Berlin

Bankkunden drohen höhere Gebühren

Stresstest sagt drastische Gewinneinbrüche voraus. Geldinstitute planen Filialschließungen

Bankkunden können sich auf steigende Gebühren und zahlreiche Schließungen von Filialen gefasst machen. Denn in ihrem klassischen Geschäft verdienen die Banken wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase immer weniger Geld.

Sollte diese Phase weitere vier Jahre anhalten, wären manche deutschen Geldinstitute existenziell bedroht. Die meisten verfügen jedoch über genügend Überschusskapital und stille Reserven. Das ist das Ergebnis eines Stresstests der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank.

Die untersuchten Institute gehen bis 2019 im Schnitt von einem Gewinnrückgang um 25 Prozent vor Steuern aus. Wenn die Zinsen so niedrig bleiben, müssen sie sich nach Berechnungen ihrer Aufseher sogar auf einen Einbruch um 50 bis 75 Prozent einstellen.

Drastische Änderungen in der Bankenwelt – das werden auch die Kunden bald zu spüren bekommen. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken kündigte bereits Filialschließungen an: Zehn bis 20 Prozent weniger Standorte seien vorstellbar. Die Deutsche Bank will bis zu 200 Filialen schließen. Und der Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB) rechnet damit, dass Bankleistungen generell teurer werden.

Denn manche Institute kämpfen bereits jetzt ums Überleben: „Es gibt deutsche Banken, deren Geschäftsmodell schon heute infrage steht“, sagte der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank, Andreas Dombret. Im „Worst-Case-Szenario“, einem weiteren Zinsrückgang, würden rund 40 Banken spätestens im Jahr 2019 Verluste schreiben.

Grundsätzlich seien auch „Marktaustritte von Instituten gesund und legitim“, teilte die BaFin mit. „Wir beurteilen die Ergebnisse in allen abgefragten Zinsszenarien als durchaus besorgniserregend“, erklärte Dombret. Das gelte besonders bei konstanten oder sinkenden Zinsen, aber auch beim Szenario eines Zinsanstiegs.

„Angesichts dieser Ergebnisse wäre ein Aussitzen der derzeitigen Lage für die befragten Kreditinstitute verantwortungslos, ja sogar gefährlich“, sagte Dombret weiter. Daher gelte es, aufseiten der Banken frühzeitig Gegensteuerungsmaßnahmen zu ergreifen. „Wir werden dafür sorgen, dass die Reserven für den Krisenfall auch zur Verfügung stehen“, sagte der für Bankenaufsicht zuständige BaFin-Direktor Raimund Röseler. Die besonders anfälligen Institute werde man „im Rahmen einer konzertierten Aktion“ überwachen. Zur Not werde man aufsichtliche Maßnahmen ergreifen, wie etwa Verbote von Ausschüttungen oder Boni.

Untersucht wurden rund 1500 kleinere und mittelgroße deutsche Kreditinstitute. Diese werden von BaFin und Bundesbank direkt beaufsichtigt. Sie sind als Kreditgeber das Rückgrat des deutschen Mittelstandes und haben im vergangenen Jahr zusammen zehn Milliarden Euro verdient. Die 21 deutschen Großbanken, die unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank stehen, waren dagegen nicht Gegenstand der Umfrage. Sie könnten niedrige Zinsen besser abpuffern, sagte Bundesbank-Vorstand Dombret.

„Die Bundesbank warnt seit Längerem vor den Gefahren für die Kreditinstitute, aber Warnungen reichen nicht“, kritisierte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. „Aufsicht, Bundesregierung und auch die Bundesbank müssen endlich aktiver werden, um gefährliche Entwicklungen frühzeitig zu vermeiden“, forderte Schick. „Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum man immer noch Kredite über 100 Prozent des Immobilienwertes zulässt, und ich verstehe auch nicht, warum immer noch Gewinnausschüttungen bei Lebensversicherungen zugelassen werden, die ein viel zu geringes Eigenkapital haben.“

Sicher ist: An den niedrigen Leitzinsen wird sich absehbar auf Jahre nichts ändern – die Lage der Banken wird ernster werden.