Asylbewerberheime

Kommunen kaufen massenhaft Ikea-Betten für Flüchtlinge

Deutsche Billig-Möbelhäuser registrieren eine starke Nachfrage nach Möbeln für Flüchtlingsunterkünfte. Es kommt zu Lieferengpässen.

Etagenbetten ausverkauft: Viele Kommunen bestellen massenhaft bei Ikea

Etagenbetten ausverkauft: Viele Kommunen bestellen massenhaft bei Ikea

Foto: Reuters

Berlin. Tausend Betten auf einen Streich: Solche Bestellungen landen derzeit bei deutschen Möbelhäusern. Hintergrund des riesigen Bedarfs ist vor allem die Nachfrage nach günstigen Möbeln für Flüchtlingsunterkünfte. Engpässe sind möglich.

Davon profitiert auch der schwedische Möbelhändler Ikea. Verschiedene Bettgestelle und Matratzen seien derzeit so stark nachgefragt, dass man diese nicht unbedingt am selben Tag liefern könne, sagte Peter Betzel, Geschäftsführer von Ikea Deutschland, bei der Vorlage der Jahreszahlen.

Bei Ikea sind nach Angaben von Unternehmenssprecherin Isolde Debus-Spangenberg derzeit vor allem günstige Matratzen und das Etagenbett „Svärta“ besonders gefragt. Das Schichtmodell aus Metall bietet für 159 Euro Platz für zwei Schläfer. Derzeit werde zusammen mit Herstellern aus Europa mit Hochdruck daran gearbeitet, das bislang in China gefertigte Bettgestell in den bundesweit 50 Ikea-Läden wieder verfügbar zu machen.

1000 Betten auf einmal

Bei der österreichischen Möbelkette XXXL berichtete Sprecher Julian Viering über eine „deutlich erhöhte Nachfrage“ nach Bettzeug, Tischen, Stühlen und Schränken. Das Unternehmen sei jedoch in der Lage, auch große Stückzahlen kurzfristig zu liefern. Gegenwärtig wollten Kommunen wie etwa die Stadt Gelsenkirchen gleich rund tausend Betten auf einen Streich beziehen, berichtet Thomas Horschler für den Möbel-Discounter Poco.

Profiteure der gestiegenen Nachfrage seien derzeit wohl vor allem Anbieter von günstigen Möbeln, sagt Thomas Grothkopp vom Möbel-Handelsverband BVDM. Angesichts einer in den vergangenen Jahren eher nicht mehr wachsenden Nachfrage nach Möbeln in Deutschland seien die Lager derzeit ohnehin gut gefüllt. Bei einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 30 Milliarden Euro falle der aktuelle Trend ohnehin eher nicht ins Gewicht.

Deutliche Zuwächse erwartet die Branche jedoch bei einem Umzug von Flüchtlingen in die eigene Wohnung. Sobald die Betten in den Zeltstädten ausgedient hätten, könne die Nachfrage zeitverzögert ansteigen, meint etwa Claudia Wieland vom Fachverband der Matratzen-Industrie.

Ikea hat im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr mit 4,35 Milliarden Euro knapp 8 Prozent mehr umgesetzt als ein Jahr zuvor. Damit bleibt Deutschland weltgrößter Einzelmarkt vor den USA und Frankreich. Weltweit hat Ikea knapp 32 Milliarden Euro umgesetzt. Den Gewinn nennt Ikea nicht. 50 Einrichtungshäuser gibt es derzeit in Deutschland. 2016 soll ein Haus in Wuppertal eröffnet werden, für 2017 sind Häuser in Wetzlar, Karlsruhe und Magdeburg geplant.

Ikea will online expandieren

Über die klassischen Einrichtungshäuser hinaus will Ikea auch online neue Kunden gewinnen. Dieser Geschäftszweig macht bisher zwar nur vier Prozent des Umsatzes aus, er wächst aber mit 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr sehr stark. „Die Kombination aus Einrichtungshaus und e-Commerce ist eine Stärke von Ikea“, sagte der Ikea-Deutschlandchef Peter Betzel. Ein Onlineanteil von mehr als zehn Prozent wie in Großbritannien sei auch in Deutschland möglich. „Unser Ziel ist, dass unsere Kunden innerhalb von maximal 40 Minuten ihre Ikea-Produkte erreichen können“, sagte er. Durchschnittlich gab jeder Kunde pro Besuch 86,90 Euro bei Ikea aus.