Berlin –

Grube plant Teilverkauf der Bahn

Sparmaßnahmen und Trennung von Unternehmensteilen sollen Konzern auf Kurs bringen

Berlin –. Kaum etwas ist langweiliger als das Organigramm eines Unternehmens. Viele Kästchen, viele Namen, viele Pfeile. Aber die geplante neue Struktur der Deutschen Bahn (DB) hat es in sich. Da lohnt es, jedes Detail ganz genau anzuschauen. Denn wird wahr, was sich Konzernchef Rüdiger Grube ausgedacht und auf einer schönen Übersicht festgehalten hat, sind alle Weichen so gestellt, dass Teile des DB-Konzerns in private Hände übergehen könnten. Grube nimmt ganz offensichtlich einen neuen Anlauf zu einer Privatisierung. Allerdings nur in einer Lightversion.

Mitte dieser Woche wurden den Mitgliedern des Aufsichtsrats die Unterlagen für die außerordentliche Sitzung am 27. Juli geschickt. Dieses Treffen ist eine Krisensitzung. Die Bahn verdient immer weniger, vor allem im Fern-, Regional- und Schienengüterverkehr. Grube will daher massiv sparen. Immer mehr Details über das Wie dringen nach außen. „Aber sparen allein reicht nicht. Wir müssen zusehen, dass endlich mehr Geld reinkommt“, erbost sich ein einflussreiches Aufsichtsratsmitglied.

Verschlusssache in Umlauf

Wie Grube die Kassen füllen will, kann man sich gut ausmalen, wenn man sich das Organigramm für die neue Konzernstruktur anschaut und kombiniert. Die Übersicht zur künftigen Organisation ist streng vertraulich, dennoch zirkuliert die Verschlusssache fleißig. Auffällig darin ist weniger der kometenhafte Aufstieg von Fernverkehrschef Berthold Huber oder die Machtfülle von Infrastrukturvorstand Volker Kefer. Interessant sind vor allem die neuen Zuständigkeiten von Finanzvorstand Richard Lutz.

Dem sind nämlich laut den Plänen Grubes die Konzerntöchter DB Arriva, also das Auslandsgeschäft im Personenverkehr, und DB Schenker Logistics zugeordnet. Und warum tut man das? „Weil es für eine Privatisierung sinnvoll ist, wenn der Finanzvorstand für diese Gesellschaften die Verantwortung hat“, sagt ein Aufsichtsratsmitglied der Morgenpost.

Mit den Themen Privatisierung, gar Börsengang, hat der Bahnvorstand schlechte Erfahrungen gemacht. 2009 scheiterte Grube-Vorgänger Hartmut Mehdorn endgültig mit seinem Vorhaben, die Bahn komplett an die Börse zu bringen. Mehdorn tat zwar nur, was ihm der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Jahre zuvor aufgetragen hatte. Aber 2009 – unabhängig von der Finanzkrise – hatte sich die politische und allgemeine Stimmung im Land gegen eine Privatisierung gedreht. Man hatte Angst, „Heuschrecken“ könnten sich das mit Milliarden aus Steuermitteln ge- und ausgebaute Netz unter den Nagel reißen.

Es wurde still um das Thema, aber Grube und die jeweiligen Bundesverkehrsminister hatten sich die Option Privatisierung immer offengehalten. Die Bahn müsse kapitalmarktfähig bleiben, so die Losung. Nun ist es offenbar soweit, die Option umzusetzen. „In Betracht käme ein Verkauf von zehn oder zwanzig Prozent von Arriva oder Schenker“, heißt es in Bahnkreisen. „Wir behalten die Kontrolle, bekommen aber das dringend nötige frische Kapital.“

Im Aufsichtsrat haben die Pläne durchaus Chancen, durchgewinkt zu werden. „Einerseits muss die Bahn in den kommenden Jahren Milliarden investieren. Andererseits hat sie an den Bund eine satte Dividende zu zahlen und will die Verschuldung bei 19 Milliarden Euro deckeln. Das passt nicht zusammen“, sagt ein Aufsichtsratsmitglied. Funktionieren kann das nur – neue Investitionen ohne neue Schulden – wenn frisches Geld reinkommt.

Angesichts dieser Erkenntnis verlieren die Kontrolleure offenbar zunehmend die Scheu vor dem Thema Teilprivatisierung. Und die Tatsache, dass das Netz in einer anderen Gesellschaft ist als das eigentliche operative Geschäft, beruhigt all jene, die fürchten, dass bei einem Verkauf jeglicher Anteile an DB-Töchtern irgendwie das steuerfinanzierte Netz betroffen sein könnte.

Kein großer Widerstand

Gegen einen Verkauf von Teilen Schenkers gab es ohnehin nie nennenswerten Widerstand. Es wurden in den vergangenen Jahren sogar Stimmen laut, die sich für einen kompletten Börsengang der Logistiktochter ausgesprochen hatten. Warum müsse die Bahn überhaupt im Logistikgeschäft engagiert sein, fragen die Befürworter.

Doch genau jene Struktur der Bahn, die alle, die sich ums Netz sorgen, beruhigt, wird nach den Grube-Plänen aufgelöst. Diese Organisation ist aufwendig und teuer, denn sie schafft Doppelstrukturen. Erdacht war sie in der Zeit, als die Bahn – ohne das Schienennetz – noch ganz an die Börse sollte. Jetzt muss der Aufsichtsrat noch zustimmen. Ein entscheidender Punkt bleibt aber – zumindest für Außenstehende – weiter offen: Wie Grube mit seinen Züge mehr Geld verdienen will.