Frankfurt am Main/Peking

Welt-Börsen im Ausverkauf

An den Kapitalmärkten fallen die Preise für fast alles. Vor allem der Dax ist betroffen

Frankfurt am Main/Peking.  Diese Woche zeigten die Zahlen auf den Bildschirmen der Börsenhändler rot. Rot waren die Aktienmärkte in Asien, rot die Währungen der Schwellenländer, rot die Rohstoffnotierungen, und rot waren nun auch alle Dax-Werte. Die Marktturbulenzen in den Schwellenländern haben auf Europa übergegriffen. Der Deutsche Aktienindex Dax konnte seine Verluste am Freitag zunächst begrenzen. Gegen Mittag notierte das Börsenbarometer bei rund 10.400 Zählern. Das war zwar der niedrigste Stand seit Januar. Doch zumindest setzten sich die heftigen Abverkäufe nicht fort.

Nicht nur Aktien werden abgestoßen, Investoren ziehen sich auch aus den Rohstoffmärkten und ganzen Währungsräumen zurück. Das letzte Mal, dass die Welt eine solch breit angelegte Flucht aus dem Risiko erlebte, war die schwere Finanzkrise von 2008/09. Das Epizentrum des Finanzbebens sind diesmal jedoch nicht die USA und die Wall Street. Die Probleme kommen aus den Schwellenländern. Den früheren Wachstumsökonomien wird nun ihre Abhängigkeit von Rohstoffexporten und westlichem Kapital zum Verhängnis.

Als die Rohstoffpreise 2014 zu sinken begannen, verdüsterten sich die Wachstumsaussichten für die Emerging Markets. Investoren begannen ihr Kapital abzuziehen oder hielten sich mit neuen Investitionen zurück. Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Wochen dramatisch beschleunigt, aus zwei Gründen: Die Konjunkturabschwächung in China lässt noch niedrigere Rohstoffpreise erwarten, ist die Volksrepublik mit ihren 1,3 Milliarden Menschen doch der größte Nachfrager der meisten Erze und Energieträger. Dazu kommt die Erwartung steigender Zinsen in den USA. Durch die Kapitalflucht sind die Devisen vieler Schwellenländer brutal nach unten geprügelt worden, was wiederum die Inflation in den Nationen der früheren Dritten Welt anheizt. Darauf müssten die Notenbanken mit Zinserhöhungen reagieren. Doch das würde die empfindliche Konjunktur weiter treffen. Chinas jüngste Abwertung des Yuan habe weiter Öl ins Feuer gegossen.

Nicht in Panik verfallen

„Es wird weiter größere Spannungen im Währungsgefüge geben, nicht zuletzt durch die Straffung der US-Geldpolitik“, sagt Bill McQuaker von der Fondsgesellschaft Henderson. Deutschland sei von diesen Turbulenzen als Exportnation besonders betroffen. Kaum eine Börse der entwickelten Industrienationen hat zuletzt so viel Federn lassen müssen wie die deutsche. So steht der amerikanische Dow Jones Index nur sechs Prozent unter seinem Rekordhoch vom 19. Mai. Der Dax hingegen hat bereits 16 Prozent zum Hoch verloren.

Doch es gibt Stimmen, die mahnen, sich nicht auf das Negative zu fixieren. Der Wachstumsmotor China wird künftig wohl langsamer laufen, doch selbst mit den erwarteten sechs bis sieben Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt kann das Reich der Mitte noch ein hochlukrativer Markt sein, auch für deutsche Firmen. Carsten Mumm, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Privatbank Donner & Reuschel, kann sich im schlimmsten Fall einen Rückgang des Dax auf 9600 Punkte vorstellen. Dort verlaufen wichtige Unterstützungen für den Markt. Und irgendwann erzeugen die roten Zahlen nicht mehr Angst, sondern Gier. Die Gier, gute Aktien zum Schnäppchenpreis zu bekommen.