Berlin

Manipulierte Autos bei Polizei und Post

Experte: „Bundesweit sind Tausende VW-Streifenwagen betroffen“

Berlin.  Kein anderes Auto wird laut VW bei der deutschen Polizei so oft als Dienstfahrzeug verwendet wie der Passat. Damit trifft der VW-Abgasskandal auch die meisten Polizeistreifenwagen – wie etwa in Nordrhein-Westfalen, wo laut dem Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, 2150 Polizeiautos mit der Betrugssoftware ausgestattet sind.

„Diese VW-Streifenwagen verletzen möglicherweise die Euro-5-Norm und besitzen damit keine gültige Zulassung“, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Rechnet man die Zahlen von NRW auf die Bundesrepublik hoch, dürften mehr als 8000 Streifenwagen mit deutlich höheren Stick­oxidbelastungen in der Bundesrepublik auf Dienstfahrten unterwegs sein.“

Problematisch sei daran, dass diese Streifenwagen überwiegend in Innenstädten und Ballungszentren ihren Dienst verrichten. Genau dort ist die Stickoxidbelastung in Deutschland am höchsten. Mehr als 33 Ballungszentren überschreiten seit 2010 zum Teil erheblich die von der EU vorgegeben Grenzwerte. Die Bundesregierung wurde bereits mehrfach von der EU-Kommission auf diesen Verstoß hingewiesen.

„Gerade in den Innenstädten und Fußgängerzonen pusten offensichtlich VW-Streifenwagen mehr Stickoxide aus als gesetzlich erlaubt“, sagt Dudenhöffer. Damit gefährde die Polizei die Gesundheit gerade von Kleinkindern und Asthmatikern in den Großstädten. Hinzu kommt die „befremdliche“ Tatsache, dass bei Nichterfüllung der Euro 5 Norm die Polizeifahrzeuge eigentlich ohne gültige Zulassung im Verkehr unterwegs seien. „Bundesgesetzte sollten nicht nur für Bundesbürger, sondern auch für unsere Behörden Gültigkeit haben“, kritisiert Dudenhöffer.

„Die Polizeibehörden und Innenministerien müssen daher zügig die Öffentlichkeit darüber informieren, wie viele VW-Polizeistreifenwagen gesetzwidrig hohe Stickoxidbelastungen verursachen“, so Dudenhöffer. Die Bevölkerung habe Anspruch zu erfahren, wie lange mit umweltschädlichen Streifenwagen im Verkehr zu rechnen sei.

„Der VW-Konzern müsste vollständige Information darüber haben, welche dieser Fahrzeuge etwa die Euro-5-Norm verletzten und diese Information unverzüglich den Polizeibehörden mitteilen“, fordert der Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. „Diese Fahrzeuge sollten sofort durch andere Fahrzeuge ersetzt werden“, fordert Dudenhöffer. „Es darf nicht sein, dass wir die Gesundheit unserer Bevölkerung in Ballungsräumen bewusst beeinträchtigen, nur weil ein Autobauer sagt, er braucht bis Ende des Jahres 2016 bis die Fahrzeuge ordnungsgemäß die Grenzwerte erfüllen“, so Dudenhöffer.

Kritik an Freiflügen für VW-Manager in Firmenjets

Auch Post-Chef Frank Appel fordert im Abgasskandal „volle Transparenz“ vom Autokonzern VW, denn von den rund 90.000 Post-Fahrzeugen kommen etwa 20.000 von VW, und fast alle sind Dieselmodelle. Man warte auf einen Maßnahmenplan zur Umrüstung der Autos, sagte Appel, der „SZ“.

Der beurlaubte Entwicklungsvorstand der Volkswagen-Marke Audi, Ulrich Hackenberg, bestreitet unterdessen laut „Bild am Sonntag“ jegliche Verantwortung im Abgasskandal. Die „Berichtswege“ seien an ihm vorbei gelaufen, habe der Manager erklärt.

Alle Topmanager dürften bei VW am Wochenende in firmeneigenen Jets kostenlos nach Hause fliegen, berichtete die Zeitung weiter. Die Jets würden am Freitagnachmittag vom Flughafen Braunschweig starten und am Montagmorgen zurückkehren. Zehn Jets der VW-Tochter Lion Air Service stünden für Firmenflüge bereit. Eine Flugstunde koste rund 22.000 Euro. Ein VW-Aufsichtsrat sagte dazu: „Freiflüge im Firmenjet gehen gar nicht und gehören zügig abgeschafft.“