Standortbekenntnis

Bayer will 125 Millionen Euro in Berlin investieren

Berlins Bayer-Angestellte atmen auf: Der Konzern bekennt sich eindeutig zum Standort und will das Weddinger Werksgelände modernisieren.

Foto: Buddy Bartelsen

Bei den zugesagten Investitionen geht es beispielsweise um Neu- und Umbauten auf dem Weddinger Gelände. Die meisten Vorhaben waren zwar schon länger geplant, allerdings sind diese Geldausgaben jetzt mit der Vereinbarung weitgehend bindend für Bayer.

Bei Bayer stellen sich Mitarbeiter seit Jahren eine bange Frage: Was hat Konzern mit uns und dem Standort Berlin vor? Eine Reihe von Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit legten nahe: Abbau, Verkleinerung, Entwertung. Nun gibt es auf die Frage eine Antwort vom Unternehmen, die sowohl Belegschaft als auch Berliner Standortpolitiker zufrieden stellen dürfte. Bayer bekennt sich per Gesamtbetriebsvereinbarung (GBV) zu seinem Ableger in der Hauptstadt. In der Übereinkunft, die Betriebsrat und Management getroffen haben, verpflichtet sich der Pharma- und Chemiekonzern zu Investitionen von 125 Millionen Euro in den kommenden Jahren. Zudem wird zugesagt, dass Berlin Sitz des globalen Pharmageschäfts von Bayer bleiben soll.

Unruhe und Frustration aus Berlin waren in den vergangenen Monaten deutlich vernehmbar bis zum Konzernsitz in Leverkusen gedrungen. Es waren Reaktionen auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre. Nach der 17 Milliarden Euro teuren Übernahme von Schering durch Bayer sank die Zahl der Beschäftigten in Berlin von 5400 auf derzeit rund 4500.

Konzern will die Lage beruhigen

Der Plan zur aufwendigen Umgestaltung des Weddinger Betriebsgeländes verschwand in der Schublade. Abteilungen wurden an andere Standorte verlagert. Im Gegenzug kamen weit weniger neue Arbeitsplätze nach Berlin, als verloren gingen. Im September schließlich kündigte Bayer an, 300 Stellen aus der pharmazeutischen Entwicklung nach Wuppertal verlagern zu wollen. Die Unruhe in Berlin war danach besonders groß. Bayer will nun wohl auch ein Zeichen setzen, um die Lage zu beruhigen.

Bei den zugesagten Investitionen geht es beispielsweise um Neu- und Umbauten auf dem Weddinger Gelände. Die meisten Vorhaben waren zwar schon länger geplant, allerdings sind diese Geldausgaben jetzt mit der Vereinbarung weitgehend bindend für Bayer. Nur ein ungewöhnlich starker Rückgang der Konzerngeschäfte erlaubt es nach Darstellung des Betriebsrates, davon abzurücken. „Ohne wirtschaftliche Notlagen muss das umgesetzt werden“, sagt Yüksel Karaaslan, Betriebsratschef von Bayer in Berlin.

Betriebsrat fordert Standortbekenntnis

Die Belegschaftsvertreter hatten von Bayer ein Standortbekenntnis gefordert und dies zur Bedingung für Verhandlungen um die Verlagerung der 300 Stellen gemacht. „Jahrelang waren hier immer wieder kleinere Abbauprojekte an der Tagesordnung“, sagt Karaaslan. Man habe Zusagen abgetrotzt, die man direkt messen könne. „Wir haben Bayer klargemacht, dass klare Investitionszusagen die Zuversicht steigern“, sagt Karaaslan. Oliver Heinrich von der Gewerkschaft IGBCE sagt: „Wir glauben nun, dass der Standort Berlin auch eine Zukunft hat.“

„Die jetzt abgeschlossene Gesamtbetriebsvereinbarung für unseren Standort Berlin bestätigt, dass Berlin der Sitz unserer globalen Pharmazentrale ist und bleibt“, sagte ein Bayer-Sprecher. In der Vereinbarung für den Standort wird auch festgeschrieben, dass Niveau der Ausbildung beizubehalten. Derzeit beschäftigt Bayer in Berlin rund 250 Azubis. Jedes Jahr fangen mehr als 80 junge Menschen bei dem Unternehmen eine Lehre an. Das soll nun mindestens bis Ende 2017 so bleiben. Für diesen Zeitraum gelten alle Teile der Vereinbarung.

Erleichterung im Senat

Die Erklärung pro Berlin beinhaltet auch für jene 300 Bayer-Mitarbeiter eine gute Nachricht, die aus Berlin Richtung Wuppertal oder Leverkusen wegziehen sollen. Für sie gilt nun, dass sie bis Ende 2017 keine betriebsbedingten Kündigungen fürchten müssen. Sollten Mitarbeiter nicht umziehen wollen, können sie vorerst nicht entlassen werden. Die konkreten Verhandlungen über die Verlagerung dieser 300 Stellen beginnen jetzt. Das Unternehmen betonte, dass die jetzt getroffene Standortvereinbarung nichts an den „geplanten Umstrukturierungen in einem unserer Entwicklungsbereiche“ ändere.

Erleichterung ist dennoch zu spüren, auch im Senat. „Die Zusagen der Vereinbarung zeigen, dass auch künftig die Potenziale des Berliner Standortes weiter genutzt, ja sogar gegebenenfalls ausgebaut werden“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). Bayer ist für die Standortpolitik in Berlin von großer Bedeutung. Gesundheitswirtschaft zählt zu jenen Wirtschaftsbereichen, die in den nächsten Jahren überdurchschnittlich wachsen sollen. Im Senat gibt es die Befürchtung, Berlin verlöre insgesamt an Strahlkraft, wenn der Gesundheitsstandort geschwächt würde. Bayer stellt fast die Hälfte der rund 10.000 Pharma-Arbeitsplätze in Berlin.