Karstadt

Chef der Luxussparte kehrt zu seinen Wurzeln zurück

André Maeder wird Chef der Karstadt-Luxussparte, zu der das Berliner KaDeWe gehört. Bis vor Kurzem war er Modeexperte in einer TV-Castingshow. Nun findet er den Weg zurück zum handfesten Geschäft.

Foto: Juergen Joost

Er war im Top-Management von Hugo Boss und S. Oliver, Chef der Modekette Vögele und zuletzt für seinen Arbeitgeber Karstadt als „Chefeinkäufer“ in der TV-Castingshow „Fashion Hero“ mit Claudia Schiffer zu sehen. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb, wirkte André Maeder dort als „sachkundiger und kritischer Einkäufer“ bei den von Nachwuchsdesignern präsentierten Kollektionen mit.

Mit der Berufung zum Chef der Karstadt-Luxussparte, zu der das Berliner KaDeWe gehört, kehrt André Maeder aber zu seinen beruflichen Wurzeln zurück. In den 90er-Jahren hatte Maeder lange für das Londoner Luxuskaufhaus Harrods gearbeitet. Maeder sei mit sofortiger Wirkung für die Ausrichtung und Koordination der Luxushäuser verantwortlich, teilte Karstadt mit. Der Schweizer war 2012 nach einigen Monaten als Berater in die Geschäftsführung von Karstadt berufen worden und dort für den Einkauf tätig. In der Premiumgruppe ist er nun für den Einkauf, Verkauf und das Marketing zuständig.

Unterstützt wird er von Roland Armbruster, der bisher Karstadts Strategieabteilung geleitet hat und nun die kaufmännische Verantwortung für die Premiumsparte trägt. Zur Luxusgruppe gehören das KaDeWe, das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München.

KaDeWe gilt als größtes Warenhaus Kontinentaleuropas

Im September hatte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen überraschend die Mehrheit an den Premiumhäusern an den österreichischen Investor René Benko und dessen Signa-Gruppe verkauft. Benko kündigte danach an, die Häuser zum Kern eines internationalen Netzwerks von Nobelkaufhäusern zu machen. In Deutschland, Österreich und den Nachbarländern gebe es nach Einschätzung von Signa genug kaufkräftige Kundschaft für eine Expansion.

Ob Maeder und Armbruster bereits die Expansion planen, blieb am Mittwoch unklar. Offen ist auch, wie künftig die einzelnen Häuser geführt werden. Weder Karstadt noch KaDeWe-Chefin Petra Fladenhofer wollten sich dazu äußern. Das KaDeWe zählt auf seinen 60.000 Quadratmetern täglich bis zu 50.000 Kunden aus aller Welt, in der Weihnachtszeit werden sogar bis zu 100.000 Kunden am Tag gezählt. Es gilt als das größte Warenhaus Kontinentaleuropas. Der 1907 eröffnete und zuletzt 2004 umgebaute Einkaufstempel erstreckt sich über sieben Etagen. Das Kaufhaus beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter.

Karstadt und die Drei-Sparten-Strategie

Die Berufung von Maeder und Armbruster ist Teil der Aufspaltung des Karstadt-Konzerns. „Nun beginnt die nächste Phase der Spezialisierung, die es den Einheiten ermöglicht, bestmöglich ausgestattet mit den Einzelhändlern in ihrem spezifischen Markt konkurrieren und sich erfolgreich weiterentwickeln zu können“, teilte Karstadt mit. Die insgesamt drei Sparten des Konzerns waren zwar bereits 2011 rechtlich getrennt worden. An der Spitze des Konzerns stand mit Andrew Jennings aber ein Chef. Jetzt hat jede Sparte eigene Chefs. Karstadt Sport, das mehrheitlich ebenfalls an Signa verkauft wurde, wird künftig von dem Briten Simon Rider und dem Karstadt-Manager Miguel Müllenbach geleitet. In Berlin gibt es noch zwei Karstadt-Sport-Häuser.

Die größten Herausforderungen warten aber sicher auf die frühere Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt, die zur Chefin der insgesamt 83 klassischen Warenhäuser berufen wurde. Dieses Kerngeschäft wird noch von Berggruen kontrolliert, der Karstadt 2010 aus der Insolvenz heraus übernommen hatte. In Berlin betreibt Karstadt noch zehn Warenhäuser mit rund 1500 Beschäftigten.

Neue Chefin der Karstadt-Warenhäuser verkauft und kassiert

Sjöstedt ist derzeit dabei, sich in den Filialen hautnah ein Bild von der Situation in den Warenhäusern zu machen. Dabei verkauft sie auch, kassiert und packt ein. Den Chefsessel will Sjöstedt erst am 24. Februar übernehmen. Doch kündigte sie bereits an, sie wolle die Sanierung schneller vorantreiben. Vor allem die Online-Aktivitäten des Kaufhof-Konkurrenten will die Schwedin ausbauen.

Sjöstedt hatte erst in der vergangenen Woche in Interviews eingeräumt, dass sich die Sparte in einer schwierigen Situation befinde: „Wir verlieren derzeit Geld. Daher müssen wir unser Geschäft schnell wieder profitabel machen.“

Die Strategie ihres Vorgängers Andrew Jennings will Sjöstedt an der einen oder anderen Stelle verändern. „Vieles läuft gut, manches nicht – und was gut läuft, führen wir fort. Was nicht gut läuft, werden wir verändern“, sagte sie. Während Jennings stark auf Bekleidung setzte, betonte die neue Chefin: „Es geht bei Karstadt nicht nur um Mode. Die Menschen erwarten zu Recht, bei uns auch die Dinge des täglichen Bedarfs zu finden. Das können auch Knöpfe sein oder Kochtöpfe.“ Zudem wolle sie die Sortimente stärker auf die lokalen und regionalen Bedürfnisse ausrichten.