Berlin/München –

Fusion von Springer und ProSieben?

Unbestätigte Berichte – Vor zehn Jahren scheiterten gemeinsame Pläne schon einmal am Kartellamt

Berlin/München –.  Die Medienkonzerne Axel Springer („Bild“, „Die Welt“, N24) und ProSiebenSat.1 prüfen nach Medienberichten den Zusammenschluss beider Unternehmen. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person bestätigte der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX, die Gespräche seien in einem frühen Stadium. Ein Kauf von Springer durch ProSiebenSat.1 sei wegen zu erwartender Widerstände bei Springer aber unwahrscheinlich. Der Konzern ist überwiegend in der Hand der von Friede Springer geführten Axel Springer Gesellschaft für Publizistik.

Springer dementierte Spekulationen, dass Friede Springer ihren Einfluss auf das Unternehmen abgeben könnte. Ziel sei es, die „Kontinuität der Kontrolle“ durch ihre Familie langfristig sicherzustellen und Wachstumsoptionen zu erschließen. „Deswegen entbehren Spekulationen bezüglich der Abgabe dieser Kontrolle jeder Grundlage“, so der Konzern. Weitere Kommentare über eine mögliche Fusion wollte eine Sprecherin nicht abgeben. Auch ein Sprecher von ProSiebenSat.1 wollte sich nicht äußern.

Die Axel Springer SE arbeite unverändert an der Umwandlung der Rechtsform des Unternehmens in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), erklärte Springer. Mit einer KGaA soll sichergestellt werden, dass auch bei Kapitalerhöhungen der Einfluss der Mehrheitseigentümerin erhalten bleibt.

Eine mit der Sache vertraute Person sagte, denkbar sei derzeit ein Zusammenschluss unter Gleichen. Davor hatten das „Wall Street Journal“ und die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Fusionsgespräche berichtet. Anleger maßen der unbestätigten Nachricht einige Bedeutung bei. Am Dienstagmorgen legte die Springer-Aktie im MDax um mehr als acht Prozent zu, ProSiebenSat.1 lag mit fast sieben Prozent im Plus.

Sechs Milliarden Euro Umsatz

Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde der zweitgrößte Medienkonzern in Deutschland nach Bertelsmann mit einem Umsatz von insgesamt rund sechs Milliarden Euro entstehen. Springer hatte bereits 2006 eine Übernahme von ProSiebenSat.1 geplant, dies hatte das Bundeskartellamt aber untersagt. Ein Zusammenschluss hätte zu einer zu großen Marktmacht geführt.

Unter Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hat sich das Medienhaus in den vergangenen Jahren verstärkt auf die Digitalisierung seiner Verlagsangebote konzentriert und mehrere Traditionstitel wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Berliner Morgenpost“ an die Funke-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“) verkauft. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet Springer im Internet, unter anderem auch mit Immobilien- und Jobportalen. Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1, treibt ebenfalls die Vernetzung des TV-Geschäfts mit dem Digitalsegment voran. Der Konzern betreibt neben dem klassischen Fernsehen mehrere Internetportale.

Sollten es tatsächlich zu einer Fusion kommen, könnten beide Konzerne profitieren: Springers Bezahlangebote sowie Vermarktungs- und Kleinanzeigenmodelle von ProSieben-Portalen wie billiger-mietwagen.de, weg.de und der Preisvergleichsplattform Verivox. ProSiebenSat.1 wiederum könnte von Springers Auslandserfahrung profitieren. Die Sendergruppe ist fast nur im deutschsprachigen Raum vertreten.