Outsourcing

Air Berlin schiebt Service-Mitarbeiter zu Bertelsmann ab

Die angeschlagene Airline muss sparen und lagert zum Herbst 220 Beschäftigte aus. Dabei müssen sie eine schlechtere Bezahlung in Kauf nehmen. Wenn sie nicht mitziehen, wird die neue Firma geschlossen.

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Die zuletzt verlustreiche Fluggesellschaft Air Berlin setzt bei ihrem Kundenservice zu einem radikalen Schnitt an. Nach Informationen der Berliner Morgenpost plant das Unternehmen die Abgabe seiner Tochter Service Center KG an die Bertelsmann-Tochter Arvato zum 1. Oktober 2013. In der KG werden Kundenanfragen beantwortet, die das Unternehmen über Telefon, Email, Post, Internetseite oder auch Reisebüros erreichen.

In der Tochter arbeiten derzeit rund 220 der insgesamt rund 9000 Beschäftigten. Weil über sie der komplette Kundenkontakt läuft, sind sie allerdings für den Vertriebserfolg der Fluggesellschaft zentral. Noch im aktuellen Geschäftsbericht weist der Konzern auf die Bedeutung eines „möglichst intensiven (…) Kundenkontakts“ hin.

Air Berlin droht Mitarbeitern mit Jobverlust

Die Auslagerung der Kunden-Tochter an Bertelsmann ist Teil des radikalen Sparprogramms „Turbine“ des neuen Vorstandschefs Wolfgang Prock-Schauer. Der Österreicher will die Kosten bis Ende 2014 um insgesamt 400 Millionen Euro drücken. Das ist auch bitter nötig: Im ersten Quartal schrieb die Air Berlin einen Verlust von 196 Millionen Euro bei einem Umsatz von 792 Millionen Euro.

In einem Brief an die Mitarbeiter, der der Morgenpost vorliegt, bereitet Vorstandskollege Paul Gregorowitsch die Kollegen bereits auf eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen vor – und droht gleichzeitig mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. Bertelsmann-Arvato werde Arbeitsverträge anbieten, die nur „für weitere sechs Monate eine Vergütung auf Air-Berlin-Niveau“ vorsähen.

Zwölf Monate habe man Zeit, zwischen diesem Angebot und einer Abfindung zu wählen, „die noch festzusetzen ist“. Wenn sich nach zwölf Monaten nicht mindestens 98 Prozent der Mitarbeiter für eine der Varianten entschieden haben, schreibt Gregorowitsch, „wird Bertelsmann-Arvato den Betrieb mangels Wirtschaftlichkeit schließen“.