Wohnungskonzern

Aktionäre besiegen GSW-Chefs Kottmann und von Freyend

Bernd Kottmann und Eckart John von Freyend gehen. Der Machtkampf beim Immobilienkonzern GSW wirkt weit über das Berliner Unternehmen hinaus.

Am Ende wurde der monatelange Machtkampf wie eine Formalie abgehakt. Passiert ist das am späten Dienstagabend. Nun sind die beiden mächtigsten Männer des Berliner Immobilienkonzerns GSW, Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend und der Vorstandsvorsitzende Bernd Kottmann, ihre Jobs los.

Zuletzt hatte selbst der Betriebsrat des Unternehmens ihren Abgang in einem Brief gefordert. Die meisten Investoren der börsennotierten GSW hatten beiden Managern ohnehin schon vor einer Woche auf der Hauptversammlung das Vertrauen entzogen. Am Ende einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats in der Berliner GSW-Zentrale legte von Freyend „auf eigenen Wunsch“ seinen Posten nieder. Mit Kottmann vereinbarte der Aufsichtsrat „einvernehmlich“ eine Vertragsauflösung zum 15. Juli. Freigestellt ist er ab sofort.

Es ist ein in mehrfacher Hinsicht denkwürdiges Ereignis. Zum einen erlebte die ehemals landeseigene GSW den schwersten Machtkampf seit Beginn ihrer privatrechtlichen Zeitrechnung 2004. Viel wichtiger ist aber etwas anderes. Die Ablösung von Kottmann und von von Freyend markiert einen Einschnitt für börsennotierte deutsche Konzerne – vor allem für jene, die ihr Geld mit Immobilien verdienen. Ausländische Investoren triumphieren über das Netzwerk deutscher Immobilienmanager. Insofern erzählt der Machtkampf jenseits verletzter Manager-Egos auch von einer Zeitenwende auf dem deutschen und dem Berliner Häusermarkt.

Der Vorwurf lautet auf Vetternwirtschaft

Der Triumphator heißt Hans Op ‘t Veld und verantwortet beim holländischen Pensionsfonds PGGM die Immobilienbeteiligungen. Zu den Besitztümern von PGGM zählt auch ein vergleichsweise kleines Aktienpaket an der GSW von rund 2,6 Prozent. Diese Beteiligung, gereicht hätte theoretisch aber auch nur eine einzige GSW-Aktie, nutzte Op ‘t Veld um einen Sturm zu entfachen. Sein Missfallen erregte die Kür von Kottmann zum Vorstandschef. Die ist erst wenige Monate her. Im März verkündete der damalige GSW-Chef Thomas Zinnöcker überraschend seinen Abgang zum Konkurrenten Gagfah. Innerhalb kurzer Zeit wurde Kottmann zum Nachfolger bestellt.

Diese kurze Zeitspanne führte letztlich zum Machtkampf. Op ‘t Veld monierte Intransparenz bei der Auswahl des neuen GSW-Chef. Zudem missfiel ihm die gemeinsame Vergangenheit von von Freyend und Kottmann beim Bonner Grundstückskonzern IVG. Der Vorwurf lautet auf Vetternwirtschaft und Postengekungel ohne Beteiligung der Aktionäre. Daraus wurden ein Abwahlantrag gegen Chefaufseher von Freyend und ein Misstrauensvotum gegen Kottmann für die Hauptversammlung vom 18. Juni. Diesen Anträgen folgte eine satte Mehrheit. Von Freyend blieb nur deswegen im Amt, weil die Abwahlmehrheit von 75 Prozent knapp verpasst wurde. Spätestens seit der Hauptversammlung waren er und Kottmann schwer angeschlagen.

Das Ergebnis zeigt, dass die Zeit über einen wie von Freyend langsam hinweggeht. Von Freyend ist ein brillant vernetzter Manager. Der geborene Berliner arbeitete beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), im Finanzministerium und in der Immobilienbranche. Bis 2006 war er Vorstandschef der IVG. Aus dieser Zeit kennt er Kottmann.

Nach deutschem Aktienrecht alles richtig gemacht

Anfang Juni, der Machtkampf bei der GSW steuerte auf den Höhepunkt zu, sprach von Freyend mit der Morgenpost. Er verteidigte die Auswahl von Kottmann, berief sich darauf, dass er aufgrund seiner Erfahrung die meisten potenziellen Kandidaten für Spitzenposten in der Immobilienbranche persönlich kennen würde. Zudem hätte er bei der Auswahl des Vorstandschefs nach deutschem Aktienrecht alles richtig gemacht.

Doch das genügt den Investoren der GSW – die meisten kommen aus dem Ausland – nicht. Nun sollen Personalberatungen einen neuen Chefaufseher und einen Vorstandsvorsitzenden finden. Vielleicht wird es auch einer der beiden verbliebenen GSW-Vorstände Jörg Schwagenscheidt und Andreas Segal. Diese führen jetzt das Geschäft übergangsweise. PGGM-Manager Op‘t Veld hat schon durchblicken lassen, dass es innerhalb der GSW aus seiner Sicht geeignetere Kandidaten für den Chefposten gibt als Kottmann.

Der scheitert nun auch wegen seines Mentors von Freyend. Zwar betont dieser in einer Mitteilung trotzig: „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, mit Herrn Dr. Kottmann einen hervorragenden Manager zur Führung der GSW AG gefunden zu haben.“ Am Abgang von Kottmann nach gerade einmal zwei Monaten im Amt ändert das allerdings nichts.