Berlin –

Prothesenhersteller Otto Bock plant Umzug nach Berlin

Weltmarktführer der Branche will zudem in den nächsten zwei Jahren an die Börse gehen

Berlin –.  Otto Bock, der größter Hersteller weltweit von Bein- und Armprothesen strebt mit seiner Gesundheitssparte an die Börse. Im Zuge dessen ist auch der Umzug der Sparte nach Berlin geplant, wie Unternehmenschef und Eigentümer Hans Georg Näder. Otto Bock wurde vor fast 100 Jahren, 1919, in Berlin gegründet. Die Firma hat bereits ein architektonisch eigenwilliges Haus mit einer Wissenschaftsausstellung an der Ebertstraße nahe des Potsdamer Platzes sowie einen Standort auf dem Gelände der ehemaligen Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg.

Otto Bock will mit dem Börsengang Geld für die Expansion beschaffen. „Wir wollen weiter die Rolle des globalen Konsolidierers in der technischen Orthopädie spielen“, sagte Näder. Er wolle zunächst 25 Prozent der Otto Bock Health Care an die Börse bringen. Zum darin gebündelten Kerngeschäft zählen neben Körper-Ersatzstücken auch Rollstühle, Orthesen und andere Mobilitätshilfen für behinderte Menschen.

Zuletzt hatten Finanzinvestoren die Medizintechnik-Branche entdeckt. Der deutsche Rollstuhl-Hersteller und Otto-Bock-Konkurrent Sunrise ging vor kurzem für mehr als eine halbe Milliarde Euro an die Beteiligungsgesellschaft Nordic Capital.

Otto Bock Health Care könnte an der Börse mit mehr als 2,5 Milliarden Euro bewertet werden. Die Sparte setzte 2014 mit gut 6300 Mitarbeitern 771 Millionen Euro um. Die operativen Renditen, Betriebsgewinn im Verhältnis zum Umsatz, liegen in der Branche bei rund 20 Prozent. Der größte Konkurrent, die isländische Ossur, ist bereits an der Börse.

Angepeilt sei der Börsengang für 2017. „Es kann aber auch früher sein“, sagte Näder. Die Otto Bock Health Care soll vorher nach dem Vorbild des Gesundheitskonzerns Fresenius in eine SE & Co KGaA umgewandelt werden. Über diese Form könnte die Familie die Macht im Unternehmen behalten. Die Gesundheits-Sparte soll im Zuge dessen nach Berlin umziehen. Die Holding soll im niedersächsischen Duderstadt bei Göttingen bleiben.

Näder hatte die Firma von seinem Vater, dem Schwiegersohn des Gründers, geerbt. Zur Otto-Bock-Gruppe gehört auch eine kleinere Sparte, die Schäume und Kunststoffe etwa für die Automobilindustrie produziert. Sie soll nicht mit an die Börse gebracht werden. Der Konzernumsatz lag 2014 bei 936 Millionen Euro.