Berlin

Arme Milliardäre

Die weltweit reichsten Menschen haben viele Milliarden verloren. Doch es geht nicht nur um ihr Privatvermögen

Berlin.  Mitleid darf Warren Buffett nicht erwarten. Der drittreichste Mensch dieser Erde hat zwar im aktuellen Börsencrash Schlimmes erlebt. Sein Vermögen schrumpfte um über zehn Milliarden Dollar. Doch auch mit den verbliebenen gut 60 Milliarden Dollar wird er in den kommenden Tagen gut über die Runden kommt. Schlimmer hat es schon Robin Yanhong Li erwischt. Der Gründer des chinesischen Google-Pendants Baidu hat in den vergangenen Wochen mehr als ein Drittel seines Milliardenvermögens eingebüßt. Von ehemals 15,4 Milliarden Dollar sind nun weniger als zehn Milliarden übrig geblieben.

Viele Kleinanleger gerupft

Der aktuelle Börsencrash hat nicht nur viele Kleinanleger gerupft, von denen gerade in China viele auf Kredit Aktien gekauft haben. Auch die Superreichen mussten Federn lassen. Seit dem Börsenhoch im Mai sind die 400 reichsten Menschen der Erde nach Zahlen des Finanzdienstes Bloomberg 500 Milliarden Euro ärmer geworden. Das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung des Öllandes Norwegen oder Belgiens und ist auch deutlich mehr als der jährliche Haushalt der Bundesrepublik Deutschland von umgerechnet 342 Milliarden Dollar.

Vor allem die Entwicklung in China hat die Milliardäre viel Geld gekostet. Seit Peking vor zwei Wochen den Yuan abgewertet und damit eine Panik an den Finanzmärkten ausgelöst hat, verloren die Vermögenskrösusse fast 400 Milliarden Dollar. Logischerweise haben auch Chinas Tycoons besonders viel Geld eingebüßt. Das Vermögen der Neureichen schmolz um rund 70 Milliarden Dollar.

Die größten Verluste erlitt Wang Jianlin, Gründer des Immobilienkonglomerats Dalian Wanda mit umgerechnet 15,2 Milliarden Dollar, was rund einem Drittel seines Vermögens entspricht. Er hat auch mehr Geld eingebüßt als amerikanische Schwergewichte wie besagter Warren Buffett oder Bill Gates. Viele Chinesen sind ganz aus der Bloomberg-Milliardärsliste gefallen. Waren vor dem Börsenturbulenzen noch 45 Milliardäre gelistet, sind es jetzt gerade noch 24. Die Börse in Shanghai ist in den vergangenen Wochen fast 44 Prozent abgestürzt. Damit sind fast fünf Billionen Dollar an Marktwert vernichtet worden.

„Das Vermögen der Milliardäre hängt eng mit dem Aufstieg und Fall der Börsenkurse zusammen“, sagt Zhang Lu, Analyst bei Capital Securities gegenüber Bloomberg. „Wenn der Markt wie aktuell instabiler ist, dann sinkt ihr Vermögen.“

Bei den Verlusten handelt es sich nicht allein um Luxusprobleme des oberen einem Prozent. Hinter den Milliardären stehen ja auch Unternehmen, Mitarbeiter und damit auch Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.

Das beste Beispiel liefert das Vorzeigekind des chinesischen Wirtschaftswunders Jack Ma. Der Chef des Internetkonzerns Alibaba gilt als eine der Ikonen, die die Mitarbeiter motiviert und einer ganzen Generation von Chinesen als Vorbild auf dem Weg zu mehr Reichtum gilt. Wenn jemand wie Ma an Strahlkraft verliert, hat das schwerwiegendere Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung.

In den jüngsten Turbulenzen hat Strahlemann Ma 7,5 Milliarden Euro verloren. Denn die Alibaba-Aktien sind an der Wall Street fast 30 Prozent abgestürzt und zuletzt sogar unter den Ausgabepreis von 68 Dollar gefallen – und damit auch die Unternehmen.

Den rapiden Kurssturz mag der Alibaba-Gründer locker wegstecken, für seine Angestellten gilt das weniger. Viele Mitarbeiter des chinesischen Amazon-Pendants halten Aktien am eigenen Unternehmen. Der Kurssturz hat die Moral unter den Mitarbeitern zuletzt deutlich absacken lassen. Die Stimmung hat unter dem Börsentief so sehr gelitten, dass am Dienstag der amtierende Alibaba-Vorstand Daniel Zhang an die Belegschaft appellierte, den Aktienkurs zu vergessen und sich wieder auf ihre Arbeit und die Kunden zu konzentrieren. „Alibabas Werte reflektieren die Umsetzung unserer Träume und die Wünsche unserer Kunden. Unsere Werte geraten nicht mit dem Aktienkurs ins Rutschen“, schrieb Zhang seinen Mitarbeitern. „Wir müssen uns auf den wahren Preis konzentrieren und der liegt in unseren Kunden. Unseren Kunden zu dienen, dient am Ende auch dem Wert der Aktien und damit uns allen.“

Die Durchhalteparolen des Alibaba-Chefs dürften nicht von ungefähr kommen. Im September läuft die Aktien-Haltefrist für viele Mitarbeiter aus. Sollten diese frustriert die Papiere abstoßen, könnte das Vermögen und Strahlemann-Image von Gründer Jack Ma weiteren Schaden nehmen.

Insgesamt finden sich unter den Milliardärsverlierern ziemliche viele aus den Schwellenländern. Und das, obwohl die Neureichen aus den aufstrebenden Nationen noch gar nicht so viel Wohlstand anhäufen konnten wie etwa Warren Buffett oder die Erben des Wal-Mart-Gründer Sam Walton.

Abbild der globalen Wirtschaft

So hat der mexikanische Telekom-Tycoon umgerechnet elf Milliarden Dollar in den jüngsten Börsenturbulenzen verloren. Das liegt nicht allein am Absturz seiner Aktien. Auch der mexikanische Peso hat zum Dollar in den vergangenen Wochen 15 Prozent an Wert eingebüßt und auch ein solcher Währungsverlust knabbert am Wohlstand der Superreichen.

Die Verschiebungen auf der Milliardärsliste sind in gewisser Weise auch ein Abbild der globalen Wirtschaftswelt, der generellen Verschiebungen zwischen etablierten Industriestaaten und aufstrebenden Nationen. Zuletzt haben die Emerging Markets deutlich an Schwung verloren und damit auch die Neureichen. Insofern ist vielleicht kein Mitleid mit den Milliardären angebracht, aber Beachtung schon.