Exporte

„Made in Germany” so gefragt wie schon lange nicht mehr

Der deutsche Export hat sich im Oktober erholt und ist überraschend angestiegen - um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Foto: Marcus Brandt / dpa

Die Euro-Krise scheint der deutschen Exportwirtschaft wenig anhaben zu können. So stiegen deutsche Exporte im Oktober so stark wie seit über einem Jahr nicht mehr. Sie legten um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 98,5 Milliarden Euro zu, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. „Das war der stärkste Anstieg seit August 2011“, hieß es. Im September hatte es mit minus 3,4 Prozent noch den ersten Rückgang seit gut zweieinhalb Jahren gegeben. Verglichen mit September legten die Ausfuhren im Oktober überraschend um 0,3 Prozent zu. Ökonomen hatten ein Minus von 0,5 Prozent erwartet.

Besonders stark erhöhten sich die Warenexporte im Länder außerhalb der Europäischen Union, zu denen die USA und große Schwellenländer wie China gehören. Sie kletterten um 14,6 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro. Die Ausfuhren in die krisengeplagte Euro-Zone stiegen um 7,0 Prozent auf 37,0 Milliarden Euro, während die Exporte in die gesamte EU um 7,8 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro zulegten.

Höhere Aufträge

In den kommenden Monaten könnten die Geschäfte für die Unternehmen ebenfalls positiv verlaufen. Die Auslandsaufträge der exportabhängigen Industrie stiegen im Oktober um 6,7 Prozent gemessen am Vormonat. Dabei legte die Nachfrage aus der Euro-Zone um 3,5 Prozent zu, die aus dem Rest der Welt um 8,5 Prozent.

In den ersten zehn Monaten erhöhten sich die Exporte um 4,8 Prozent auf 924,4 Milliarden Euro. Der Außenhandelsverband BGA rechnet fürs Gesamtjahr mit einem Wachstum von etwa vier Prozent. Damit würde die 2011 erstmals erreichte Billionen-Grenze beim Umsatz erneut übertroffen.

Auch Importe steigen

Die deutschen Importe stiegen im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Prozent. Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Die Einfuhren summierten sich auf 82,7 Milliarden Euro, was einem Plus von 6,0 Prozent im Vergleich zum Oktober 2011 entspricht. Die Handelsbilanz – die Differenz zwischen Exporten und Importen – wies einen saison- und kalenderbereinigten Überschuss von 15,2 Milliarden Euro aus.

Chinas Exporte sind im November hingegen mit 2,9 Prozent deutlich langsamer gewachsen als erwartet. Die Importe blieben im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar unverändert, wie die staatliche Zollverwaltung am Montag in Peking berichtete. Ursache ist vor allem die schlechte Nachfrage für Waren „Made in China“ durch die krisengebeutelten Europäer. Der Handel mit Europa, Chinas größtem Handelspartner, fiel seit Jahresanfang um 4,1 Prozent.

Die niedrigen Monatszahlen enttäuschten, weil die Ausfuhren im Oktober noch um 11,6 Prozent zugelegt hatten und für November eigentlich neun Prozent Zuwachs vorhergesagt worden waren. Der Außenhandel stieg von Januar bis November nur um 5,8 Prozent und liegt damit weit unter dem Ziel der Regierung von zehn Prozent.

Schlechte Handelszahlen dämpfen Hoffnungen in China

Die unerwartet schlechte Außenhandelsentwicklung lässt auf Unsicherheiten für die konjunkturelle Erholung in China schließen und wirft einen Schatten auf jüngste positive Daten. So war am Sonntag berichtet worden, dass die Industrieproduktion im November stärker als vorhergesagt um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zugelegt hatte. Auch die Einzelhandelsumsätze waren stark.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt war im dritten Quartal nur noch um 7,4 Prozent gewachsen – so langsam wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Für das ganze Jahr werden rund 7,5 Prozent erwartet. Das stimmt zwar mit dem Ziel der Regierung überein, doch sind deren gezielt vorsichtige Vorgaben waren in den Vorjahren immer um ein bis zwei Prozent übertroffen worden.

Im nächsten Jahr rechnet eine Denkfabrik der Pekinger Regierung wieder mit 8,2 Prozent Wachstum. Die schwache globale Nachfrage, wachsende Kosten und zunehmenden Handelsprotektionismus sieht die Regierung als Hauptursachen für die anhaltende Exportschwäche.