500-Millionen-Verlust

Solarworld hat Anleger-Geld komplett verloren - Aktie fällt

Ein Tag, zwei schlechte Nachrichten: Am Mittwoch teilte die Solarfirma mit, dass das Grundkapital aufgezehrt ist. Zudem machte man über 500 Millionen Euro Verlust. Die Aktie reagierte entsprechend.

Foto: Oliver Berg / dpa

Das waren noch Zeiten: "Shine, baby, shine"! ruft der Schauspieler Larry Hagmann in einem Werbespot der Solarworld AG der Sonne entgegen, die auf ein Dach voller Solarzellen strahlt. Mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Schauspieler, vielen besser bekannt als der Fiesling J.R. Ewing aus der Fernsehserie Dallas, hatten sich die Bonner ein prominentes Zugpferd für ihr boomendes Solargeschäft geangelt. Doch das ist längst Vergangenheit. In der deutschen Solarbranche weht ein anderer Wind, ein heftiger Sturm aus Fernost. Die chinesische Billigkonkurrenz hat vielen Anbietern zugesetzt. Jetzt wird es auch für Solarworld immer enger.

Am Mittwochabend ließen die Bonner in einer Meldung die Börse wissen: Das Eigenkapital des Unternehmens ist komplett weg und damit das Kapital der Aktionäre verbrannt. Das ist kein gutes Omen für den umtriebigen Solarworld-Chef Frank Asbeck. Verbunden war die Hiobsbotschaft obendrein mit der Aussage, dass 2012 ein Verlust nach Steuern von 520 Millionen bis 550 Millionen angefallen sei. Die Anleger sind schockiert, die Aktie stürzt ab. 47,95 Euro notierte die Papier Ende 2007 zur Zeit des Solarstrombooms – für die ohnehin zum Pennystock verkommene Aktie wurde am Donnerstag mit zeitweise 0,56 Euro ein weiterer Tiefpunkt registriert.

Solarworld beruft außerordentliche Hauptversammlung ein

Der Verlust des Grundkapitals hat zunächst nur zur Folge, dass Solarworld umgehend eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen muss. Dort muss Asbeck den Aktionären erklären, wie er die Firma aus der Krise führen will. Das Unternehmen ächzt unter einer Schuldenlast von über einer Milliarde Euro. Zwei Anleihen über zusammen 550 Millionen Euro werden 2016 und 2017 fällig.

Dass es nicht gut steht um den ehemaligen Star der Solarbranche, ist spätestens seit Ende Januar bekannt. Damals ließ Asbeck in einer Pflichtmitteilung die Börse wissen, dass das Unternehmen mit den Gläubigern über eine Verringerung der Schulden rede. Asbeck forderte konkret "gravierende Einschnitte" bei den Verbindlichkeiten.

Vorstandschef Asbeck besitzt 27,8 Prozent der Solarworld-Aktien

Wegen der laufenden Verhandlungen mit eben jenen Gläubigern hatte Solarworld im März die Vorlage seiner Geschäftszahlen für 2012 verschoben. Nun ist wenigstens klar, wie hoch der Verlust nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) ist. Nur ein Fünftel des Verlustes – also gut 100 Millionen Euro – stammt allerdings aus dem operativen Geschäft. Asbeck sagte, diese Summe sei in seinen jüngsten Aussagen zu den Geldreserven von Solarworld bereits enthalten. Im Januar hatte er die Liquidität per Ende 2012 auf 220 bis 230 Millionen Euro beziffert. Die Ergebnisse der Tochterfirmen sind in den Zahlen aber nicht enthalten. "Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass etwaige Bilanzkorrekturen im Rahmen der Jahresabschlussprüfung die Schätzungen wesentlich verändern können", warnte Solarworld.

Vorstandschef Asbeck gibt sich dennoch betont zuversichtlich: "Wir befinden uns in konstruktiven und zielorientieren Gesprächen mit den Gläubigern", sagte der Unternehmensgründer, der 27,8 Prozent aller Solarworld-Aktien besitzt. Dennoch: Solarworld ist mehr denn je in die Abhängigkeit seiner Geldgeber geraten. Solange die Schulden mit den vorhandenen liquiden Mitteln aus dem Tagesgeschäft noch bedient werden können, bestehen noch Möglichkeiten das Steuer herumzureißen. Bei den Verhandlungen mit Anleihegläubigern und Banken geht es nach Ansicht von Experten vor allem darum, die Anleihebedingungen zu verändern, um die Zinslast zu verringern.

Asbeck sieht keine Insolvenz-Gefahr für Solarworld

Eine Insolvenz-Gefahr sieht Asbeck auch heute nicht: Die wesentlichen Verluste des vergangenen Jahres seien nicht liquiditätswirksam. "Unsere aktuelle Liquidität gewährt eine positive Fortführungsprognose", sagt er. Andere haben dagegen aufgegeben: Q-Cells, Centrotherm und Solon beispielsweise oder SunTech, ein chinesischer Hersteller. Im März kündigte ferner der Autozulieferer Bosch den Ausstieg aus der Solartechnik an. Begründung: Die Sparte sei nicht mehr rentabel. Dabei hatte der Konzern sie vor Jahren als neues Standbein aufbauen wollen. Neben den Billigkonkurrenten und dem Preisverfall in der Branche bringen auch die Absenkungen der staatlichen Förderung die Hersteller in die Bredouille.

In der Hitliste der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) über die größten Kapitalvernichter in Deutschland landen Photovoltaik-Unternehmen seit ein paar Jahren regelmäßig vorn. 2012 gelangte das Unternehmen Conergy auf den unrühmlichen Rang 1 mit Kursverlusten über einen Zeitraum von fünf Jahren von 99,6 Prozent. Bei Solarworld waren es 86,3 Prozent.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.