Frankfurt/Main –

Wenn in China die Börse bebt

Konjunkturdelle oder tiefgreifender Währungskrieg: Experten halten die Folgen für beherrschbar

Frankfurt/Main.  Griechenland-Krise, Turbulenzen in China: Immer wieder geraten Dax und Co. unter Druck. Zuletzt versetzte die Abwertung des chinesischen Yuan (Renminbi) Anleger in Unruhe, obwohl die deutsche Wirtschaft allmählich an Schwung gewinnt und Dax-Konzerne kräftig verdienen. Wie geht es weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was belastet die Stimmung der Anleger?

An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Manche Investoren befürchten nach der drastischen Abwertung der chinesischen Währung Yuan einen Währungskrieg zwischen großen Volkswirtschaften. Die Abwertung gab zudem Sorgen um die Konjunkturentwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt neue Nahrung. Am Montag ließen enttäuschende Konjunkturnachrichten aus den USA – der größten Volkswirtschaft der Welt – die Kurse weiter bröckeln.

Wie wirkt sich die Entwicklung am deutschen Aktienmarkt aus?

Im Vergleich zu anderen europäischen Indizes traf der durch China ausgelöste Kursrutsch den Dax besonders hart. Vor allem Aktien der großen Autokonzerne gerieten unter Druck – für sie ist der chinesische Markt besonders wichtig. Insgesamt verlor der Leitindex in der vergangenen Woche etwa 4,5 Prozent. Nach Berechnungen der DZ Bank wurden an drei Tagen 56 Milliarden Euro im Dax vernichtet. „Pro-Argumente für die deutschen Unternehmen wie der schwache Euro oder der niedrige Rohölpreis werden vom Markt aktuell – wie üblich – ignoriert“, schreiben die Experten.

Wie steht die deutsche Wirtschaft zurzeit da?

Sie kommt nach einem Dämpfer zu Jahresanfang allmählich wieder in Schwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 Prozent. Starke Exporte und konsumfreudige Verbraucher treiben die Entwicklung an. So lange die chinesische Wirtschaft „nur“ weiter an Fahrt verliere und es nicht zu einer Krise in den Schwellenländern komme, dürften die Belastungen für Deutschland beherrschbar sein, meinen Experten der Commerzbank.

Wie geht es deutschen Großkonzernen?

Das Geschäft der 30 Börsenschwergewichte läuft auf Hochtouren. Nach einer Auswertung des Beratungsunternehmens EY erzielten die Dax-Konzerne im zweiten Quartal beflügelt vom schwachen Euro Bestmarken bei Umsatz und operativem Gewinn. Experten der DZ Bank rechnen damit, dass 16 der 30 Dax-Unternehmen Umsatzrekorde im Gesamtjahr vermelden werden und 12 der Börsenschwergewichte Bestmarken beim Vorsteuergewinn: „Die Gewinnmaschine der Dax-Konzerne läuft also auf Hochtouren.“

Wie geht es weiter an den Börsen?

Sollte es zu einem Währungskrieg kommen, werde das Folgen für die globale Konjunktur und damit auch für die Entwicklung an den Börsen haben, warnt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Zunächst dürften Investoren erst einmal abwarten. Die Commerzbank traut dem Dax trotz der gestiegenen Risiken zum Jahresende 11.800 Punkte zu. Die DZ Bank erwartet im zweiten Halbjahr gar einen Anstieg auf 12.500 Punkte. Aus ihrer Sicht ist die Abwertung des Yuan angesichts der Entwicklung anderer Währungen moderat und gerechtfertigt. dpa