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iPhone-Fans stürmen Läden - Kartendienst verpatzt

Der Verkaufsstart des iPhone 5 lässt die Herzen von Apple-Fans höher schlagen. Kritik gibt es dagegen am neuen Kartendienst des Konzerns.

Foto: YOSHIKAZU TSUNO / AFP

Apple darf dank der großen Nachfrage nach dem neuen iPhone auf ein sattes Weihnachtsgeschäft hoffen. Weltweit bildeten sich zum Verkaufsstart des iPhone 5 vor den Läden des kalifonischen Konzerns lange Schlangen - auch in Deutschland.

In Frankfurt und München harten am frühen Morgen trotz herbstlich kühler Temperaturen Hunderte von Fans aus, die das Telefon als erste in der Hand haben wollten. Dichtes Gedränge herrschte auch in Sydney, Singapur oder Tokio. Für Apple sind das gute Nachrichten: Der Konzern erzielt die Hälfte seines Umsatzes mit dem Gerät.

„Ich brauche es einfach“, sagte der 19-jährige Okan Yasin am Freitag. Er campiere seit Donnerstagnachmittag vor dem Laden und hätte sich so die Position an der Spitze gesichert. Die Technologie sei dabei kein Kaufgrund. „Das iPhone hat aus von seinen Funktionen her kaum etwas Neues zu bieten“. Er wollte vielmehr Teil des „Hypes“ sein.

Partystimmung vor Apple-Läden

Damit ist er nicht allein. Trotz der langen Wartezeit herrschte vor den Apple-Läden in Asien Partystimmung. „Ich will gar kein neues Telefon kaufen, ich bin einfach hier, um neue Leute zu treffen. Das ist ein Festival“, sagte der Japaner Nobuhiko Hirota in Tokio, wo die iPhone-Jünger im Regen anstanden. Er selbst habe sich gerade erst einen Blackberry gekauft, der habe nun bald Sammlerwert.

Der Stern der einst wegen ihrer Tastatur besonders bei Managern beliebten Blackberrys sinkt bereis seit Jahren. Hersteller RIM setzte zu lange auf eine veraltetes Betriebssystem und zudem litt der Ruf unter Ausfällen des als hochsicher beworbenen E-Mail-Dienstes. Ausgerechnet am Tag, als der große Rivale Apple in die Offensive geht, meldet RIM Probleme mit seinem Service in Europa. E-Mail- und Nachrichtendienste seien teilweise ausgefallen.

Bereits vor dem Verkaufsstart ein Bestseller

Das iPhone 5 war bereits vor dem Verkaufsstart ein Bestseller. So fiel die Zahl der Vorbestellungen nach Apple-Angaben fast doppelt so hoch aus wie beim Vorgängermodell 4S. Allein in den ersten 24 Stunden, in denen das US-Unternehmen die Reservierungen entgegennahm, seien mehr als zwei Millionen Geräte geordert worden.

Neue Verkaufsrekorde sind für das wertvollste Unternehmen der Welt nichts Ungewöhnliches. Vor allem das iPhone übertraf die bisherigen Bestmarken verlässlich. Ein Detail seiner internen Planungen verriet der ansonsten so verschlossene Technologieriese im US-Patentprozess gegen den südkoreanischen Rivalen Samsung : Bislang verkaufte sich jede neue Generation des Smartphones ungefähr so stark wie alle Vorgänger zusammen. Analysten trauen Apple zu, bis Ende des Monats bis zu zehn Millionen Geräte zu verkaufen.

Apple kündigt Verbesserungen für Kartendienst an

Unterdessen verspricht Apple Verbesserungen für seinen ersten eigenen Kartendienst an - nachdem es massive Kritik von Nutzern gegeben hatte. Das Unternehmen arbeite permanent an Korrekturen, und „je mehr Menschen den Dienst nutzen, desto besser wird er“, erklärte eine Sprecherin dem US-Blog „All Things D“ am späten Donnerstag. Apple ersetzte zum Start des iPhone 5 in der neuen Version seines Betriebssystems die bisherigen Google-Karten durch ein eigenes Angebot. Es ist an vielen Stellen weniger detailliert und zum Teil auch fehlerhaft.

Auch viele Nutzer bisheriger iPhone- und iPad-Modelle hatten seit Mittwochabend das Betriebssystem iOS 6 mit den neuen Karten installiert und zeigten sich erstaunt über den Fehltritt des Konzerns. Die vielen Fehler wurden in Blogs wie „The Amazing iOS 6 Maps“ gesammelt. Darunter waren gewellte 3D-Ansichten, falsch platzierte Ortschaften, Bahnstationen oder Restaurants sowie Fehler in Städtenamen.

Apple hatte an dem Kartendienst mehrere Jahre gearbeitet und einige Spezial-Anbieter gekauft. Sie liefern unter anderem die groß angekündigten 3D-Ansichten von Städten in den neuen Karten – die beeindruckend aussehen, wenn sie nicht Anzeigefehlern zum Opfer fallen. Eine Kooperation mit dem Navi-Spezialisten TomTom soll zudem für die Wegbeschreibungen sorgen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple den Start eines Dienstes verpatzt. Noch unter dem legendären Gründer Steve Jobs ging 2008 das Debüt des Online-Dienstes MobileMe mit E-Mail und Speicherfunktionen daneben, Nutzer klagten massenhaft über Ausfälle.