Besuch bei IHK

Springer-Chef Döpfner schlägt „Kreativministerium“ vor

Nach britischem Vorbild könnte in einem Bundesministerium die Fachkompetenz für Internet, Digitalisierung und Urheberrecht gebündelt werden. So die Idee des Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Die Belange der Kreativindustrie sollten nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, in einem Bundesministerium gebündelt werden. Nach britischem Vorbild wünsche er sich, dass eine neue Regierung stärker die Fachkompetenz etwa für Internet, Digitalisierung und Urheberrecht wahrnimmt, sagte Döpfner am Montag in der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Berlin.

Die Geschäfte mit geistigem Eigentum seien genauso wichtig wie die Geschäfte mit materiellem Eigentum. Ein Ministerium für diesen Zuständigkeitsbereich zu schaffen, „das wäre eine großartige Sache“, sagte er. Doch könne das Thema auch eine neu zu schaffende Abteilung eines bereits existierenden Ministeriums betreuen. Die bereits erfolgte Reform des Urheberrechts, durch die Verlage ihre Rechte auch im Internet gegen die kostenlose Nutzung ihrer Angebote durchsetzen könnten, sei aber bereits ein wichtiger Schritt der Politik gewesen, Medienunternehmen in die Lage zu versetzen, im digitalen Inhalte-Geschäft zu reüssieren. Nun seien auch die Verlage selbst am Zug.

Als Zeichen einer verschärften Konkurrenz zwischen traditionellen Medien und Internetkonzernen wie Apple oder Google sieht Döpfner die Übernahme der „Washington Post“ durch Amazon-Gründer Jeff Bezos. „Die großen Infrastruktur- und Technologieanbieter der digitalen Welt wollen Verleger werden – und die Verleger wollen es bleiben. Die entscheidende Frage ist, wer gewinnt. Das ist das ganz große Spiel.“ Der Kauf von einer der „strahlendsten Inhaltemarken der Welt“ durch Bezos könne der Beginn einer digitalen Journalismus-Strategie des Vertriebsgiganten sein. Traditionelle Verlagshäuser müssten sich deswegen als „Inhalteprofis“ behaupten. Technologie-Giganten wie Google oder Apple würden den Journalismus nicht verstehen. „Das sind andere Welten, andere Kulturen“, sagte Döpfner. Hier liege die Chance der Verlage.

Regionalzeitungen gerade in Krisenzeiten effizienter betreiben

Döpfner verteidigte den geplanten Verkauf der Berliner Morgenpost, des „Hamburger Abendblatts“ sowie der Frauen- und Programm-Titel von Springer an die Essener Funke-Gruppe („WAZ“). Es sei ihm vom Bundeskartellamt immer wieder mit Verweis auf die ebenfalls bei Axel Springer erscheinende „Bild“-Zeitung verboten worden, weitere Regionaltitel dazu zu kaufen. Deshalb habe Axel Springer auf dem Sektor der Regionalzeitungen keine Chance gehabt, Marktführer zu werden.

Funke wolle und könne hingegen eine Zeitungskette aufbauen und damit Regionalzeitungen gerade in Krisenzeiten effizienter betreiben. Deswegen habe sich der Konzern zu dem „schmerzlichen Schritt“ entschieden, Traditionstitel „die uns über viele Jahre ans Herz gewachsen und wichtig sind“, zu verkaufen. Jedes Unternehmen müsse sich in dieser krisenhaften Situation auf seine besonderen Stärken konzentrieren. Für die Leser der Morgenpost aber, so sagte er, „wird nichts wirklich anders“. Die Redaktion bleibe ja in Berlin.

Die Stadt hat aus Sicht von Mathias Döpfner das Potenzial, zum „europäischen Zentrum für die digitale Wirtschaft zu werden“. „Hier passiert unglaublich viel“, sagte er, weshalb auch Axel Springer gezielt in viel versprechende Start-ups investiere. Wichtig wäre es aber, die bürokratischen Hürden weiter zu senken. Döpfner sagte, er wünsche sich eine wirklich serviceorientierte Verwaltung, die es Gründern leicht mache. Auch Unternehmensgründungen im Schnellverfahren, etwa in 48 Stunden, würden die Attraktivität des Standorts verbessern.