Frankfurt/Main

Weltweites Geldvermögen steigt auf Rekordhoch

Studie offenbart ungleiche Verteilung: Hälfte der Bürger besitzt nur fünf Prozent des Reichtums

Frankfurt/Main. Weltweit besitzen die Menschen so viel Geld wie nie zuvor – allerdings ist das Vermögen sehr ungleich verteilt. Nach einer Untersuchung des Versicherungskonzerns Allianz stieg das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um 7,1 Prozent auf den Rekordwert von 136 Billionen Euro.

Es handelt sich um eine schier unvorstellbare Summe. „Damit könnten die privaten Haushalte sämtliche Staatsschulden der Welt ungefähr drei Mal tilgen“, sagte Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE. Allerdings partizipieren nicht alle Bürger gleichermaßen von diesem Reichtum. „Durchschnittlich entfallen in den von uns untersuchten 53 Ländern auf die ärmere Bevölkerungshälfte nur etwa fünf Prozent der Vermögenswerte.“ In Deutschland kletterte das gesamte Geldvermögen um 4,2 Prozent auf 5,212 Billionen Euro.

Zu dem weltweiten Wachstum der Geldvermögen trugen die drei Sparten Bankeinlagen, Wertpapiere sowie Versicherungen und Pensionsfonds gleichmäßig bei. Während allerdings in Asien und Amerika auch die Aktienmärkte weiter Rückenwind gaben, wird der Zuwachs insgesamt zunehmend von gesteigerten Sparanstrengungen getragen.

In Westeuropa trennten sich die Haushalte nach den Angaben im dritten Jahr in Folge von Wertpapieren – aus Sicht der Allianz ist das ein Indiz für die noch nicht verarbeitete Krise in Europa. Auch in Deutschland sind Aktien den meisten Menschen ein Graus und auch beim Schuldenmachen sind sie vorsichtiger als andere Europäer. Das Problem: Ihre Vorliebe für vermeintlich sichere Sparanlagen kostet die Deutschen viel Geld.

EZB-Niedrigzinspolitik sorgt für Verluste von 367 Euro pro Kopf

Nach der Allianz-Studie haben die Geldschwemme und Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) den deutschen Sparern deshalb von 2010 bis 2015 Zinsverluste von 29,8 Milliarden Euro eingebrockt – immerhin 1,1 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP). Damit gehörten die deutschen Sparer zusammen mit denjenigen aus Belgien und der Slowakei zu den großen Verlierern der lockeren Geldpolitik, mit der Europas Währungshüter um Mario Draghi die Wirtschaft im Euroraum am Leben halten. „Die deutschen Haushalte mussten in den letzten sechs Jahren durchweg Verluste in Kauf nehmen“, stellt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise fest. Er beziffert den Schaden auf 367 Euro pro Kopf.

Die meisten Europäer profitieren hingegen vom billigen Geld: Ihre Einkommen wachsen durch niedrigere Zinsen für Kredite stärker, als sie auf der anderen Seite durch die niedrigere Verzinsung von Bankeinlagen verlieren. In den sechs Jahren seit 2010 beliefen sich die Gewinne auf 130 Milliarden Euro oder 400 Euro pro Kopf. „Zu den großen Gewinnern gehören dabei Länder wie Portugal, Griechenland und Spanien“, heißt es in der Studie. In diesen Ländern können sich die Menschen seit 2010 über Zinsgewinne von mehr als 1200 Euro pro Kopf freuen. Allerdings bleiben beim Blick auf die Zinseinkommen die Effekte der Geldpolitik auf andere Vermögensklassen wie Immobilien oder Aktien unberücksichtigt. Doch das billige Geld der EZB gilt auch als Treiber steigender Vermögenspreise.

In Deutschland besitzen allerdings immer weniger Menschen Aktien – allein 2014 kehrten nach früheren Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) rund eine halbe Millionen Deutsche dem Aktienmarkt den Rücken. Demnach waren 2014 lediglich 8,4 Millionen Deutsche – rund 13 Prozent der Bevölkerung – noch in diesen Papieren engagiert. Und: Einer kürzlich veröffentlichten Analyse der Experten Klaus Adam von der Universität Mannheim und Panagiota Tzamourani von der Bundesbank zufolge stecken vor allem Menschen mit hohen Vermögen oder Einkommen Geld in Wertpapiere. Die Folge: Wohlhabende werden noch reicher, die Ungleichheit nimmt zu.

Viele Kleinsparer setzen trotz niedriger Zinsen auf Festgeld

Kleinsparer horten ihr Geld dagegen oft in Form kurzfristiger Anlagen wie Tagesgeld, obwohl dies kaum Zinsen bringt. Rund zwei Billionen Euro lägen dort, stellte die Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS fest.

Anders als in den meisten Euroländern hat der durch die ultralockere Geldpolitik der EZB befeuerte Anstieg der Immobilienpreise die Ungleichheit in Deutschland ebenfalls verstärkt. Denn die mittleren und ärmeren Bevölkerungsschichten wohnen hierzulande zumeist zur Miete. „Tatsächlich profitiert der mittlere deutsche Haushalt überhaupt nicht von steigenden Immobilienpreisen, weil die Eigentumsquoten in Deutschland besonders gering sind“, heißt es in der von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Studie.