Bestechungsvorwurf

Bernie Ecclestone fühlte sich von Banker erpresst

Der Formel-1-Chef steht seit heute in München vor Gericht. Es geht um Bestechung in einem besonders schweren Fall. Regungen zeigt Ecclestone beim Prozessauftakt zunächst kaum.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat sich zu Beginn des Korruptionsprozesses gegen ihn guter Dinge gezeigt. „Ich bin zuversichtlich. Die Sonne scheint“, sagte der 83-Jährige am Donnerstag vor den Fernsehkameras beim Betreten des Gerichtssaals in München.

Der britische Sportmanager ist angeklagt, weil er einen Bankmanager bestochen haben soll. Hintergrund ist der Ausstieg der Bayerischen Landesbank aus der Formel 1 vor acht Jahren. Ecclestone soll den früheren BayernLB -Vorstand Gerhard Gribkowsky geschmiert haben, damit dieser einem von Ecclestone gewünschten Investor den Vorzug gab. Diese Taten können laut Gesetz mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden.

Richter Peter Noll begrüßte Ecclestone freundlich und erinnerte daran, dass sich die beiden bereits vor Jahren im Korruptionsprozess gegen Gribkowsky kennengelernt hatten. Der Angeklagte, der einen dunklen Anzug, weißes Hemd und dunkle Krawatte trug, hatte damals als Zeuge ausgesagt. Nolls Strafkammer hatte Gribkowsky schließlich zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Der geständige Gribkowsky gilt als wichtigster Zeuge der Staatsanwaltschaft.

Im fahlen Scheinwerferlicht des fensterlosen Saals sorgte Ecclestone dann für Heiterkeit, als Noll zu Verhandlungsbeginn pflichtgemäß die Familienverhältnisse des Angeklagten feststellte. Auf Nolls Frage, ob er verheiratet oder geschieden sei, antwortete Ecclestone gut gelaunt: „Beides. Ich erinnere mich gern an den Scheidungsteil.“ Der Brite ist in dritter Ehe mit der Rechtsanwältin Fabiana Flosi verheiratet.

Regungen zeigte der Brite so gut wie nicht

Danach wurde es dann ernst. Staatsanwalt Christian Weiß verlas die 24-seitige Anklageschrift, in der Ecclestone Bestechung in einem besonders schweren Fall vorgeworfen wird.

Ecclestone hatte seine berühmte Nickelbrille zunächst beiseite gelegt und las die englische Übersetzung der staatsanwaltschaftlichen Ausführungen Zeile für Zeile mit. Regungen zeigte der 83 Jahre alte Brite dabei so gut wie nicht. Die Hände hielt Ecclestone unter dem Tisch, während sich seine Anwälte immer wieder Notizen machten. Nach einer Weile setzte Ecclestone dann wieder seine Brille auf, las nun nicht mehr so aufmerksam mit, sondern schrieb etwas in ein kleines Heft.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll Ecclestone den einstigen BayernLB-Vorstand Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen haben. „Dr. Gribkowsky erhielt durch und auf Veranlassung des Angeklagten zwischen Juni 2006 und Dezember 2007 ... Zahlungen in Höhe von insgesamt knapp 44 Millionen US-Dollar, die als Entgelt für Beratungsleistungen getarnt waren“, sagte Staatsanwalt Christian Weiß.

Damit habe der Sportmanager den Banker dazu verleitet, den Formel-1-Anteil der Landesbank ohne Prüfung von Alternativen dem von Ecclestone gewünschten Käufer CVC zuzuspielen. Einen Großteil des Schmiergeldes habe Ecclestone der BayernLB aufgebürdet. „Da der Angeklagte die mit Dr. Gribkowsky vereinbarten Zahlungen zumindest nicht vollständig aus seinem eigenen Vermögen aufwenden wollte, veranlasste er Dr. Gribkowsky, bei der BayernLB eine Provisionszahlung in Höhe von 41 Millionen US-Dollar zu seinen Gunsten durchzusetzen“, erklärte der Staatsanwalt.

Verteidigung will neue Beweise vorlegen

Ecclestones Verteidiger wiesen die Vorwürfe erneut zurück: „Die behauptete Bestechung gab es nicht. Die Anklagevorwürfe beruhen auf Erklärungen von Herrn Dr. Gribkowsky, die unzutreffend, irreführend und unschlüssig sind“, ließ Ecclestone vor dem Gericht von seinem Verteidiger Sven Thomas erklären. „Herr Dr. Gribkowsky hat in entscheidenden Punkten die Unwahrheit gesagt.“ Dies wollen die Verteidiger des Briten auch mit neuem Beweismaterial belegen.

Außerdem begründete er seine Millionenzahlung an Gribkowsky mit einer Erpressung. Er habe Angst gehabt, dass ihn der Banker bei den britischen Steuerbehörden anzeige, versicherte der 83-Jährige in der schriftlichen Erklärung. „Das hätte mich mehr als zwei Milliarden Pfund kosten können.“ Gribkowsky habe ihm gesagt, er könne viel über ihn erzählen. „Es war klar: Er wollte Geld.“

Thomas sagte, die Verteidigung verlese am Donnerstag lediglich eine schriftliche Erklärung. Fragen wolle Ecclestone erst nach der im Mai erwarteten Zeugenaussage Gribkowskys beantworten.

Der Brite, der kein Deutsch spricht, verfolgte die Verlesung der Anklage mit ernstem Gesicht und blickte dabei immer wieder in seine Unterlagen. Gelegentlich wechselte er einige Worte mit seiner Dolmetscherin, die zusammen mit seinen Verteidigern Sven Thomas und Norbert Scharf neben ihm saß.

Eine halbe Stunde vor Prozessbeginn war Ecclestone in der Nymphenburger Straße vorgefahren worden. Schlagartig vorbei war es da mit der entspannten Atmosphäre bei strahlendem Sonnenschein vor dem Justizgebäude. Eine Traube aus Fernsehteams und Fotografen versuchte Bilder von dem berühmten Angeklagten zu bekommen. Ecclestone hatte in dem schwarzen Mercedes hinten rechts Platz genommen, selbst fährt der Brite ohnehin praktisch nie. Er lenkt sonst nur im übertragenen Sinne.