Messe KarriereStartschuss

Wenn Unternehmen und Azubis alles tun, um sich zu finden

Gelungene Premiere der Morgenpost-Messe KarriereStartschuss: 35 Unternehmen und Institutionen informierten in Kreuzberg über ihr Ausbildungsangebot. Dabei erfuhren Besucher auch, warum Bewerben ein bisschen wie Flirten ist.

Foto: Reto Klar

Jannis hat gerade eine Ausbildung zur „Fachkraft im Gastgewerbe“ an der Brillat-Savarin-Schule absolviert, doch jetzt verfolgt der 18-Jährige andere berufliche Pläne. Neugierig schlendert er vorbei an den Messeständen der „KarriereStartschuss 2013“ in der Axel-Springer-Passage. Und bleibt bei den Mitarbeitern des Hauptzollamtes stehen: „Ich will mich rundum informieren“, sagt er. So offen wie Jannis zeigten sich auch die vielen anderen Jugendlichen, die am Montag zur Premiere der Morgenpost-Messe kamen, um die Infoangebote von 35 Unternehmen und Institutionen aus ganz verschiedenen Branchen – vom Einzelhandel über Banken bis zu privaten Bildungsdienstleistern – zu nutzen.

Viel Offenheit empfahl zum Messeauftakt auch Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) allen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind: „Legen Sie sich nicht fest, schauen Sie sich genau um, welche Möglichkeiten es gibt.“ Viele Unternehmen fänden keine Auszubildenden. Mit Zahlen untermauerte sie die schwierige Situation: 3500 unbesetzten Plätzen in Berlin standen vor einem Monat rund 6400 Jugendliche gegenüber, die keinen Platz hatten.

Last-Minute-Börse bei der IHK

Wie der aktuelle Stand aussieht, dazu will die IHK Berlin in der kommenden Woche Zahlen vorlegen. „Klar ist: Nicht die Zahl der freien Plätze, sondern die Zahl der geeigneten Bewerber ist knapp“, so Thilo Pahl, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der Kammer. Bei einer Last-Minute-Börse sollen Ende September weitere Plätze vermittelt werden.

Wie wichtig Information bei der Berufswahl ist, darauf verwies Christine Richter, Mitglied der Morgenpost-Chefredaktion, und zitierte das Messe-Motto: „Berlin ist, wenn Unternehmen und Azubis alles tun, um sich zu finden.“ Mit Blick auf die hohe Abbruchquote bei Ausbildungen riet sie den jungen Besuchern, viele Fragen zu stellen, um späteren Enttäuschungen vorzubeugen: „Es gibt keine dummen Fragen.“

Viele Fragen der Gäste beantworteten zahlreiche Kurzvorträge. Wie der Weg zum erfolgreichen Vorstellungsgespräch verläuft, das illustrierte der Psychologe Claus Peter Müller-Thurau, Inhaber von Müller-Thurau Training + Development Human Resources. Beim Bewerbungsverfahren seien drei Schlüsselfragen zentral: „Was kannst Du?“ – „Wer bist Du?“ – „Was willst Du?" Ein Anschreiben dürfe maximal eine Seite haben, beim Verfassen müsse man „mit dem Kopf des Adressaten denken“. Besonders wichtig ist die Begründung, warum ein Mitarbeiter bei einem bestimmten Unternehmen arbeiten möchte: „Bewerben ist ein bisschen wie Flirten“, sagte Müller-Thurau – und sorgte so für entspannte Gesichter bei seinen jungen Zuhörern. „Das war auf alle Fälle hilfreich, in der Schule haben sie uns das mit der Bewerbung anders erklärt“, meinten drei 16-Jährige aus Marzahn, die mit dicken Infomappen auf der Messe unterwegs waren.

Karriere bei der Polizei

Dicht besetzt waren die Reihen auch, als es um die „Einstellungsvoraussetzungen und Ausbildungsmöglichkeiten bei der Polizei Berlin“ ging. Für den mittleren Dienst der Schutzpolizei etwa müssen Bewerber mindestens die erweiterte Berufsbildungsreife mitbringen, gute Noten in den Hauptfächern haben, sich für die freiheitlich demokratische Grundordnung einsetzen – und 200 Meter ohne Unterbrechung schwimmen können. Die Einstellungsprüfung umfasst drei Teile – neben einem PC-gestützten Wissenstest inklusive Intelligenz- und Persönlichkeitsstrukturtest gehören auch eine Sportleistungsüberprüfung und ein Vorstellungsgespräch dazu. Hauptoberkommissar Uwe Stephan gab Bewerbern noch den Tipp, sich eine seriöse E-Mail-Adresse zuzulegen: Adressen wie „oberchecker@xyz.de“ hinterließen keinen guten Eindruck.

Für Berufe in der Medienbranche interessierten sich Ferdinand, 19, und Dimitri, 20, vom Dathe-Gymnasium: Sie wollten von Rudolf Porsch, dem Vize- Direktor der Axel Springer Akademie, wissen, „warum Reporter immer noch der aufregendste und spannendste Beruf ist“. Die Ausbildung sei heute multimedial angelegt, der Beruf verändere sich stark, weshalb junge Journalisten „viel gestalten könnten“, so Porsch. Bei der Berufswahl solle man in jedem Fall seinem Herzen folgen.

Auch Lehrer kamen zur „KarriereStartschuss 2013“. Christiane Weiß von der Johann-Julius-Hecker-Schule zog eine positive Messe-Bilanz: „Unsere Zehntklässler werden hier sehr gut bedient, viele von ihnen interessieren sich für kaufmännische Berufe.“

„Positiv beeindruckt" zeigte sich auch Anja Knop von Pepperl + Fuchs, weltweit einer der führenden Hersteller von Sensoren und Komponenten für die Kommunikationstechnik, vom Interesse der Jugendlichen an ihrem Ausbildungsangebot: „Technische Unternehmen haben nur eine Chance, wenn sie qualifizierten Nachwuchs ausbilden“.

Robert Burghardt, Initiator der Messe und Leiter Vermarktung Rubrikenmärkte bei der Morgenpost, freute sich am Ende über eine gelungene Premiere: „Ausbildung ist ein wichtiges Zukunftsthema für die Zeitung, da hat der Instinkt nicht getrogen.“