behörde die Emissionen diesmal nicht nur im Labor, sondern auch unter realistischen Bedingungen im Straßenverkehr. Wann die Ergebnisse vorliegen, ist derzeit noch offen. Bundesverkehrsminister Dobrindt versichert aber, dass die Bundesregierung die Ergebnisse veröffentlichen will.