Management

Deutsche Konzerne wollen mehr Ausländer aufnehmen

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Foto: Sven Hoppe / dpa

Im Schatten der Eurokrise suchen deutsche Konzerne ihr Heil im Ausland. Doch um neue Märkte zu erschließen, braucht es internationale Manager. Die sind in den Führungsetagen deutscher Konzerne rar.

Die Beschwerde des Siemens-Chef ist ein paar Jahre alt, aber nicht weniger aktuell: „In der Führungsetage sitzen nur weiße Männer“ jammerte Peter Löscher im Sommer 2008 in einem Interview über seinen Konzern. Geändert hat sich seitdem wenig.

Knapp zehn Prozent der Mitarbeiter von Siemens in Deutschland stammen aktuell aus dem Ausland. Nur am Konzernsitz in München sei die Quote höher, sagte ein Siemens-Sprecher. Der Industriekonzern ist kein Einzelfall. Der Autohersteller Daimler hat einen ähnlich niedrigen Ausländeranteil vorzuweisen, im Topmanagement liegt er sogar nur im einstelligen Bereich. Erst langsam erkennt man den Nachholbedarf. Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth stellte jüngst ein Programm vor, mit dessen Hilfe der Autohersteller mehr Topmanager im Ausland rekrutieren will.

Man müsse sich erst um die Frauen kümmern

„Die meisten Konzerne haben sich des Themas angenommen. Wenn es aber um konkrete Maßnahmen geht, heißt es oft immer 'tut mir leid, ich muss mich erstmal um die Frauen kümmern'“, sagt Carolin Griese-Michels von der Strategieberatung Roland Berger. Weniger als 20 Prozent der befragten Unternehmen hätten in einer Studie im vergangenen Jahr systematische Maßnahmen vorweisen können.

Dabei lohnt sich die Investition. 21 Milliarden Euro könnten deutsche Konzerne durch gezielte Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt einsparen, rechnet Roland Berger vor. Manager aus dem Ausland können den Firmen helfen, sich internationale Märkte zu erschließen. Auch die Fluktuation sinke, wenn mehr Nationen in einer Firma zusammenarbeiten.

Doch die Deutschen haben ein Problem: „Die Familien ziehen wegen der Sprache ungern nach Deutschland“, sagt Christine Stimpel, Deutschlandchefin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Und kein Manager will in der deutschen Provinz leben, wenn gleichzeitig Positionen in New York, Hongkong oder London locken.

Bei Adidas bemüht man sich, potenziellen Bewerbern die fränkische Provinz schmackhaft zu machen. Auf einer eigenen Webseite versucht der Nike-Rivale die Frage nach „Herzo...what?“, Herzogenaurach, dem Konzernsitz des Sportartikelherstellers, zu beantworten. Mit Erfolg: 26 Prozent der Beschäftigten in Herzogenaurach stammen inzwischen nicht mehr aus Deutschland, sagt eine Adidas-Sprecherin. Auf 75 Nationalitäten bringt man es in der Hauptverwaltung insgesamt.

Forschungslastige Unternehmen sind internationaler

Ähnlich viele Nationen bekommt der Software-Konzern SAP an seinem Hauptsitz im badischen Walldorf zusammen. Der Softwarehersteller fördert bereits seit 1996 aktiv eine internationale Zusammensetzung in der Belegschaft. „Das liegt in der Natur des Geschäfts“, sagt ein Sprecher. Da SAP viele Programme direkt beim Kunden entwickelt, braucht es vor Ort heimische Kräfte.

Doch das sind Positiv-Beispiele: „Wenn Unternehmen sehr forschungslastig sind, sind sie in der Regel internationaler aufgestellt. Da ergibt sich das von selbst“, sagt Heidrick&Struggles-Deutschlandchefin Stimpel. In der 'old economy' sieht das noch anders aus: „In der Automobilindustrie wurde das Thema bislang nicht so sehr verfolgt“, so Stimpel.

Bei Daimler sollen nun 50 Prozent der Anwärter für das Nachwuchsführungskräfteprogramm aus dem Ausland kommen. 300 bis 500 potenzielle Top-Manager wirbt der Autohersteller dafür jährlich an. Doch bis solche Programme tatsächlich Wirkung zeigen, dauert es: „Um wirkliche messbare Effekte zu sehen, braucht es drei bis fünf Jahre“, sagt Roland-Berger-Beraterin Carolin Griese-Michels.