Deutsche Wohnen

Was die Fusionspläne der GSW für Berlin bedeuten

Die Fusion der Immobilienkonzerne Deutsche Wohnen und GSW steht kurz vor dem Abschluss: Jetzt müssen nur noch die GSW-Aktionäre abstimmen. Ein Großteil der insgesamt 150.000 Wohnungen liegt in Berlin.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die Milliardenfusion der Immobilienkonzerne Deutsche Wohnen und GSW rückt in greifbare Nähe. Nach wochenlangen Verhandlungen einigten sich die Manager beider Firmen auf einen einvernehmlichen Zusammenschluss zum zweitgrößten börsennotierten Wohnungskonzern hierzulande nach der Deutschen Annington. Jetzt hängt das Projekt nur noch am Votum der GSW-Aktionäre, die bis Ende Oktober abstimmen müssen.

Viele dürften sich erst am Ende der Frist entscheiden. „Wir empfehlen, die Offerte anzunehmen“, sagte GSW-Co-Vorstandschef Andreas Segal am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Sein Kollege Jörg Schwagenscheidt ergänzte: „Die Gespräche mit der Deutschen Wohnen laufen konstruktiv und fair.“ Ein Zusammengehen der Konzerne war am Markt seit längerem erwartet worden. Ein Großteil der 150.000 Wohnungen liegt in Berlin, das Synergiepotenzial ist groß.

Im August preschte Deutsche Wohnen vor und kündigte ein damals rund 1,8 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die GSW an – zunächst zur großen Überraschung des GSW-Managements, das sich bis zu dieser Woche mit einer Empfehlung zurückhielt. Die Transaktion soll komplett über einen Aktientausch abgewickelt werden. Der Deal ist rund 1,7 Milliarden Euro schwer: Die GSW-Aktionäre erhalten für 20 ihrer Aktien 51 neue Deutsche-Wohnen-Papiere.

75 Prozent der GSW-Eigner müssen zustimmen

Geht alles glatt, wäre die Übernahme im ersten Halbjahr 2014 abgeschlossen. Dafür müssen aber 75 Prozent der GSW-Eigner zustimmen. Die Deutsche-Wohnen-Aktionäre hatten die Pläne, die für sie mit einer Kapitalerhöhung einhergehen, bereits im September abgesegnet. Das Kartellamt hat keine Einwände. An der Börse herrschte am Dienstag Optimismus: Die Papiere beider Firmen notierten leicht im Plus.

Die „neue“ Deutsche Wohnen käme auf eine Marktkapitalisierung von rund vier Milliarden Euro, würde im europäischen Vergleich ein großes Stück zu den Top-5 aufschließen und damit leichter an das Kapital ausländischer Investoren kommen, wie Vorstandschef Michael Zahn immer wieder betont. Er soll künftig auch den Vorstandsvorsitz der GSW übernehmen. Die Aktionäre lockt er mit dem Versprechen, ab dem Geschäftsjahr 2014 etwa 60 Prozent des operativen Ergebnisses (FFO) als Dividende auszuschütten – bei der Deutschen Wohnen lag die Quote bislang bei 50 Prozent, bei der GSW bei 65 Prozent.

Für die insgesamt rund 800 Mitarbeiter, die beide Unternehmen im Immobiliengeschäft beschäftigen, ist die Fusion dagegen ein zweischneidiges Schwert: Die „neue“ Deutsche Wohnen wäre zwar ein rasant wachsendes Schwergewicht auf dem hiesigen Markt. Doch um die versprochenen jährlichen Einsparungen von 25 Millionen Euro zu schaffen, werden auch personelle Überlappungen reduziert. „Wir werden uns in den kommenden Monaten genau anschauen, wie die Struktur des künftigen Unternehmens aussieht“, räumte GSW-Vorstand Schwagenscheidt ein: „Ein Stellenabbau ist nicht ausgeschlossen. Wir können ihn zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht genau beziffern.“