„Bin Ladens“

Banker will den 500-Euro-Schein abschaffen

Die EZB soll nach den Vorstellungen von Athanasios Vamvakidis den 500-Euro-Schein aufgeben - es ist die hochwertigste Banknote innerhalb der G10-Länder. Der Schritt könnte einer Gruppe sehr schaden.

Foto: Patrick Pleul / PA/ZB

In Spanien hatten 500-Euro-Scheine einen Spitznamen. Man nannte sie gern „Bin Ladens“: Jeder wusste, dass sie existieren – aber niemand hatte sie je gesehen. Athanasios Vamvakidis, Analyst bei der Bank of America, setzt sich jetzt dafür ein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Scheine abschafft. Innerhalb der G10, der Gruppe der zehn führenden Industrienationen, gebe es keinen anderen Schein mit einem derart hohen Wert.

Die 500-Euro-Scheine abzuschaffen würde den Euro schwächen und die Wirtschaft ankurbeln, meint er. Außerdem würde die EZB damit Kriminellen eins auswischen, die ihr illegal erworbenes Geld oft in diesen Scheinen horten.

Und es gibt hinlänglich Beweise, dass es vor allem Kriminelle und Steuerhinterzieher sind, die im Besitz der großen Scheine sind. Die britische Behörde zur Bekämpfung organisierter Kriminalität behauptete gar einmal, dass 90 Prozent der 500-Euro-Noten in den Händen der organisierten Kriminalität seien.

EZB könnte vom Unglück der Kriminellen profitieren

Wenn die EZB die Sache richtig angeht, könnte sich das lohnen, sagt Vamvakidis. Wenn Kriminelle auf ihren wertlosen Scheinen sitzen bleiben, würde die Zentralbank davon profitieren. Und zwar folgendermaßen: Die EZB würde ankündigen, dass die Scheine bis zu einem bestimmten Datum zur Bank gebracht oder in kleinere Noten eingetauscht werden könnten.

Allerdings müssten die Besitzer nachweisen, dass sie das Geld auf legalem Wege erworben haben. Da Kriminelle das nicht können, würden sie ihre Scheine nicht loswerden. Ihr Verlust würde „zum Gewinn für die EZB, den sie für andere Zwecke verwenden kann“, schreibt der Analyst. „Das ist eine sehr einfache Methode, um diese illegalen Aktivitäten zu bestrafen.“

Der Artikel von Michael Casey erschien zuerst im „Wall Street Journal Deutschland“