Pilotenstreik

Am Flughafen Tegel bleiben die Germanwings-Flieger am Boden

Germanwings hat wegen des Piloten-Streiks am Freitag alle Flüge von und nach Berlin gestrichen. Die Passagiere nahmen es gelassen. Doch schon drohen weitere Ausstände.

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Die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings haben am Freitag gestreikt. Von dem Ausstand, der von 6 bis 12 Uhr dauerte, waren vor allem Inlandsflüge betroffen. Reisende mussten deshalb mit erheblichen Einschränkungen im Luftverkehr zurechtkommen. Betroffen waren laut Germanwings 1400 bis 1600 Fluggäste

Flug 4U 8010 nach Stuttgart gestrichen, Flug 4U 8460 nach London ausgefallen - die Liste der abgesagten Flüge am Flughafen Tegel war lang. Alle 22 Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings fielen dort aus. Als erstes hatten die Unannehmlichkeiten die Passagiere des Fluges 4U 8974 zu spüren bekommen. Dieser hatte um 6.30 Uhr von Berlin in Richtung Zagreb abheben sollen.

In Terminal D des Flughafens waren drei Schalter von Germanwings geöffnet. "Fluggastinformation gestrichene Flüge" war auf den Bildschirmen zu lesen. Die Mitarbeiter gaben Bahngutscheine aus. Viel war dort am Morgen nicht los, die Mehrzahl der Fluggäste schien gut informiert gewesen zu sein und war offenbar erst gar nicht zum Flughafen gefahren. Die wenigen gestrandeten Reisenden nahmen den Streik gelassen, die Atmosphäre war entspannt.

Mit Bahn und Bus

Zwei Männer satnden mit riesigem Gepäck am Schalter - sie hatten Fahrräder dabei. Sie wollten von Nürnberg nach Berlin fliegen, mussten aber wegen des Streiks den Bus nehmen. Jetzt regelten sie am Flughafen, wie sie mit ihrem Sperrgepäck weiterkommen sollten. "Wir haben uns drauf einstellen können weil es ja mit Ankündigung war", sagte einer der beiden.

Bianca N. wollte an diesem Morgen eigentlich nach Stuttgart fliegen, jetzt musste sie die Bahn nehmen. Wohl oder übel, denn mit dem Zug dauert die Reise einige Stunden länger. "Ich will nach Hause, da bleibt mir nichts anderes übrig", sagte sie. Immerhin, Germanwings hatte sie am Donnerstag per E-Mail informiert.

Flughafen Schönefeld nicht betroffen

Bundesweit waren am Freitag laut Germanwings 116 Flüge an allen deutschen Flughäfen von Streichung betroffen. Das sind 70 Prozent der insgesamt 164 planmäßigen Flugverbindungen mit der Billigairline. Gestrichen wurden vor allem innerdeutsche Verbindungen nach Köln, Stuttgart und Nürnberg. Aber auch Ziele wie Birmingham, London, Mailand und Zagreb waren betroffen.

Dass es auch nach dem eigentlich bis 12 Uhr befristeten Ausstand zu weiteren Einschränkungen im Luftverkehr kommt, begründete Germanwings-Sprecherin Gaby Drawe mit dem Ersatzflugplan, der kurzfristig habe erstellt werden müssen. Nicht vom Streik betroffen war der Flughafen Schönefeld, den Germanwings nicht bedient.

Hintergrund des Ausstandes ist der Streit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit Lufthansa über die Übergangsrente für die Flugkapitäne. Nachdem die Verhandlungen am Donnerstag gescheitert waren, beschlossen die Piloten die vorübergehende Arbeitsniederlegung.

Das Unternehmen bedauerte auf seiner Internetseite Unannehmlichkeiten, die Passagieren durch die Streikmaßnahmen entstünden. Wer von einer Flugannullierung betroffen sei, könne den Flug kostenfrei stornieren oder umbuchen. Möglich sei dies sowohl telefonisch als auch mobil und gelte auch noch nach dem Streik. Im Call-Center der Fluggesellschaft gab es unter der angegebenen Telefonnummer 0180/632 03 20 schon bald nach Bekanntgabe des Streiks erhebliche Wartezeiten.

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen

Die Pilotenvereinigung Cockpit drohte indessen für die kommenden Tage weitere Streiks an. Die Gewerkschaft schließe nicht aus, dass sie bereits „fürs Wochenende oder die kommende Woche“ den nächsten Ausstand ankündigen werde, sagte ein Cockpit-Sprecher am Freitag in Frankfurt am Main. Mit AFP/mim