Rassismusvorwürfe

Lego nimmt Star-Wars-Spielzeug vom Markt

Jabba muss gehen. Die Spielzeugfirma Lego stellt zum Ende 2013 die Produktion von „Jabbas Palast“ ein. Denn die Türkische Kulturgemeinde hält den „Star Wars“-Bausatz für Volksverhetzung.

In gewisser Hinsicht ist Jabba the Hutt, der feiste Waffenhändler aus dem dritten Teil der originalen „Krieg der Sterne“-Trilogie von 1983, ein Beispiel für eine überaus gelungene Assimilation: 30 Jahre lang war niemandem aufgefallen, dass Jabba der Außerirdische in Wirklichkeit ein Orientale ist. Wahrscheinlich wusste es noch nicht einmal George Lucas selbst.

Erst Ende des vorigen Jahres bemerkten Mitglieder der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, dass es sich bei diesem dicken, Wasserpfeife rauchenden Mann, der Prinzessin Leia als Bauchtänzerin gefangen hält, um ein Sammelsurium schlimmster Klischees über dekadent-geile Haschischköpfe und Haremsherrscher aus dem Morgenland handelt.

Diese Entdeckung machten die Gemeindemitglieder aber nicht beim Betrachten des Films, sondern beim Zusammenbasteln eines Lego-Bausatzes, der den exotischen Palast des populären Schurken darstellt. Im Sommer 2012 hatte Lego das Spielzeug in einer überarbeiten Variante wieder auf den Markt gebracht. In der Weihnachtszeit soll sich ein österreichischer Vater bei der türkischen Gemeinde beschwert haben. Seine Schwester habe seinem Sohn „Jabbas Palast“ gekauft, „in guter Absicht“. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass die Lego-Verpackung „pädagogischen Sprengstoff“ enthalte.

Die Gemeinde sah durch das Spielzeug den Tatbestand der „Volksverhetzung“ erfüllt. „Jabbas Palace“ gleiche einer Moschee, der Wachturm einem Minarett. Die Figuren seien Orientalen nachgebildet, mit Gewehren, Schwertern und Kanonen.

Lego ist weich geworden

Ursprünglich hatte Lego die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Firma bestand darauf, dass es sich bei ihrem Produkt lediglich um eine originalgetreue Wiedergabe der jahrzehntealten Fantasien des „Star Wars“-Schöpfers George Lucas handele. Legos Europa-Chef Dirk Engehausen sagte Ende Januar 2013 in einem Interview. „Von Rassismus und Volksverhetzung ist Lego so weit entfernt wie kaum ein anderes Unternehmen.“ Der Manager kündigte allerdings auch an, dass man die Beschwerde ernst nehme und den Dialog mit der Türkischen Gemeinde suche.

Nun ist Lego weich geworden. Die türkische Gemeinde in Wien gab bekannt, dass die Lego-Offiziellen Katharina Sass (Pressesprecherin), Katharina Sutch (Brandmanagerin) und Marta Tantos (Chefdesignerin) bei einem Treffen in München versprochen hätten, sie würden zum Ende 2013 die Produktion von „Jabbas Palast“ einstellen.

„Wir bedanken uns und gratulieren Lego zur Entscheidung, ab 2014 den Lego-Star-Wars-Bausatz ‚Jabbas Palace‘ nicht mehr zu produzieren und aus dem Produktwerbekatalog zu nehmen“, wird Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, jetzt in einer Pressemitteilung zitiert.

Die Vorwürfe gegen das Spielzeug müssten allerdings in gleichem Maße für „Die Rückkehr der Jedi“ gelten, an den „Jabbas Palast“ detailgetreu anlehnt. Doch Proteste gegen die Vorführung des Film hat die Türkische Kulturgemeinde bisher keine angekündigt.