Frankfurt/Main

Wettstreit um den größten Börsengang

Nach Scout24 und Covestro strebt jetzt auch der Autozulieferer Schaeffler aufs Parkett

Frankfurt/Main.  Wer Geld in Aktien anlegen will, neue zumal, hat Anfang Oktober eine überraschend große Auswahl. Gleich drei Unternehmen streben an die Frankfurter Börse und wollen Milliarden einsammeln. Einzelheiten zu den Börsengängen des Internet-Kleinanzeigen-Portals Scout24 und der Bayer Kunststoffsparte Covestro sind bereits bekannt. An diesem Montag verkündete nun der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler aus Bayern seine Pläne. Das Familienunternehmen hatte bisher immer darauf gesetzt, ohne den Aktienmarkt zurechtzukommen. Covestro und Schaeffler liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den größten Börsengang in Deutschland seit 15 Jahren.

Die Schaeffler will ihr Debüt am 5. Oktober am Frankfurter Aktienmarkt feiern. Der Börsengang sei „ein strategischer Schritt, um die Verschuldung weiter zu reduzieren und die Kapitalstruktur zu verbessern“, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Wie viel Geld Schaeffler mit dem Börsengang einnehmen will, sagte er nicht. Ein Insider sprach von deutlich mehr als 2,5 Milliarden Euro. Eigentümer des Unternehmens sind die Milliardärin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg.

Anfang Oktober stehen die Börsenkandidaten bereits Schlange: Am 1. Oktober sollen die Aktien von Scout24 erstmals gehandelt werden, Covestro soll einen Tag später folgen. Scout24 will bis zu 1,6 Milliarden Euro erlösen, Covestro 2,5 Milliarden Euro.

Die Covestro-Papiere können seit Montag gezeichnet werden. Bayer bietet die Papiere zwischen 26,50 und 35,50 Euro an. Je nachdem wird Covestro an der Börse mit 6,2 bis 7,5 Milliarden Euro bewertet. Nutznießer der Emission ist vor allem der Mutterkonzern Bayer. Mit dem Erlös will Covestro 2,37 Milliarden Euro der Schulden tilgen, die sie bei der Mutter hat. Rund vier Milliarden Euro Schulden und Pensionslasten sind aber dann noch übrig. Seine neuen Aktionäre lockt Covestro mit einer Dividende von 40 bis 70 Cent je Papier im ersten Jahr.

Die Scout24-Papiere kosten zwischen 26,50 und 33 Euro pro Stück. Sie sind ebenfalls seit Montag zeichenbar. Der Erlös landet vor allem bei den Alteigentümern, den Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone sowie der Deutschen Telekom. Für Scout24 selbst sollen 225 Millionen Euro bleiben, die zur Tilgung der fast eine Milliarde Euro hohen Schulden verwendet werden.

Schaeffler wiederum bietet institutionellen Anlegern im Rahmen einer Privatplatzierung vom 28. September an bis zu 166 Millionen Vorzugsaktien an. Ein öffentliches Angebot für Privatanleger gibt es nicht. 66 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung der Schaeffler AG, die restlichen 100 Millionen aus dem Bestand der Schaeffler Verwaltungs GmbH. Diese Holdinggesellschaft der Familie Schaeffler kontrolliert auch die 46-prozentige Beteiligung am Reifenhersteller Continental.

Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will Schaeffler vor allem Schulden tilgen. Auf der Schaeffler AG, in der das operative Geschäft des Unternehmens gebündelt ist, lasten 6,2 Milliarden Euro Schulden. Aktionäre will Schaeffler unter anderem mit einer Dividende von 25 bis 35 Prozent des Jahresüberschusses sowie Umsatz- und Gewinnzuwächsen locken. Der Preis für die Aktien soll am 2. Oktober festgelegt werden. Nach dem Börsengang werden sich 25 Prozent der Aktien im Streubesitz befinden.

Covestro und Schaeffler mit je 2,5 Milliarden Euro Erlös werden die größten Börsengänge in Deutschland seit dem 19. November 2000 sein. Damals ging das ehemalige Staatsunternehmen Deutsche Post aufs Parkett und nahm dabei 6,25 Milliarden Euro ein. Zuvor waren schon der Halbleiterhersteller Infineon (6,07 Milliarden Euro) und T-Online, Tochter der Deutschen Telekom (2,87 Milliarden Euro), an die Börse gegangen. Die größte Emission 2015 war die Deutsche Pfandbriefbank mit 1,16 Milliarden Euro.