Untreue-Prozess

Fluchtgefahr - Middelhoff soll noch heute ins Gefängnis

Der frühere Karstadt-Manager Thomas Middelhoff ist wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Noch heute soll er in den Vollzug - wegen Fluchtgefahr.

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Der frühere Topmanager Thomas Middelhoff bleibt nach seiner Verurteilung zu drei Jahren Freiheitsstrafe vorläufig in Untersuchungshaft. Ein weiterer Haftprüfungstermin soll in der nächsten Woche stattfinden, wie am Freitag das Landgericht Essen entschied. Middelhoff werde noch im Laufe des Nachmittags in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, sagte ein Gerichtssprecher.

Die Richter hatten den Manager zuvor wegen schwerer Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Das Landgericht hatte zudem wegen Fluchtgefahr einen Haftbefehl gegen Middelhoff erlassen. Ausschlaggebend dafür seien die Höhe der verhängten Freiheitstrafe, der Wohnsitz im Ausland und die unklare berufliche Situation des Managers. Middelhoff nahm das Urteil mit versteinerter Miene zur Kenntnis.

Middelhoff hat nach Überzeugung des Gerichts den inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor unter anderem durch die Abrechnung privater Flüge um mehr als 500.000 Euro geschädigt. Middelhoff habe sich in 27 Fällen der Untreue und drei Fällen der Steuerhinterziehung für schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt.

Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung ist Revision beim Bundesgerichtshof möglich.

Teure Flüge in Privatjets

In dem Strafverfahren ging es vor allem um teure Flüge in Privatjets, die der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende des insolventen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor über seine Firma abgerechnet hatte. Mit privaten oder zumindest teilweisen privaten Flügen soll Middelhoff den damals krisengeschüttelten Arcandor-Konzern in den Jahren zwischen 2005 und 2009 in Höhe von mehr als 800 000 Euro belastet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Ex-Chef des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert.

Middelhoffs Verteidiger hatten dagegen einen Freispruch gefordert. Noch in seinem Schlusswort hatte der Manager alle Vorwürfe zurückgewiesen und beteuert: „Ich kann mir kein Fehlverhalten vorwerfen.“

Arcandor war 2009 mitsamt seiner Tochterfirmen wie Karstadt und Quelle in die Pleite gerutscht. Middelhoff hatte seinen Posten einige Monate zuvor aufgegeben.