Arbeitslosenquote

Jobmotor Berlin - Endlich nicht mehr Schlusslicht

In der Hauptstadt ist die Zahl der Arbeitsplätze deutlich gestiegen. Seit 2005 geht es aufwärts. Nun lässt Berlin bei der Arbeitslosenquote Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hinter sich.

Foto: Maya Hitij / AP

Es hat nicht ganz gereicht für die einstellige Arbeitslosenquote zum Jahresende 2014. 10,5 Prozent der Berliner suchten nach den Zahlen der Arbeitsagentur einen Job, etwas mehr als im November, aber deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Damals betrug die Quote noch 11,2 Prozent. Und 2015 könnte es soweit sein: Erstmals seit der Wiedervereinigung könnten in der Stadt weniger als zehn Prozent Arbeitslose leben.

Inzwischen ist Berlin auch nicht mehr das Bundesland mit der höchsten Arbeitslosenquote: Die Hauptstadt hat jetzt Mecklenburg-Vorpommern (11,0 Prozent) und Bremen (10,7 Prozent) überholt. Von einem Platz im ersten Drittel der Bundesländer ist Berlin allerdings noch weit entfernt. Am besten stehen Bayern mit 3,6 Prozent und Baden-Württemberg mit 3,8 Prozent Arbeitslosigkeit da. Insgesamt betrug die Quote in Deutschland 6,4 Prozent.

Dass sich die Zahl der Arbeitslosen im Dezember erhöhe, sei saisonal normal, sagte Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, bei Vorlage der Zahlen. Der vergleichsweise geringe Wert sei für den Wintermonat aber ein positives Ergebnis. Im Dezember waren in Berlin 191.813 Männer und Frauen erwerbslos gemeldet, 167 mehr als im November und 9856 weniger als im Dezember 2013.

Beeindruckend ist Berlins Aufholjagd am Arbeitsmarkt vor allem im Vergleich mit 2005. Das Jahr kann als Wendepunkt angesehen werden. Danach ging es praktisch bei der Zahl der Stellen nur noch aufwärts und bei der Zahl der Arbeitslosen abwärts. Im Jahresdurchschnitt waren damals 319.178 Berliner ohne Arbeit, die Quote betrug 19,0 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es 202.297 Arbeitssuchende, die Quote betrug 11,1 Prozent.

Weniger Langzeitarbeitlose

Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit verringerte sich: Waren 38.560 Jüngere ohne Arbeit, waren es im vergangenen Jahr im Schnitt nur noch 16.805, das entspricht 7,5 Prozent aller Arbeitslosen. Sogar die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank von 125.792 im Jahr 2005 auf 66.235 im Jahresschnitt 2014. Die Zahl der älteren Arbeitslosen und die der schwerbehinderten stagnierte im selben Zeitraum fast, von 2013 zu 2014 stiegen beide Zahlen sogar. Die Arbeitslosen würden daher immer älter, sagte Cordt.

Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), zeigte sich zuversichtlich, dass Berlin sich 2015 weiter verbessert. Besonders vielversprechend sei, dass die Langzeitarbeitslosigkeit sich verringert habe. „Jeder zweite Arbeitslose, der 2014 eine neue Stelle gefunden hat, war zuvor ein Jahr oder länger arbeitslos.“

Erfreulich entwickelte sich auch seit 2005 die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten: Inzwischen sind fast 1,3 Millionen Berliner in einem derartigen Arbeitsverhältnis. Allein 2014 kamen etwas mehr als 42.000 Stellen hinzu. Für das laufende Jahr rechnen Bundesagentur für Arbeit und Wirtschaftssenatsverwaltung mit weiteren neuen Stellen. Die Arbeitsagentur spricht in einer ersten Prognose von bis zu 25.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen, Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) erwartet sogar bis zu 40.000 mehr Beschäftigte.

Über dem Bundesschnitt

Getrieben wird der Stellenzuwachs vom Wirtschaftswachstum. 2014 legte das Bruttoinlandsprodukt Berlins nach der letzten Schätzung der Investitionsbank Berlin um rund 1,8 Prozent zu, bundesweit sollten es 1,4 Prozent sein. Für 2015 rechnet Yzer mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. „Berlin bleibt damit Jobmaschine und wird prozentual über dem Bundesdurchschnitt liegen.“ Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hatte im Dezember für Deutschland ein Plus von 1,4 Prozent vorhergesagt.

Neue Arbeitsplätze entstanden 2014 unter anderem in der techniklastigen Informations- und Kommunikationsbranche (plus 8,1 Prozent), im Gastgewerbe (5,8 Prozent) und bei Immobilien, freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (5,7 Prozent). Sogar die Industrie legte um 0,3 Prozent zu. Die Wirtschaftssenatorin vermutet: „Unsere Wachstumsbranchen wie Information und Kommunikation oder die Gesundheitswirtschaft werden sich weiter dynamisch entwickeln.“ Auch Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, ist optimistisch: „Die Chancen sind da, dass die Lage 2015 so positiv bleibt

Allerdings profitieren von den neuen Stellen nicht nur Berliner. Zahlreiche Arbeitsplätze werden mit Neuberlinern besetzt. „Die Arbeitslosen konkurrieren hier mit der Zuwanderung und der stillen Reserve“, sagte Cordt. Die stille Reserve umfasst jene Berliner, die nicht arbeitslos gemeldet sind, mehrere Jahre aber nicht gearbeitet haben. Das zeigt sich an den Prognosezahlen für 2015: Die Zahl der Stellen steigt zwar um 25.000, die Zahl der Arbeitslosen sinkt gleichzeitig nur um 1400.