Einzelhandel

Karstadt will Gehälter kürzen und Arbeitszeit verlängern

Der Warenhauskonzern plant harte Einschnitte. Mit dem Betriebsrat will das Management kommende Woche über den Wegfall des Urlaubs- und Weihnachtsgelds verhandeln – und über längere Arbeitszeiten.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Karstadts neuer Chef Stephan Fanderl will nicht nur unrentable Filialen schließen, um das schwer angeschlagene Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen. Er will auch die Personalkosten drücken, also Stellen streichen, und bei der Bezahlung kürzen. Zudem werden alle Filialen überprüft, nicht nur die defizitären. Die Gewerkschaft Verdi kündigte an, derartige harte Einschnitte nicht hinnehmen zu wollen. Das Unternehmen wollte sich nicht äußern.

Fanderl führt Karstadt seit zwei Wochen. Sogleich hatte er angekündigt, sechs Häuser schließen zu wollen, unter anderem in Stuttgart und Hamburg-Billstedt. Und er hatte zusätzlich harte Einschnitte gefordert. Wie sie aussehen, fasst ein Flugblatt von Gesamtbetriebsrat und Wirtschaftsausschuss des Unternehmens zusammen.

Das neue Management will die Personalkosten in Höhe von rechnerisch 1950 Vollzeitstellen einsparen. Weil bei Karstadt viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten, trifft das etwa 3000 der 17.000 Mitarbeiter. Betroffen wäre vor allem die Zentrale in Essen. Aber auch in den Filialen könnten Arbeitsplätze entfallen. Fanderls Sanierungskonzept sieht unter anderem vor, die Strukturen im Unternehmen zu verschlanken, Verwaltungsebenen zu streichen.

Abschied vom Tarifvertrag

Und die Mitarbeiter sollen auf Gehalt verzichten. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sollen wegfallen, die Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 40 Stunden steigen – ohne Lohnausgleich. 2013 war Karstadt bereits aus der Tarifbindung ausgestiegen – befristet bis 2015. Intern galten die Bestimmungen des Tarifvertrags etwa zur Arbeitszeit in weiten Teilen weiter, Lohnerhöhungen gab es aber nicht mehr. Das soll auch künftig so sein, eine Rückkehr in den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel ist bis auf weiteres nicht vorgesehen.

Bisher handelt es sich um Forderungen, beschlossen ist noch nichts. Ob es großen Spielraum gibt, ist unklar, angesichts der Lage des Unternehmens aber unwahrscheinlich. Vom 12. November an will das neue Karstadt-Management die Vorschläge mit dem Betriebsrat verhandeln. Offen ist auch noch, was es mit einem anderen Vorschlag Fanderls auf sich hat. Vergangene Woche hatte er den Mitarbeitern geschrieben, die Gehälter mehr an der Leistung orientieren zu wollen. Einzelheiten nannte er nicht.

Sieben Millionen Kunden verloren

Fanderl hat nicht viel Zeit, die Wende bei Karstadt zu schaffen. Im Geschäftsjahr 2012/13 (30. September) hatte das Unternehmen bei 2,63 Milliarden Euro Umsatz 131 Millionen Euro Verlust geschrieben. Im Geschäftsjahr 2013/14 schrieb Karstadt weiter Verlust. Die Kunden wenden sich von der Kaufhauskette ab. Fanderl schrieb in seinem Brief an die Mitarbeiter, Karstadt habe mehr als sieben Millionen Kunden seit dem Ende der Insolvenz 2010 verloren – mit ihnen rund eine halbe Milliarde Umsatz. Bis Mitte 2015 haben defizitären Filialen Zeit, die Wende zu schaffen. Sonst droht wie bei den sechs Standorten Hamburg-Billstedt und Stuttgart das Aus.

Mehr als jede vierte der 83 Filialen soll rote Zahlen schreiben. In den Filialen will Fanderl ohnehin umbauen. So sind mehr Selbstbedienungszonen vorgesehen. Außerdem sollen mehr Flächen in den Häusern an andere Anbieter untervermietet werden. Der Vorteil: Selbstbedienungszonen benötigen weniger Personal. Die anderen Anbieter bringen ebenfalls eigenes Personal mit, gleichzeitig verbessert sich das Angebot.

Karstadt gehört seit August dem Österreicher René Benko. Der Immobilienspezialist hatte Karstadt für einen Euro vom deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen gekauft, der seit 2010 glücklos versucht hatte, Karstadt zu sanieren. Das KaDeWe in Berlin gehört nicht mehr zu Karstadt, sondern ist zusammen mit dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in Berlin Teil der neu geschaffenen KaDeWe-Group mit Sitz in Berlin. Sie gehört ebenfalls Benko.