Bochum/Berlin

Wohnungsriese Vonovia will Deutsche Wohnen schlucken

Bochum/Berlin.  Auf dem deutschen Mietwohnungsmarkt zeichnet sich eine weitere Mega-Fusion ab: Der Branchenprimus Vonovia aus Bochum kündigte am Mittwoch an, die Deutsche Wohnen in Berlin, die Nummer zwei im Land, übernehmen zu wollen. Stimmen die Aktionäre der Deutsche Wohnen am 28. Oktober dem Angebot zu, würde durch den 14 Milliarden Euro schweren Deal ein neuer Moloch mit einer halben Million Wohnungen entstehen.

Vonovia-Chef Rolf Buch verschickte sein Angebot, das in Expertenkreisen als feindliche Übernahme gewertet wird, am Mittwoch sozusagen in letzter Minute. Denn die Deutsche Wohnen hatte eigentlich ganz andere Pläne. Das Bundeskartellamt hatte bereits zugestimmt, dass der Berliner Konzern den Düsseldorfer Wohnungsvermieter LEG schlucken darf. Doch genau diese Übernahme will Vonovia, die ihrerseits gerade erst aus der Fusion von Deutsche Annington in Bochum und Gagfah in Mülheim und Essen entstanden ist, verhindern.

Vonovia-Chef Buch unterstrich im Gespräch mit Journalisten ausdrücklich, dass er allein an der Deutsche Wohnen und nicht an der LEG interessiert sei. „Die LEG passt für uns nicht so gut, weil wir dann eine Dominanz in NRW hätten“, sagte Buch. Die 110.000 Wohnungen der LEG liegen fast ausschließlich in NRW. Vonovia hat hier rund 125.000 Einheiten. In einer ersten Reaktion lehnten Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen das Angebot aus Bochum ab. Es sei „unattraktiv und inadäquat“, teilte das Unternehmen mit. Deshalb halte man weiter an einer Übernahme der LEG fest, mit der bereits eine vertragliche Vereinbarung eingegangen wurde.

Die endgültige Entscheidung treffen allerdings die Aktionäre der Deutsche Wohnen, die am 28. Oktober zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zusammenkommen. Sie sollen nach aktuellem Stand für elf ihrer Anteilsscheine 83,14 Euro in bar sowie sieben Vonovia-Aktien erhalten, sofern sie den Deal mit der LEG ablehnen.

Auf Seiten der Mieter löst die Übernahmeschlacht Unruhe aus. „Mieter profitieren in der Regel nicht von diesen Transaktionen“, sagte Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des Mieterbundes NRW, der „WAZ“. Schon nach der Fusion von Deutsche Annington und Gagfah sei es unlängst zu Mieterhöhungen gekommen.

Vonovia war erst Ende des vergangenen Jahres aus dem Zusammengehen der Deutsche Annington mit der Gagfah entstanden. Die Übernahmewelle bringe den Wohnungsmarkt nicht voran, kritisiert der Deutsche Mieterbund: Es werde eine Menge Geld verbrannt, das besser im Wohnungsneubau angelegt wäre. Dieses Geld müsse wieder verdient werden. Und das könne auf Kosten der Mieter geschehen, befürchtet der Mieterbund.