Berlin –

Fast schon wie eine eigene Währung

Flugmeilen sammeln ist beliebt. Aber es gibt Unterschiede: Das Programm von Air Berlin gehört zu den besten

Berlin.  Für viele Vielflieger ist es ein Lebensziel, von der Lufthansa zum Senator geadelt zu werden. Diesen Status bekommen Kunden mittels einer Plastikkarte verliehen, wenn sie im Vielfliegerprogramm „Miles and More“ 100.000 Statusmeilen erreicht haben. Das funktioniert aber meist nur, wenn sie in dem Jahr öfter in der Business- oder First Class unterwegs gewesen sind.

Meilenpionier ist American Airlines. Die US-Airline legte 1981 unter dem Namen AAdvantage das weltweit erste Programm auf. Mittlerweile sind die Punkte zu einer eigenen Währung geworden, die von den Airlines an Mietwagenfirmen, Hotels oder Kreditkartenunternehmen verkauft werden. Im Internet gibt es jede Menge Foren und sogar kostenpflichtige Infodienste, auf denen Vielflieger sich informieren können, wie die gesammelten Meilen am effektivsten in Sachprämien oder Freiflüge umgesetzt werden können. Und wie die Chats zeigen, gibt es vieles zu bedenken und große Unterschiede bei der Punkteverwertung bei den einzelnen Airlines. Und: Immer mehr Reisende sind höchst unzufrieden, weil es oft vor allem in der Urlaubszeit nur wenige oder gar keine Sitze gibt, die mit Punkten gebucht und bezahlt werden können. Und wenn doch, dann müssen viele Punkte hergegeben werden.

Aber es gibt auch Ausnahmen. So war zum Beispiel die deutsche Air Berlin Testsieger in einer international angelegten Studie über die Verfügbarkeit von Sitzen, die mit Punkten des Loyalty Programms „Top-Bonus“ bezahlt werden sollten. Die Berliner lagen gleichauf mit der amerikanischen Billig-Pionierlinie Southwest. Die Lufthansa-Gruppe schaffte es immerhin noch, alle amerikanischen Wettbewerber bei der Verfügbarkeit klar abzuhängen. Untersuchungszeitraum war zwischen Juni und Oktober 2014.

Grundsätzlich gibt es zwei Modelle beim Verkauf von Flugzeugsitzen auf Punktebasis. So orientieren sich zum Beispiel die führenden US-Billiglinien bei der Punkte-Buchung am offiziellen Preis für einen bestimmten Flug, zum Beispiel 100 Dollar für einen Trip von New York nach Washington, und rechnen dann aus, wie viele Punkte der Kunde dafür ausgeben muss. Bei der Lufthansa oder auch British Airways gibt es feste Vorgaben und Kategorien. Ein Europaflug kostet zum Beispiel 25.000 Punkte. Vor allem Vielflieger sind besser bedient mit wertorientierten Airlines wie Jetblue oder Southwest findet Jay Sorensen, Chef der Consultingfirma Ideaworks, die die Studie seit sechs Jahren durchführen lässt. Weltweit sind derzeit aber immer mehr Airlines dabei, ihre meist in den 80er-Jahren entstandenen Vielflieger-Loyalitätsprogramme zu modernisieren. So vergibt Southwest seit etwa fünf Jahren Punkte auf Basis des Dollarbetrages, den die Airline mit dem Kunden umsetzt. Dazu gehören neben dem reinen Ticketpreis zum Beispiel auch Zusatzausgaben wie Catering oder mehr Gepäck. Mit Erfolg. Die Mitgliederzahl ist seitdem stark gestiegen.

Grundsätzlich gilt, dass es sich in der Regel am meisten lohnt, Punkte einzusetzen für sogenannte „Meilenschnäppchen“. Da gibt es schon mal Businessflüge für die Hälfte der normal üblichen Meilen. Auch Upgrades in die Business-Klasse oder gar in die First Class lohnen sich meist. Bei allen Airlines gibt es vielfältige Meilen-Aktionen, die schwache oder neue Ziele im Flugplan promoten sollen.

Die Meilenprogramme, das heißt vor allem die gesammelten Kundendaten, sind mittlerweile sehr viel Geld wert. Vor drei Jahren versilberte die finanziell angeschlagene Air Berlin ihr Miles & More-Pendant „Topbonus“ für 185 Millionen Euro an die arabische Fluglinie Etihad.