Germanwings

Giftige Dämpfe in der Kabine führten zu Beinahe-Crash

Laut Lufthansa kämpfen Airlines seit längerem gegen giftige Öldämpfe und nehmen technische Veränderungen an Triebwerken vor.

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Der Zwischenfall in einer Germanwings-Maschine Ende 2010 beim Anflug auf den Kölner Flughafen geht laut „Spiegel“ vermutlich auf giftige Öldämpfe in der Kabinenluft zurück.

Darauf deuten Lufthansa-Dokumente hin, berichtet das Magazin am Sonntag. Um den Problemen mit giftigen Dämpfen entgegenzuwirken, nimmt die Lufthansa schon seit längerem Veränderungen an Triebwerken vor.

Der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings war beim Landeanflug auf Köln womöglich nur knapp einem Unfall entgangen. Laut einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) gaben die Piloten an, sie hätten einen „seltsamen, stark ausgeprägten, unangenehmen Geruch“ wahrgenommen.

Ein Pilot soll demnach bemerkt haben, wie ihm „im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwanden“. Laut BFU beschrieben beide Flugzeugführer „ihre Verfassung kurz vor der Landung als surrealistisch und wie in einem Traum“. Mit Sauerstoffmaske konnte der Kapitän den Jet dennoch sicher landen.

Germanwings weist Vorwürfe erneut zurück

Germanwings wies erneut Vorwürfe zurück, sie habe den Zwischenfall verharmlost. „Das stimmt definitiv nicht“, sagte der Sprecher der Fluggesellschaft, Heinz Joachim Schöttes, dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Noch am Abend des Vorfalls im Jahr 2010 seien die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) und das Luftfahrtbundesamt umfassend informiert worden.

Weshalb die BFU damals weder Voice-Rekorder noch Datenschreiber sicherstellte und erst sehr viel später eine genaue Untersuchung veranlasste, entziehe sich seiner Kenntnis, sagte Schöttes.

Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte Germanwings Verharmlosung vorgeworfen. Abgesehen von den Piloten, die vorübergehend ins Krankenhaus mussten, kam im Dezember 2010 niemand zu Schaden. 2008 musste eine Maschine kurz nach dem Start in Dublin umkehren, weil der Crew übel geworden war.

Nervengift führt zu Bewusstseinsverlust

Als Ursache für den Geruch gaben Germanwings-Techniker laut „Spiegel“ seinerzeit Enteisungsmittel an. Dem Bericht zufolge stellte jedoch ein Flugmediziner der Lufthansa in einem Schreiben vom 7. Juli 2011 fest, dass es sich neben Enteisungsmittel auch um „vermutlich Rauchgas und TCP-Inhalation“ gehandelt haben müsse. TCP ist demnach ein Schmiermittelzusatz im Triebwerköl, der wie ein Nervengift wirken kann.

Beim Einatmen entsprechender Dämpfe könnten kribbelnde Gliedmaßen und Einengung des Gesichtsfelds bis hin zum Bewusstseinsverlust auftreten.

Lufthansa bestätigt Probleme mit Triebwerken

Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty bestätigte Berichte, wonach die Airline technische Veränderungen an Triebwerken besonders des Großraumflugzeugs Airbus A380 vornimmt. Zwar gebe es weltweit weiter keinen Nachweis von Vergiftungsfällen in Flugzeugen durch entsprechende Dämpfe, sagte Lamberty. Gleichwohl wolle der Konzern einer möglichen Verunsicherung von Passagieren und Crews entgegenwirken.

„Wir tun was an dem Thema“, sagte Lamberty. So sollen in die Triebwerke eingezogene Bleche verhindern, dass austretendes Öl von der Kabinenluftanlage angesaugt wird.

Auch untersuchten Techniker per Hand, ob auch nur geringste Mengen Öl zu finden seien. Werde Öl entdeckt, werde es entfernt. Dabei handele es sich „nicht um Liter, sondern um Milliliter“, sagte Lamberty. In der Vorbereitungsphase befinde sich zudem ein technisches Verfahren, wonach während des Anlassens der Triebwerke keine Luft angezapft wird.