Betriebssystem

Ab sofort überlässt Microsoft XP-Nutzer sich selbst

Nach 13 Jahren wird es keine Sicherheits-Updates mehr für das Betriebssystem Windows XP geben. Wer das Programm von Microsoft noch auf seinem Rechner benutzt, sollte deshalb schnell handeln.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Jeden zweiten Dienstag im Monat werden Cyber-Kriminelle künftig noch genauer hinsehen. Dann veröffentlicht Microsoft seine Software-Aktualisierungen. Damit werden Programme gegen Attacken abgesichert. Bisher hatten Hacker so Hinweise bekommen, an welchen Stellen sich Attacken nicht mehr lohnen, schließlich sind die Löcher mit Veröffentlichung der Liste schon gestopft. Künftig aber dürfte sie Hackern interessante Hinweise auf Lücken in einem ungeschützten System geben: XP.

Windows-Versionen bauen aufeinander auf. Einige der Lücken in neuen Systemen dürften auch in älteren Versionen wie XP zu finden sein. Diese aber werden von diesem Dienstag an nicht mehr geschlossen, Microsoft stellt keine Sicherheits-Updates mehr für XP zur Verfügung. Dabei ist XP noch auf geschätzt etwa sechs Millionen privaten Rechnern in Deutschland installiert, dazu kommen Millionen Firmencomputer.

Es gibt durchaus gute Gründe, das in die Jahre gekommene Betriebssystem zu behalten. Manche Programme laufen nur noch auf XP, sie kommen mit neueren Windows-Versionen nicht zurecht. Ist der Computer fünf Jahre oder älter, lohnt kein Umstieg mehr. Die Bauteile, die man für einen Umstieg bräuchte, wären teurer als manch moderner Desktop-Rechner. Es gibt durchaus die Möglichkeit, seinen Rechner und XP zu behalten. Einige Sicherheitsfirmen wollen weiter XP-Schutzprogramme und -Virenscanner anbieten. Eine Garantie für die Wirksamkeit geben sie jedoch nicht.

XP-Rechner vom Netz trennen

Wer seinen XP-Rechner weiter nutzen möchte, sollte zusätzlich eine starke Firewall einschalten und keinesfalls den Internet Explorer einsetzen. Für XP wird auch der nicht mehr aktualisiert. Auch sollten die Anwender möglichst wenig Software einsetzen: Je weniger, desto geringer die Angriffsfläche. Eine weitere Möglichkeit: den XP-Rechner vom Web trennen. Aber Vorsicht: Viren können auch über USB-Sticks oder das Heimnetzwerk auf den Computer kommen. Cyber-Kriminelle dürften schon Lücken in XP entdeckt haben, aber abwarten, bis das System schutzlos ist. Schadsoftware kann dann per Mail, durch Besuche auf präparierten Webseiten oder über Plug-ins wie den Flashplayer ins System eindringen. Auch die Anwendungsprogramme werden künftig ungeschützt sein: Die Anbieter werden sie kaum für das auslaufende XP-System aufrüsten.

Ratsam ist eine Neu-Installation von Windows 7. Drei oder vier Jahre alte Rechner sind dafür zumeist gerüstet. Microsoft unterstützt Windows 7 noch bis Januar 2020, es ist in weiten Teilen mit XP kompatibel. Nur mit alten Druckern oder Scannern, die unter XP einwandfrei funktionieren, kann es Probleme geben. Von einer Software, die den ganzen Umstieg managt, ist abzuraten. Vieles geht verloren. Besser ist, die Daten vorher aus XP zu nehmen und von Hand auf Windows 7 zu laden. Der Umstieg auf Windows 8 oder 8.1 hat den Vorteil, dass Microsoft dafür bis 2023 Sicherheits-Updates bereit stellt. Allerdings kommt nicht jeder Rechner, der mit XP gelaufen ist, mit der Software zurecht.