Düsseldorf –

Das letzte Kapitel des Buchclubs

Vertriebspartner von Bertelsmann nehmen Schließung nicht hin – und klagen vor Gericht

Düsseldorf.  Das letzte Kapitel in der langen Geschichte des Bertelsmann Buchclubs wird noch einmal spannend. Mit einer Millionenklage wehren sich vor dem Düsseldorfer Landgericht Vertriebspartner des Gütersloher Konzerns gegen das Aus für das Traditionsunternehmen, das einst Millionen Deutsche mit Lesestoff versorgte. Es ist ein Prozess, der selbst durchaus einige romanhafte Züge hat. Es geht um die Kündbarkeit von unkündbaren Verträgen, um das Ende jahrzehntelanger Partnerschaften und um viel Geld.

Der Bertelsmann Buchclub schreibe „seit mehr als zehn Jahren nichts als Verluste“, betont der Rechtsanwalt des Konzerns, Georg Maier-Reimer, am Dienstag in der mündlichen Verhandlung. Niemand könne von dem Unternehmen verlangen, einen solchen Verlustbringer weiterzuführen. Bertelsmann will Ende dieses Jahres das Buchclubgeschäft einstellen. Der Konzern kündigte den Vertriebspartnern bereits im Juni vergangenen Jahres.

Diese Vertriebspartner sind eine Besonderheit des Buchclubs. Es handelt sich um Buchhändler und andere Unternehmen, die auf eigene Rechnung Clubmitglieder warben und dann an Bertelsmann „verpachteten“. Derzeit gibt es noch fast 200.000 Clubmitglieder.

Guido Gebhard, einer der Kläger, betont, der mit dem Endes des Buchclubs verbundene Wegfall der Umsatzprovisionen sei für viele von ihnen existenzbedrohend. Deshalb wehren sich die Vertriebspartner vehement gegen die Bertelsmann-Pläne. Vor Gericht verweisen sie darauf, dass die Verträge überhaupt kein Kündigungsrecht für Bertelsmann vorsähen.

Und ganz aussichtslos ist ihre Klage wohl nicht. Der Vorsitzende Richter der 5. Kammer für Handelssachen, Martin Vomhof, macht in der mündlichen Verhandlung deutlich, dass die Kündigung der Verträge nach der vorläufigen Einschätzung der Kammer ungültig sei. Zwar heiße unkündbar juristisch gesehen nicht „auf ewig“. Doch sehe das Bürgerliche Gesetzbuch bei langfristigen Miet- und Pachtverträgen erst nach 30 Jahren ein Sonderkündigungsrecht vor. Und die Uhr begann nach vorläufiger Einschätzung der Richter frühestens mit dem ersten formellen Pachtvertrag 1986 zu ticken.

In anderen Punkten macht Vomhof den Klägern allerdings weniger Hoffnung. So hält das Gericht die Forderung nach Schadenersatz für Umsatzausfälle durch die Schließung der Buchclubfilialen für unbegründet. Es gebe in den Verträgen keine Verpflichtung für Bertelsmann, stationäre Geschäfte zu betreiben. Gleich mehrfach legt der Richter beiden Seiten nahe, doch noch einen Vergleich zu schließen. Schließlich sei dem aktuellen Streit eine jahrzehntelange gute Partnerschaft vorausgegangen. Andernfalls will das Gericht seine endgültige Entscheidung am 29. September verkünden.

Dass durch den Rechtsstreit der Bertelsmann Buchclub noch in letzter Minute gerettet werden kann, glauben auch die Kläger nicht, wie der Düsseldorfer Buchhändler Gebhard einräumt. Ihnen gehe es „eher um einen Ausgleich für das Ende des Vertrages“. Und da soll Bertelsmann noch einmal tief in die Tasche greifen. In früheren Äußerungen bezifferten die rund 250 Buchclub-Vertriebspartner den Schaden auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der verstorbene Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn hatte den „Bertelsmann Lesering“ 1950 gegründet. Im Internet-Zeitalter funktionierte das Buchclubmodell nicht mehr.