„Waffenfähiges Plutonium“

Scherz im Verwendungszweck für Banken ernste Sache

„Waffenfähiges Plutonium“ im Verwendungszweck einer Überweisung? Mit etwas Pech kann da sogar die Polizei vor der Tür stehen.

Scherzen mit einer Überweisung? Das kann die Polizei auf den Plan rufen.

Scherzen mit einer Überweisung? Das kann die Polizei auf den Plan rufen.

Foto: Screenshot / BM

Berlin.  Verwunderung, Häme und Schmunzeln wegen einer drei Jahre alten Ermahnung einer Bank an einen Kunden: Wenn er noch einmal im Verwendungszweck einer Überweisung etwas wie „waffenfähiges Plutonium“ angibt, wird ihm vielleicht sogar das Konto gekündigt, hieß es da. Der Bundesverband deutscher Banken warnt, dass nach Witzen im Verwendungszweck ganz andere Konsequenzen möglich sind: „Solche Scherze können dazu führen, dass die Polizei vor der Tür steht“, so Sprecherin Julia Topar. Tweet geld

Nachdem ein offenbar 18-Jähriger Twitterer aus Bayern den eingescannten Brief am Dienstag verbreitet hat, fragen sich viele Nutzer: Prüfen Banken den Verwendungszweck? Tun sie oft, heißt es vom Bankenverband. Sprecherin Topar: „Wenn eine Bank einen Verdacht ernsthaft hegt, muss sie die Behörden einschalten und darf den Kunden nicht informieren. Bei Plutonium für 40 Euro konnte man wohl von einem Scherz ausgehen.“

Ob dann ein Kunde „freundschaftlich verwarnt“ wird wie in dem auf Twitter kursierenden Brief, sei den Instituten überlassen. Banken könnten aber auch wegen Unfugs die Geschäftsbeziehung beenden. Solche Kündigungen sind dem Verband aber nicht bekannt.

Software gleicht Begriffe ab

Doch wie überprüfen die Banken, was Kunden eintragen? Und was erregt Anstoß? Nach dem Kreditwesengesetz sind Banken zu „internen Sicherungsmaßnahmen“ für ein „angemessenes Risikomanagement“ verpflichtet. Von Banken mit vor allem internationalem Geschäft verlangt die Finanzaufsicht da mehr Kontrolle als vom kleinen regionalen Institut.

Fast alle Banken setzen dazu laut Bundesverband deutscher Banken Software zum Screening ein. Ein Großteil der rund 600 Milliarden Transaktionen in Deutschland im Jahr laufe über die Kontrollprogramme, bei manchen Instituten seien es auch nur Stichproben. Das Programm gleicht beispielsweise ab, ob ein Empfänger auf einer Sanktionsliste steht. Und es sucht Verwendungszwecke nach verdächtigen Begriffen ab. Ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands sagt, es gebe „keine Vorgaben im EU-Zahlungsverkehr Verwendungszwecke zu überprüfen“. Das sei Sache jedes einzelnen Geldinstitutes.

Bei Treffer prüft Mensch

Es ist die Ausnahme, dass Mitarbeiter den Verwendungszweck lesen. Bei einem Treffer der Software kommt ein Mensch ins Spiel – in der Regel der Geldwäschebeauftragte oder die dafür zuständige Abteilung. Der Fall muss geprüft werden: „Bei jeglichem Verdacht müssen die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet werden.“, so die Sprecherin. Es sei in der Tat unwahrscheinlich, dass Kriminelle im Verwendungszweck offensichtliche Hinweise auf Delikte liefern. Aus der Kombination von Namen und Verwendungszweck könnten oft Rückschlüsse gezogen werden, „auch wenn da nicht Uran oder Zentrifuge draufsteht. Den Banken sollte nichts durchgehen.“

Das Bundeskriminalamt erklärte auf Anfrage, es seien keine Fälle bekannt, in denen der Verwendungszweck einer Überweisung auf die Spur einer Straftat geführt hat. Es gebe auch keine Liste von Begriffen.

Banken legen Begriffe fest

Vom Bankenverband heißt es, bei den Suchbegriffen orientierten sich Banken an Empfehlungen des BKA. Allerdings: „Die genaue Liste bleibt letztlich der Bank überlassen“, so die Sprecherin. „Das macht jedes Institut anders.“ Topar schließt nicht aus, dass auch sexuell anstößige Begriffe auf solchen Listen landen. Ein Twitternutzer schrieb, nach einer entsprechenden Überweisung („Fi...en“) habe die Bank mahnende Post verschickt. „Nicht ausgeschlossen, aber der Fall ist nicht bekannt“, so die Verbandssprecherin.