Köln –

Eintauchen in eine Fantasiewelt

Auf der Gamescom in Köln werden viele neue Spiele für Konsolen vorgestellt. Auch virtuelle Games mit 3D-Brillen sind bald zu haben

Köln.  Spannende Abenteuer nach missglückter Zeitreise, Helden an der Seite feuerspeiender Drachen oder neue Star-Wars-Abenteuer: Auf der Spielemesse Gamescom in Köln können Gamer viele neue Spiele ausprobieren, die in den kommenden Monaten zu haben sind. Auch 2015 stehen Spiele für die dominierenden Konsolen – Microsofts XBox und die Playstation von Sony – im Vordergrund.

Bereits einen Tag vor dem Start der Spielemesse stellte Microsoft am Dienstag neue Titel für die Xbox One vor. Es sei die größte neue Auswahl in der Geschichte der Konsole, sagte Xbox-Chef Phil Spencer. Mit opulenten Abenteuern wie „Quantum Break“, „Crackdown 3“ oder „Scalebound“ will der Softwarekonzern die Spielergemeinde für sich gewinnen.

Geschichten werden komplexer

Konkurrent Sony verzichtet dieses Mal auf eine eigene Präsentation. Die Gamescom sei einfach zeitlich zu nah an der US-Spielemesse E3 in Los Angeles, sagte Uwe Bassendowski, Deutschland-Chef von Sony Computer Entertainment, der Deutschen Presseagentur. „Damit wären wir unserem eigenen Anspruch, viele Neuheiten zu zeigen, nicht gerecht geworden.“ Die Spiele seien immer komplexer, hat Bassendowski beobachtet. Es gebe weniger Spiele als früher, doch die einzelnen Titel blieben länger im Programm. Dieser Trend gebe auch mehr Spielraum für den Aufbau der Spielgeschichten. Mit Erweiterungspacks versuchten die Anbieter, die hohen Kosten für die Entwicklung wieder einzuspielen.

Als Trend in der digitalen Spielebranche gelten aktuell auch Produkte aus dem Bereich der „virtuellen Realität“. Mit Hilfe von Brillen taucht der Spieler direkt in eine digitale Umgebung ein. Doch auch wenn 2016 erste Angebote auf den Markt kommen sollen, sieht Bassendowski die Technologie noch in den Kinderschuhen.

In der Entwicklung der Hardware sei man schon sehr weit, sagte der Sony-Manager. In Köln zeigt Sony die neue Version seiner 3D-Datenbrille Project Morpheus. In der Entwicklung sinnvoller Spielekonzepte speziell für die virtuellen 3D-Welten stehe man aber noch am Anfang. „Die Spiele müssen sehr durchdacht sein.“ Da die Spieler komplett in eine andere Welt eintauchen, müsse zuvor geklärt werden, „wo der Spaß aufhört und der Stress anfängt“, sagt Bassendowski. „Wir sind noch am Anfang der Reise.“

Im Wettkampf der neuen Spielekonsolen hat Sony die erste Etappe der Reise gut absolviert. Rund anderthalb Jahre nach dem Marktstart von Playstation 4 und Microsofts Xbox One baut Sony seine Führungsposition weiter aus. Die Absatzzahlen seien im deutlich zweistelligen Prozentbereich gestiegen, sagte Bassendowski. Offiziell geben Sony und Microsoft für den deutschen Markt keine Verkaufszahlen bekannt. Uwe Bassendowski verwies jedoch auf einen Bericht von „Börse Online“. Demnach verkaufte Sony laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Deutschland bis März dieses Jahres 1,6 Millionen Geräte, Microsoft kam demnach im gleichen Zeitraum auf 378.000 Einheiten. Microsoft-Manager Gregor Bieler wollte die Zahlen nicht kommentieren. Weltweit wurden bislang 25,3 Millionen Sony Playstation 4 an den Handel ausgeliefert. Microsoft hat laut Bieler seit dem Launch mehr als zehn Millionen verkauft.

Unterdessen setzt Microsoft auch mit seiner Xbox One auf das neue Betriebssystem Windows 10. Es kommt im November für die Konsole heraus. Künftig sollen Spiele auf der Xbox One auf jedem Gerät mit Windows 10 per Streaming nahtlos weitergespielt werden können. Damit schaffe das neue Betriebssystem ein Bindeglied zwischen Konsolen- und PC-Spielen, sagte Microsoft-Manager Bieler. „Windows 10 macht die Xbox One über Nacht zur wichtigsten Konsole“, ist er überzeugt.

Zudem baut Microsoft die Konsole mit einem digitalen Videorekorder weiter zu einer Multimediazentrale aus. Filme und Serien sollen damit auch im Hingergrund aufgenommen und anschließend auf jedem Windows-10-Gerät angesehen werden können. Die Gamer stünden bei der Xbox One aber weiter im Mittelpunkt, betonte Bieler.

Kaum deutsche Entwickler

Deutschland ist einer der größten Absatzmärkte für Computerspiele in Europa. Entwickelt wird die Software aber meist im Ausland. „Der Spielemarkt hierzulande wächst dynamisch, an der deutschen Industrie geht diese Entwicklung aber weitgehend vorbei“, klagt Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware. Fast zwei Milliarden Euro haben die Deutschen 2014 für Spielesoftware, Abonnementgebühren und virtuelle Güter ausgegeben, meldet die GfK. Bei deutschen Herstellern landen davon nur sieben Prozent, im Segment für Konsolen- und PC-Spiele sogar nur 0,5 Prozent. „Die Branche ist in einem schwierigen Zustand“, warnt Schenk im Gespräch mit der Morgenpost. Etliche deutsche Firmen hätten zuletzt Umsätze verloren oder Insolvenz angemeldet.

Als Grund nennt er fehlende Fördermittel, wie es sie im Filmbereich gebe oder auch in der Spielebranche anderer Länder. Schenk fordert mehr Unterstützung für Game-Start-ups. Deutsche Entwickler haben zudem das Problem, schlicht zu klein zu sein. Oft hängt das Überleben vom Erfolg einzelner Titel ab, deshalb ist die deutsche Spielebranche nur bedingt wettbewerbsfähig, so Experten.