Hamburg

Erdgas-Kunden sind frustriert

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Der Ölpreis ist deutlich gefallen, beim Gas passiert dagegen nur wenig

Hamburg.  Es ist gerade mal ein Jahr her, da fiel der Preis für Nordsee-Öl der Sorte Brent erstmals nach Monaten unter 100 Dollar pro Barrel (159 Liter). Es war der Beginn einer steilen Talfahrt: Mit 46,68 Dollar war die Sorte am Donnerstag so billig wie seit Jahresbeginn nicht mehr. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate fiel mit 40,21 Dollar zeitweise sogar auf den tiefsten Stand seit März 2009.

Auch Erdgas wird günstiger. Im vergangenen Jahr mussten die deutschen Importeure im Durchschnitt noch 6538 Euro für ein Terajoule Erdgas bezahlen, im Mai dieses Jahres nur noch 5686 Euro. Das ist ein Rückgang um gut 13 Prozent und durchaus beachtlich. Aber doch weniger als bei anderen Rohstoffen.

„Öl spielt nach wie vor seine Rolle als Leitprodukt für die Energiemärkte“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID. „Aber diese Rolle ist längst nicht mehr so dominant wie in früheren Jahren.“ Vor fünf bis zehn Jahren galt noch die Ölpreisbindung in Deutschland. Das hatte historische Gründe, die mehr als 50 Jahre zurückreichen. Damals ging es darum, die erheblichen Investitionen in Gas-Pipelines, Lager und Infrastruktur abzusichern. Von den Gasquellen in Russland über die Fernhändler und die Energieversorger bis zum Endkunden wurden Gasverträge mit Preisklauseln abgeschlossen, die auf Rohöl oder Ölprodukte Bezug nahmen. Die Lieferverträge hatten Laufzeiten über Jahrzehnte. Frei verfügbare Mengen gab es kaum.

Das ist weitgehend vorbei. Wettbewerb ist eingezogen auf dem Gasmarkt. „Für den Verbraucher ist es letztlich besser, wenn diese unnatürliche Preisbindung zu Ende geht“, sagt Florian Krüger vom Verbraucherportal Verivox. Wenn das Öl wieder teurer werde, müsse der Gaspreis nicht mitziehen. Tatsächlich war Gas während der mehrjährigen Hochpreisphase des Öls als Brennstoff deutlich günstiger für die Verbraucher. Das ist nun vorbei. Und viele Gaskunden sind frustriert, weil sie wenig spüren von den sinkenden Energiepreisen. Während Heizöl bei einem aktuellen Preis von rund 56 Euro für 100 Liter um rund 29 Prozent günstiger ist als vor einem Jahr, beträgt der Rückgang beim Erdgas gerade einmal zwei Prozent. Durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht. Von August bis September haben nur 23 von 710 Versorgungsunternehmen, die Verivox beobachtet, angekündigt, ihre Preise senken zu wollen. Um knapp fünf Prozent.

Zu welchen Konditionen sich die Versorgungsunternehmen mit Gas versorgen, gehört zu ihren Geschäftsgeheimnissen. Langfristige Verträge mit Bezug auf die Preise von Rohöl oder Heizöl spielen im Markt durchaus noch eine Rolle. „Doch für den Endverbraucher bilden sich die Preise im Wettbewerb“, sagt ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft in Berlin. Die Kunden könnten in den meisten Regionen unter rund 100 Anbietern auswählen. Die unterscheiden sich oft nicht nur in den Preisen, sondern versuchen sich auch mit unterschiedlichen Leistungen von der Konkurrenz abzusetzen.