Kommentar

Warum Apple mehr soziale Verantwortung zu wünschen ist

Apple geht gegenüber seinem chinesischen Zulieferer Foxconn auf Distanz. Dabei ging es Apple lediglich um den Erfolg und nicht um Fairness, findet Hajo Schumacher.

Foto: MIKE SEGAR / REUTERS

Aha, Apple entfernt sich ein wenig vom umstrittenen chinesischen Zulieferer Foxconn. Haben die Berichte über fragwürdige Arbeitsbedingungen, über Selbstmorde und mangelnde Umweltstandards das weltweit teuerste Unternehmen zum Sinneswandel bewegt? Wohl nicht. Es geht eher darum, sich vom Quasi-Monopol eines einzigen Zulieferers zu befreien. Wenn einer das Monopol hat, dann Apple.

Die Firma Pegatron dagegen, die das neue Billig-iPhone nun bauen soll, hat den humanen Arbeitsplatz auch nicht erfunden. Nur wenige Stunden, nachdem es in der Fabrik in Shanghai eine Inspektion gegeben hatte, kam es zu einer Explosion. Die Rede ist von einem Feuerball, bei dem sich mindestens zwei Dutzend Arbeiter Verbrennungen zugezogen haben.

Apples Erfolgsgeschichte behält ihren roten Faden: Die Risiken weit weg, der Erfolg nach Cupertino. Dass gesellschaftliche Verantwortung vor allem als Kostenposten betrachtet wird, wurde zwei Wochen zuvor bei der Steuerdebatte klar. Legal, aber unschön schickt Apple seine Gewinne so lange um die Welt, bis die Abgabe maximal minimiert ist, in Irland etwa bis auf zwei Prozent.

Wenn das jeder Mittelständler machte, gäbe es ein paar Kitas, Straßen, Schwimmbäder weniger in Deutschland. Diese vermeintliche Pfiffigkeit, die man von den Clan-Verträgen der CSU kennt, diese Schnippchen- und Schnäppchen-Mentalität, ist für das Gemeinwesen ebenso bedrohlich wie das Ausnutzen sozialer Leistungen.

Alles soll heutzutage fair sein

Aber wo bleibt der kritische Verbraucher? Wir fordern von Politikern ein strikt gemeinwohlorientiertes Verhalten, wir finden das Verhalten der CSU-Parlamentarier empörend. Wir kritisieren gierige Banken und das Kleingedruckte im Flatrate-Vertrag. Jede Runkelrübe soll vom Acker nebenan stammen, unsere Milchkuh braucht einen Namen, Kaffee, Schokolade, Katzenstreu – alles muss fair gehandelt sein und gewerkschaftlich zertifiziert. Und das ist auch gut so.

Kritische Verbraucher und ihre Lautsprecher sind zwar lästig, aber eben auch die Gewähr dafür, dass Scharlatane Angst bekommen. Wir wollen gute Arbeit und saubere Produkte und soziale Verantwortung, eine Mehrheit der Deutschen könnte sogar mit höheren Steuern leben.

Aber wann endlich gelten die Maßstäbe des panischen Verbrauchers auch bei Apple: menschenwürdige Arbeitsplätze, Umweltschutzstandards, die Jürgen Trittin akzeptiert und Steuern zahlen wie alle anderen auch? Das ist nicht doof, sondern verantwortungsvoll. Hip kann nur sein, wer auch fair ist.