Frankfurt –

Peking bekommt den Aktiencrash nicht in den Griff

China-Krise ist gefährlicher als Griechenland-Misere. Alle Maßnahmen bisher erfolglos

Frankfurt –.  In Europa gibt es derzeit fast nur noch ein Thema: Griechenland. Doch in Asien braut sich etwas zusammen, das weit gefährlicher für die globale wirtschaftliche Entwicklung ist. Denn in China befinden sich die Aktienkurse seit drei Wochen im freien Fall, dadurch drohen zunehmend auch Auswirkungen auf die weltweite Konjunktur. „China ist sehr viel wichtiger als Griechenland“, warnt David Kohl, vom Bankhaus Julius Bär.

Zwar versucht die Regierung verzweifelt gegenzusteuern. Doch bislang ohne Erfolg. Als weitere Maßnahme beschloss das Kabinett jetzt ein neuerliches Konjunkturprogramm. 250 Milliarden Yuan (36,6 Milliarden Euro) sollen auf Hilfe angewiesene Bereiche der Wirtschaft gelenkt werden, insbesondere der Bau von Straßen und anderen Infrastrukturprojekten soll vorangetrieben werden. Doch ob dies hilft, ist fraglich. Denn der Aktiencrash in Shanghai und Shenzhen wird von Tag zu Tag dramatischer. So verloren die Papiere in Shenzhen am Mittwoch rund drei Prozent, in Shanghai fast sechs Prozent. Das war der zwölfte Tag in Folge mit fallenden Kursen. Seit Mitte Juni ging es damit um ein Drittel abwärts, umgerechnet rund drei Billionen Euro an Anlegervermögen wurden vernichtet – zehnmal so viel wie die gesamte Schuldenlast Griechenlands.

Und zunehmend greift der Crash auch über. So brachen die Kurse in Tokio um drei Prozent ein, in Hongkong sogar um acht Prozent. In beiden Fällen war Griechenland kein Thema, ausschließlich die dramatischen Entwicklungen an Chinas Börsen ließen die Investoren dort die Flucht ergreifen. „Es herrscht wirklich Panik“, sagt Tony Chu, Anlagestratege bei RS Investment Management in Hongkong. Die Regierung versucht mit immer neuen Mitteln den Crash aufzuhalten. So setzte die Börsenaufsicht den Handel mit 500 weiteren Aktienwerten aus, nachdem sie schon in den Tagen zuvor ähnliche Maßnahmen ergriffen hatte. Damit können fast die Hälfte aller an den Börsen Shanghai und Shenzhen notierten Papiere nicht mehr gehandelt werden. Doch das führt dazu, dass die anderen Werte noch stärker im Kurs fallen. Denn viele Anleger ziehen ihr Geld aus Fonds ab. Um diese auszahlen zu können, müssen die Fondsmanager Aktien verkaufen, und sie tun dies nun gezwungenermaßen vermehrt bei jenen Werten, die noch handelbar sind.

Regierung stoppte Börsengänge

Auch die anderen Maßnahmen sind weitgehend verpufft. So hatte Peking am Wochenende sämtliche Börsengänge gestoppt, die Transaktionskosten gesenkt, einen verstärkten Kampf gegen Marktmanipulation und Insiderhandel versprochen sowie die großen Brokerhäuser und Fondsgesellschaften verpflichtet, ihre Papiere zu behalten oder gar neue hinzuzukaufen. Es nützte nichts. Daher hatte die Regierung dann den 111 größten Staatsunternehmen und ihren Tochterfirmen den Aktienverkauf verboten, Anteilseigner, die mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen besitzen, wurden aufgefordert zuzukaufen. Die Versicherungsaufsicht erhöhte den Anteil, den die Assekuranzfirmen in Aktien investieren dürfen, von fünf auf zehn Prozent. Doch bislang half auch dies nichts.