Berlin –

Bei 26 Grad Raumtemperatur hört der Spaß im Sommer auf

Wie Arbeitgeber gegen die Hitze im Büro vorgehen sollten

Berlin.  Fenster auf, Fenster zu. Jalousien runter, Jalousien doch wieder ein bisschen hoch. Nein, runter. Okay, dann aber Fenster auf – „Nur zwei Minuten“. Spätestens wenn die Temperaturen draußen steigen, kochen die Emotionen hoch. Schon weil ein jeder ein anderes Empfinden für Hitze hat.

Dagegen hat der Gesetzgeber für objektive Aussagen zum Thema Raumtemperatur gesorgt: In seinem Auftrag hat der Ausschuss für Arbeitsstätten die sogenannten technischen Regeln für Arbeitsstätten auch in Bezug auf die Raumtemperatur erstellt. Einschlägig ist die Technische Regel für Arbeitsstätten mit Namen A3.5. „Sie gilt für Arbeits-, Pausen- und Bereitschaftsräume, an die betriebstechnisch keine spezifischen raumklimatischen Anforderungen gestellt werden“, sagt Stefan Sasse. Sasse ist Anwalt für Arbeitsrecht und Partner bei Göhmann Rechtsanwälte in Magdeburg. Er weiß: In Arbeitsräumen soll eine Temperatur von 26 Grad nicht überschritten werden.

Sofern die Außenlufttemperatur über 26 Grad liegt, sollen durch den Arbeitgeber „zusätzliche Maßnahmen“ ergriffen werden. Sollbestimmungen in Gesetzen und Verordnungen zeigen immer, dass ein gewisser Spielraum besteht. Ein Soll ist eben kein Muss. Zum Handeln verpflichtet ist der Chef erst bei höheren Temperaturen.

Was soll der Arbeitgeber also tun? Das kann eine effektive Steuerung des Sonnenschutzes sein oder auch die effektive Steuerung von Lüftungseinrichtungen. „Das kann zum Beispiel Nachtauskühlung oder Lüftung in den frühen Morgenstunden sein – oder auch, dass elektrische Geräte vermehrt abgeschaltet werden“, sagt Sasse. Eine andere Möglichkeit sind gelockerte Bekleidungsregeln, das Verteilen von Getränken oder Gleitzeit. Wenn nicht nur draußen 26 Grad sind, sondern drinnen die Lufttemperatur von 30 Grad überschritten wird, gibt es kein Entkommen mehr: „Es müssen wirksame Maßnahmen ergriffen werden“, sagt Sasse.

Die absolute Grenze für Lufttemperatur im Raum liegt bei 35 Grad. Ist die überschritten, ist der Raum nicht mehr ohne Weiteres als Arbeitsraum geeignet. In welcher Weise der Arbeitgeber jedoch aktiv wird, bleibt ihm überlassen. „Der Arbeitgeber kann zwischen den Maßnahmen auswählen“, sagt Sasse. Allerdings unterliegen sie der Mitbestimmung des Betriebsrates.

Anspruch auf Einbau einer Klimaanlage hat der Arbeitnehmer in aller Regel nicht. Doch er hat andere Möglichkeiten, sich gegen zu viel Hitze am Arbeitsplatz zu wehren. Ein „Recht auf Hitzefrei“ kennt das deutschen Arbeitsschutzrecht zwar nicht. Und dennoch: Grenzenlos schwitzen ist auch nicht angesagt. Wer etwa gesundheitliche Probleme hat, beispielsweise starke Kreislauf- oder Herzprobleme, kann sich krankschreiben lassen.

Und auch gesundheitlich nicht angeschlagene Arbeitnehmer sollten darauf bestehen, dass sich der Chef bei sommerlichen Temperaturen (also bei über 26 Grad Celsius Außentemperatur) an die zusätzlichen Schutzmaßnahmen hält (beispielsweise vermehrtes Lüften, gelockerte Kleidungsvorschriften, Getränke, kürzere Arbeitszeiten). Einfach zu Hause bleiben darf der Arbeitnehmer nicht, auch wenn es zu einer Überschreitung der entsprechenden Temperaturen kommt. Arbeitnehmer, die sich selbst „frei geben“, liefen Gefahr, dass der Arbeitgeber eine Abmahnung und im Falle des weiteren Fehlens eine verhaltensbedingte Kündigung ausspricht, warnt Sasse.