Peter Zühlsdorff

Messe-Machtkampf - Yzer setzt sich mit ihrem Kandidaten durch

Mit Peter Zühlsdorff kommt ein kompetenter Landesvertreter an die Spitze des Aufsichtsrats der Messe Berlin GmbH. Mit dieser Personalie hat sich Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer am Ende durchgesetzt.

Foto: Amin Akhtar

Der monatelange Streit über die Besetzung eines der wichtigsten Posten in Berlins Landesbetrieben ist entschieden: Peter Zühlsdorff wird nach Informationen der Berliner Morgenpost Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Berlin GmbH. Der frühere Vorstandsvorsitzende des Kosmetikkonzerns Wella löst den langjährigen Chef des Kontrollgremiums, Hans-Joachim Kamp, ab. Der Vertreter des Funkausstellungs-Veranstalters Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) soll dem Messe-Aufsichtsrat nicht mehr angehören, hieß es aus Senatskreisen.

Mit dieser Personalie, die mit den Spitzen der Koalition abgestimmt ist und am 3. Juni in der Gesellschafterversammlung beschlossen werden soll, hat sich die Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) im Machtkampf mit der Messe-Führung und Teilen des Aufsichtsrates durchgesetzt. Yzer wollte einen neuen Kopf an der Spitze der Messe und das Duo zwischen Messe-Chef Christian Göke und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kamp sprengen. Nach erfolglosen Versuchen, einen Aufsichtsratschef zu gewinnen, soll es nun Zühlsdorff richten.

Die Personalie wurde in drei Krisentreffen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und dem Präsidenten der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Eric Schweitzer, und Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz ausgehandelt. Zühlsdorff ist ein enger Vertrauter des IHK-Präsidenten Eric Schweitzer. Andererseits hat Yzer mit der Berufung Zühlsdorffs ihren Plan fallen lassen, vor allem im operativen Geschäft tätige Unternehmenschefs in den Messe-Aufsichtsrat einzubinden.

Miserable Kommunikation

Der 73 Jahre alte frühere Top-Manager Zühlsdorff agiert seit dem vergangenen Jahr bereits im Auftrag des Landes Berlin als Aufsichtsratsvorsitzender des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes. In enger Abstimmung mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) betätigt sich Zühlsdorff als Aufräumer, der allerlei zweifelhafte Vorgänge der Vergangenheit aufklären möchte. Zuletzt unterstütze Zühlsdorff die Strafanzeige des aktuellen Vorstandes gegen frühere Spitzen-Manager des Krankenhaus-Konzerns wegen des Verdachts der Untreue zu Lasten des Unternehmens. Zühlsdorff war auch Aufsichtsratsvorsitzender bei der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, ehe er 2012 im Streit mit Yzers Vorgängerin Sybille von Obernitz zurückgetreten war.

Mit seiner Berufung an die Spitze des Messe-Aufsichtsrates verändert Berlin als Eigentümer von 99 Prozent der Gesellschaft seine Strategie. Bisher war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Vertreter der wichtigsten Leitmessen, allen voran die Funkausstellung, im Kontrollgremium den Ton angeben. Deswegen war Kamp, der frühere Deutschland-Chef von Philips, auch Vorsitzender. Mit Zühlsdorff möchte Senatorin Yzer einen kompetenten Landesvertreter an der Spitze des Aufsichtsrates installieren, der stärker die speziellen Standort-Interessen des Landes im Auge hat als die Anliegen einzelner Großveranstaltungen oder der Messe als Unternehmen.

Denn obwohl das Ausstellungs- und Kongressgeschäft zuletzt gute Zahlen einbrachte, ist die Senatorin nicht überzeugt, dass nicht mehr möglich wäre für das Messe-Management. Vor allem fragt sich die Christdemokratin, warum denn nicht neue Messen zu neuen Berliner Themen wie Internet-Wirtschaft oder Spielentwicklung aufgebaut worden sind. Für Dauer-Ärger zwischen Landespolitik und Messe sorgte auch der Umgang des Unternehmens mit dem ungeliebten Internationalen Congress Centrum (ICC). Als die Messe beim Bau des als Ersatz für das ICC gedachten City Cube wegen der Insolvenz des Generalplaners kurzzeitig in Schwierigkeiten geraten war, kritisierte Yzer öffentlich die Informationspolitik der Landesgesellschaft, die sie über die Vorgänge auf der wichtigen Baustelle nicht in Kenntnis gesetzt hatte. Schon bei der Wahl war Yzer gegen den Messe-Chef Christian Göke.

Kamp soll dem neuen Aufsichtsrat nicht mehr angehören

Der bisherige Messe-Aufsichtsratschef Kamp soll dem neuen Aufsichtsrat nicht mehr angehören. Offenbar hat Yzer Sorge, dass der unter den bisherigen Aufsichtsräten hoch geschätzte Vize-Präsident des Zentralverbandes Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) in dem Gremium doch zum Vorsitzenden bestimmt werden könnte. Bisher ist nach Morgenpost-Informationen noch offen, wen die wichtige Branche der Unterhaltungselektronik anstelle des gfu-Aufsichtsratsvorsitzenden Kamp als Messe-Kontrolleur entsendet. Einen Sitz soll die gfu aber bekommen. Womöglich wird dieser aber zunächst vakant bleiben.

Kamps hatte mit Unterstützung zahlreicher Funkausstellungs-Beteiligter und einflussreicher Kreise der Berliner Wirtschaft bis zuletzt um sein Aufsichtsratsmandat bei der Messe gekämpft. Ursprünglich war kolportiert worden, die Funkausstellung werde Berlin verlassen, sollte Yzer den Manager aus dem Aufsichtsrat drängen. Trotz des schwelenden Machtkampfes unterschrieben die Veranstalter und der Regierende Bürgermeister aber im Januar einen Vertrag, der die Leitmesse bis 2018 an Berlin bindet.

In der Berliner Wirtschaft und auch in der SPD-CDU-Koalition verstehen viele jedoch nicht, warum sich die Senatorin Yzer ohne sichtbare Not in einen Konflikt mit Vertretern einer wichtigen Branche und Teilen der Berliner Wirtschaft gestürzt hat. Die Kommunikation sei miserabel gewesen, hieß es am Freitag.