Gründerstimmung

China sieht Potenzial und lockt Berliner Unternehmer

Dass die Berliner Wirtschaft stark zulegt, ist auch in China aufgefallen. Regierungsvertreter kamen daher in die Hauptstadt, um für Investitionen in der Gegend rund um Hongkong und Macau zu werben.

China und Deutschland haben schon seit Jahrzehnten enge Handelsbeziehungen. Nicht nur Konzerne, sondern auch viele Mittelständler haben dort Produktionsstätten und Niederlassungen aufgebaut. Berlin spielte dabei bislang noch keine große Rolle. Das ist auch den Wirtschaftsexperten in den Provinzregierungen Hongkongs, Guangdongs und Macao aufgefallen. Und ganz offenbar sehen sie in der Berliner Wirtschaft großes Potenzial.

Im Hotel Hilton fand daher am Dienstag ein mehrstündiges Seminar statt, bei dem Berliner Unternehmer von den Investitionsmöglichkeiten in China überzeugt werden sollten. „Berlin hat großes Interesse an einer Zusammenarbeit“, sagte Rainer Seider von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft. In seiner Begrüßungsrede verwies er auf die bereits bestehenden Verbindungen zwischen beiden Ländern und hieß die Gäste aus China in der „am schnellsten wachsenden Region Deutschlands“ willkommen.

Tatsächlich legt derzeit kein anderes Bundesland mit so starken Wachstumsraten zu wie Berlin. Allein im ersten Halbjahr erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Berlin gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent Vor allem Dienstleistungen, also Handel, Gastgewerbe und Unternehmensdienstleistungen, sorgten für dieses Plus. Dass Berlin hier von einem sehr niedrigen Niveau kommt, trägt rein rechnerisch zu der Spitzenposition bei. Zumal die Hauptstadt innerhalb Deutschlands auch noch immer die höchste Arbeitslosenrate hat.

In Hongkong sitzen die wichtigsten Kapitalgeber

Dennoch ist den Wirtschaftsexperten in China die Aufbruchstimmung in Berlin nicht entgangen. „Wir haben bereits gute und enge Wirtschaftsbeziehungen mit Bayern“, sagte Meng Fanzhuang, Gesandter Botschaftsrat. Die dort ansässigen Unternehmen nutzen schon länger die wirtschaftlichen Möglichkeiten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. „Die Gegend um das Perlflussdelta ist der Brückenkopf zum Rest Chinas“, so Fanzhuang. Dort hat sich unter anderem der Medizintechnikhersteller WOM aus Berlin niedergelassen. Im Juli 2013 eröffnete das Unternehmen dort seine erste Tochtergesellschaft in Asien.

Die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau sollen nach Plänen der chinesischen Regierung verkehrstechnisch noch enger zusammen wachsen. In Hongkong sitzen die wichtigsten Kapitalgeber für die Industrie im Lande. Über den Hafen Hongkongs werden Schätzungen zu Folge drei Viertel der im Perlflussdelta produzierten Güter verschifft. Die ehemalige portugiesische Kolonialstadt Macau erzielt viele Einnahmen aus dem Tourismus und dem Glücksspiel. Neben den Casinos spielt vor allem die Textilindustrie eine wichtige Rolle.

Fasst man das Perlflussdelta etwas weiter, gehört auch Guangdong dazu. Wanderarbeiter aus dem Landesinneren machen Guangdong stärksten Exportregion Chinas. Viele Waren könnten sie in ihrem eigenen Land gar nicht erwerben, da sie nur für den Absatz im Ausland bestimmt sind. Dazu zählen Güter für die Unterhaltungselektronik, Textilien und Kunststoffwaren.