Lokführer-Streik

Streik bei der Bahn treibt Kunden in Scharen zu Fernbussen

Als Alternative zu ICE oder IC sind Fernbusse ohnehin beliebt. Fallen Langstrecken-Züge wie beim Wochenendstreik aus, sind sie oft die einzige Alternative. Die Anbieter verzeichnen Rekorde.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Für Millionen Reisende ist es fast schon zur ärgerlichen Gewohnheit geworden: Ein Streik jagt den anderen. Nach dem mehr als zweitägigen Ausstand der Lokführer bei der Deutschen Bahn am Wochenende sind jetzt wieder die Piloten der Lufthansa an der Reihe: Eineinhalb Tage lang wollen sie die Maschinen am Boden halten – zum inzwischen achten Mal im laufenden Tarifstreit.

Dabei hatte bereits der bundesweit in großen Teilen lahmgelegte Zugverkehr an einem Fußball-, Ferien- und Schönwetter-Wochenende Pendler und Urlauber in der ganzen Republik schwer getroffen. Vielerorts wuchs der Zorn auf die Lokführergewerkschaft GDL – und trieb den Anbietern alternativer Verkehrsmittel scharenweise neue Kunden zu.

„Wir mussten spontan umdisponieren, aber das mit dem Bus ist super. Viel billiger auch“, sagte ein Mann, der zusammen mit seiner Frau von München über Innsbruck an den Gardasee fahren wollte. „Das machen wir jetzt immer. Eigentlich müssten wir den Lokführern danken.“

Diejenigen, die noch Tickets ergatterten, konnten sich freuen. Bereits nach der Ankündigung des Ausstands am Freitag waren Server der Fernbus-Anbieter zusammengebrochen, Webseiten nicht erreichbar. MeinFernbus verzeichnete eine Verdreifachung der Buchungen, 100 Zusatzfahrten wurden organisiert. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) sprach von „purem Wahnsinn“.

Unerwartet, aber rettend kam die Reise mit dem Fernbus für Klaus Malitz (73). Er wollte mit dem ICE von Köln zurück nach Erfurt fahren – aber sein Zug wurde gestrichen. Also buchte sein Sohn einen Fernbus. „Ich hätte nicht gewusst, wie ich sonst nach Hause komme.“

Fünf Dänen verpassten ihren Bus von Berlin nach Kopenhagen

Während sich die einen freuten, verzweifelten die anderen. Fünf Jugendliche aus Dänemark wussten nicht, dass in Berlin die S-Bahnen stillstanden. Ihren Bus am Zentralen Omnibusbahnhof im Westen der Stadt verpassten sie deshalb. In Dänemark gingen die Herbstferien zu Ende, die fünf mussten am Montag wieder zur Schule.

Je mehr Sitzplätze verkauft würden, desto mehr müssten die Passagiere zahlen, sagte ein Ticketverkäufer von Flixbus in München. „Für uns war es ein Rekord-Wochenende“, bilanzierte eine Sprecherin am Sonntag. Zuschläge gab es aber nicht – ebenso wie bei MeinFernbus.

Was für die Fernbus-Anbieter ein Segen war, entpuppte sich für Taxifahrer als Katastrophe. „Seit drei Stunden habe ich keine einzige Fahrt gemacht“, sagte Ahmed Basharat am Kölner Hauptbahnhof. Die Leute kämen erst gar nicht an oder nähmen gleich selbst das Auto.

Viele Passagiere wichen auch auf Mietwagen aus. „Wir sind total ausgebucht“, berichtete eine Europcar-Mitarbeiterin in Hannover. Gestrandete Bahnreisende hätten sich zu Fahrgemeinschaften zusammengeschlossen, um einen Mietwagen zu nehmen. Sixt dankte den Lokführern mit dem Spruch: „HDGDL, GDL.“ - „Hab' dich ganz doll lieb, GDL“

>> Der Notfahrplan der Berliner S-Bahn

Foto: Britta Pedersen / dpa