Ausstand

Piloten bestreiken jetzt auch Langstreckenflüge der Lufthansa

Nach dem Streik ist vor dem Streik - Nach den Lokführern wollen die Lufthansa-Piloten ab Montagmittag bis Dienstagnacht streiken. Mehr als 100 Flüge aus und nach Berlin fallen aus.

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Der Streik der Lokführer ist kaum vorbei, da kündigt die Vereinigung Cockpit (VC) für Dienstag einen zusätzlichen Streik auf den Langstreckenflügen der Lufthansa an. Der Ausstand soll von 6 Uhr bis 23.59 Uhr dauern, teilte Cockpit am Montagmorgen mit. Ab Montag 13 Uhr bis Dienstag 23.59 Uhr werden auch die Kurz- und Mittelstreckenflüge bestreikt.

Erst am Sonnabend haben in Berlin und Brandenburg die Herbstferien begonnen.

Die Lufthansa streicht wegen des Streiks rund 1450 Flüge. Die Airline teilte mit, über den gesamten Streikraum von Montagmittag bis Dienstagnacht hinweg seien rund 2150 Flüge betroffen, von denen aber gut 700 durch verschiedene Maßnahmen dennoch bedient werden könnten. Die Zahl der von dem Streik betroffenen Kunden bezifferte das Unternehmen mit „mehr als 200.000“.

Bei ihnen könne sich die Lufthansa nur in aller Form entschuldigen, hieß es. Durch die sichergestellten Flüge könnten dennoch mehr als 70.000 Passagiere bis zum späten Dienstagabend – dem Ende des angekündigten Streiks – an ihre Ziele gebracht werden.

Betroffen von dem Streik sind auch mehr als 100 Flüge aus und nach Berlin. Das Lufthansa-Call-Center bietet Passagieren Hilfe unter der kostenlosen Rufnummer 0800 850 60 70.

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„Es ist traurig, dass wir nun zum achten Mal streiken müssen“, sagte Gewerkschaftssprecher Markus Wahl. Alle Lufthansa-Flüge mit Maschinen vom Typ Airbus A320-Familie, Boeing 737 und Embraer werden bestreikt, teilte die Gewerkschaft mit.

Die Flüge der Lufthansa-Töchter Germanwings, Austrian Airlines und Swiss sollen trotz des Streiks planmäßig abheben. „Die Fluggesellschaften Austrian Airlines, Brussels Airlines, Germanwings, SWISS und Air Dolomiti (operated by OS, SN, 4U, LX, EN) sind nicht von dem Streik betroffen und werden flugplanmäßig durchgeführt“, teilte die Lufthansa auf ihrer Website mit.

Passagiere, deren Flüge stattfinden, sollen laut Lufthansa-Mitteilung zusätzliche Zeit am Flughafen einplanen.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit wirft der Lufthansa vor, diese habe nach nunmehr sieben Streiks seit April die Kompromissvorschläge nicht aufgegriffen. Die Gewerkschaft bedauere die Unannehmlichkeiten für die Passagiere. Ziel des Streiks sei ein neuer Tarifvertrag für alle Beschäftigten des Cockpit-Personals.

Zuletzt hatten die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings am vergangenen Donnerstag zwölf Stunden lang gestreikt. 100 Flüge wurden gestrichen, 13.000 Passagiere waren betroffen.

Seit April mussten nach Angaben der Lufthansa wegen der Pilotenstreiks bereits mehr als eine halbe Million Passagiere von Lufthansa und Germanwings ihre Reisepläne ändern. Rund 4400 Flüge seien gestrichen worden.

Im Tarifstreit bei der Lufthansa geht es um die sogenannte Übergangsversorgung, die es Piloten bisher erlaubt, ab dem Alter von 55 Jahren in den bezahlten Frühruhestand zu gehen. Der Konzern will die Altersgrenze erhöhen. Cockpit lehnt dies ab.

Die Gewerkschaft versuche mit dem achten Streikaufruf innerhalb weniger als zwei Monaten eine „Stillstandsnation“ aus Deutschland zu machen, kritisierte die Lufthansa. Sie verwies darauf, dass für 4600 ihrer 10.000 Piloten bereits die Altersgrenze von 60 Jahren bei der Übergangsversorgung gelte. Der Streik sei „in keiner Weise verhältnismäßig“.