Neuer Marktführer

Größte Fernbus-Betreiber wollen zusammen nach Europa fahren

MeinFernbus aus Berlin und Flixbus aus München wollen zusammenarbeiten. Die Strecken sollen verbunden werden - bis hin zu einem europaweiten Fernbus-Liniennetz. Die Berliner IHK begrüßt die Fusion.

Auf dem noch jungen Fernbusmarkt entsteht ein klarer Marktführer: Der Berliner Anbieter MeinFernbus und der Münchener Konkurrent Flixbus schließen sich zusammen. Um im schnell wachsenden Geschäft vorn dabei zu sein, soll das fusionierte Unternehmen vor allem europaweit neue Strecken aufbauen. Weil das teuer ist, bekommt das Gemeinschaftsunternehmen Geld. Der US-Wagniskapitalgeber General Atlantic investiert. Dessen Deutschlandchef Jörn Nikolay sprach von einem enormen Wachstumspotenzial.

Die knallgrünen Busse von MeinFernbus kommen derzeit nach Zahlen des Iges-Instituts aus Berlin auf einen Anteil von 49 Prozent am Fernbusmarkt, Flixbus auf 29 Prozent. Drittgrößter Anbieter ist die Deutsche Bahn mit Berlinlinienbus und IC-Bus (zehn Prozent).

Flixbus und MeinFernbus sprechen trotz der unterschiedlichen Marktanteile von einem Zusammenschluss auf Augenhöhe. Geplant ist offenbar eine Holding, an der der US-Investor als größter Minderheitsaktionär beteiligt sein wird. Über die Anteilshöhe und die Investitionssumme haben die Firmen Stillschweigen vereinbart. Die Gründer der beiden Busfirmen werden die Mehrheit am neuen Anbieter halten.

Höherer Takt auf den Strecken

Die Streckenpläne beider Unternehmen sollen in den kommenden Monaten zusammengeführt werden. MeinFernbus-Gründer Torben Greve kündigte einen höheren Takt auf den Strecken an. Übergangsweise sollen beide Online-Angebote bestehen bleiben, wie ein Sprecher von MeinFernbus sagte. Perspektivisch ist allerdings eine einheitliche Buchungsseite geplant. Offenbar haben sich beide Unternehmen auch auf eine Arbeitsteilung im Gemeinschaftsunternehmen verständigt. MeinFernbus soll das Geschäft innerhalb Deutschlands ausbauen, Flixbus sich auf die Expansion in Europa konzentrieren, wie es hieß. Vorgesehen ist, ein europäisches Fernbus-Liniennetz aufzubauen. Ansätze dazu gibt es bereits: So fährt MeinFernbus zwischen Zürich und Mailand oder Prag und Wien. Genaue Einzelheiten des Zusammenschlusses wollen die Unternehmen am Freitag bekannt geben.

Beide Fernbusanbieter haben einiges gemeinsam: Sie wurden bereits im Jahr 2011 gegründet; MeinFernbus beschäftigt in Berlin etwa 250 Mitarbeiter, Flixbus in München 230; die Gründer sind auch die Geschäftsführer – Jochen Engert, André Schwämmlein und Daniel Krauss bei Flixbus, Torben Greve und Panya Putsathit bei MeinFernbus. Alle werden auch im Gemeinschaftsunternehmen die Geschäfte führen. Auch das Geschäftsmodell ist gleich. Beide Unternehmen investieren nicht selbst in Busse, sondern arbeiten mit mittelständischen Busfirmen zusammen, die die Strecken bedienen.

Hart umkämpfter Markt

Dank des Konzepts konnten beide Firmen nach der Liberalisierung des Fernbusmarktes Anfang 2013 relativ schnell ein großes Netz aufbauen. Konkurrenten mit eigenen Bussen tun sich schwerer. Der Markt ist zudem hart umkämpft, was vor allem den Kunden freut: Die Busse bieten kostenloses Wlan und vor allem sehr niedrige Preise.

Das belastet allerdings die Anbieter. ADACPostbus etwa kam 2013 auf einen Verlust von 5,2 Millionen Euro. Der ADAC verkündete dann im Herbst 2014, aus der gemeinsamen Fernbusfirma mit der Deutschen Post auszusteigen.

Dominieren MeinFernbus und Flixbus den Markt nach angebotenen Fahrten in Kilometern, sind sie auch bei beförderten Fahrgästen vorn. Mit MeinFernbus fuhren 2014 rund 7,2 Millionen Menschen, FlixBus 3,5 Millionen. Das Iges-Institut schätzt, dass rund 20 Millionen Personen mit einem Fernbus gefahren sind. 2013 waren es 8,3 Millionen.

Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin, sagte: „Wir freuen uns, dass durch die Fusion auch der neue Branchenprimus aus der Hauptstadt kommt.“ Berlin sei bereits heute das wichtigste Drehkreuz im Fernbusmarkt.