Energie-Preise

Veränderte Wechselfristen heizen den Strom-Wettbewerb an

Von der Neuregelung profitieren vor allem die Verbraucher. Sie können nun schneller auf günstigere Angebote reagieren – und sparen.

Foto: Jens-Ulrich Koch / DAPD

Lange Kündigungsfristen bei Energielieferverträgen waren Verbraucherschützern seit jeher ein Dorn im Auge. Denn was bringt ein günstiges, gutes neues Angebot von der Konkurrenz, wenn der Kunde an seinen alten Vertrag gekettet ist? Eine verbraucherfreundliche Neuregelung aus dem Frühjahr trägt jetzt erste Früchte: Viele große Stromversorger haben ihre Kündigungsfristen von acht auf nur noch vier Wochen verkürzt. Damit werden Energiekunden deutlich flexibler – und das wird den Wettbewerb anheizen, sagen Experten. Und mehr Wettbewerb sollte auf längere Sicht auch zu niedrigeren Preise führen.

Die „Verordnung zur Änderung auf dem Gebiet des Energiewirtschaftsrechts“, die seit dem 1. April gilt, hat das Geldsparen für Energieverbraucher weiter erleichtert. Mit ihr ist die Kündigungsfrist in Energielieferungsverträgen für die Grundversorgung von vier auf zwei Wochen verkürzt worden. Dazu muss der tatsächliche Wechsel des Strom- oder Gasanbieters jetzt binnen drei Wochen abgewickelt werden – eine Herausforderung für viele Gas- und Stromlieferanten. Ein Ziel der Verordnung ist laut Bundeswirtschaftsministerium, den Wettbewerb anzukurbeln: Verbraucher sollen jetzt in der Lage sein, auch kurzfristig auf günstigere Angebote anderer Lieferanten zu reagieren, heißt es in einem Eckpunktepapier.

Als Manko der Neureglung galt vielen Energieexperten, dass die verkürzte gesetzliche Kündigungsfrist auf zwei Wochen lediglich für Grundversorger gilt. Bei allen anderen Anbietern muss sich der Verbraucher an die vereinbarte Kündigungsfrist in seinem jeweiligen Sondervertrag halten. Doch ein Kalkül des verantwortlichen Wirtschaftsministeriums ist zumindest zum Teil aufgegangen. Mit der Neuregelung für Grundversorgungstarife hat es einen Keim ins Tarifgebaren der Anbieter gesetzt, der nun bereits erste Früchte trägt.

„Bei vielen großen Stromversorgern und Stadtwerken beträgt die Kündigungsfrist heute nur noch vier Wochen – das ist ein guter Schnitt, früher war der Kunde noch sechs bis acht Wochen fest gebunden“, sagt Birgit Holfert, Referentin Energieberatung beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Nicht mitgezogen hätten jedoch die meisten Discountanbieter. So bleiben nach eigenen Angaben im Internet etwa Stromio, Hitstrom und auch ExtraEnergy („Priostrom“) weiterhin bei ihrer sechswöchigen Kündigungsfrist.

Transparenter Vorgang

Dass die durchschnittliche Kündigungsfrist auch für die sogenannten Sonderverträge, also außerhalb der Grundversorgung, weiter sinken wird, nimmt Energieexpertin Holfert nicht an. „Ich habe bisher nur einen großen Stromanbieter außerhalb der Grundversorgung entdeckt, der seine Verträge auf eine Kündigungsfrist von zwei Wochen geändert hat.“ Ohnehin sei die kurze Frist sehr ambitioniert gewesen und berge auch Gefahren, erklärt die Verbraucherschützerin. „Die Regelung zwingt Grundversorger dazu, in sehr kurzer Zeit Verträge abzuwickeln. Oft kann der Zählerstand aus Zeitgründen aber nur rechnerisch ermittelt werden – und das kann zulasten des Kunden gehen.“

Kann ein Strom- oder Gaszählerstand, aus welchen Gründen auch immer, nicht abgelesen sondern nur errechnet werden, wird von den Unternehmen ein Standardlastprofil mit Mittel- und Durchschnittswerten zugrunde gelegt. Dieses Profil kann jedoch nicht berücksichtigen, wenn ein Haushalt besonders sparsam war. Die Anbieter kalkulieren einen Sicherheitspuffer ein, um nicht selbst draufzahlen zu müssen.

Aus Sicht von Verbraucherschützern läuft der Anbieterwechsel durch die neue Regelung aber nicht nur schneller ab, er wird für Verbraucher auch transparenter. Der neue Versorger muss dokumentieren, wann die Kündigung des alten Vertrags beim Netzbetreiber eingegangen ist. Dauert der Wechsel länger als drei Wochen, können Kunden Schadenersatz vom neuen Anbieter fordern, wenn sie durch die Verzögerung bis zum Lieferbeginn zeitweise zu viel Geld an ihren Grundversorger zahlen mussten.

Vor allem bei Gas, aber auch in der Stromversorgung stecken viele Verbraucher in der für sie oft teuren Grundversorgung. Vergleichsportale wie Toptarif, Verivox, Hauspilot oder auch Check24 berechnen regelmäßig, wie viel Geld ein durchschnittlicher Haushalt durch einen Wechsel zum günstigsten Wettbewerber sparen könnte – nicht selten sind das mehrere Hundert Euro jährlich. Verivox etwa geht von einem Sparpotenzial bis zu 400 Euro aus.

Online-Suche lohnt sich

Nach Angaben der Bundesnetzagentur steckte im Jahr 2009 noch fast jeder zweite Bundesbürger (44 Prozent) im Grundversorgungstarif. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Dabei sind die Grundversorgungstarife meist die teuersten Tarife, die Energieversorger anbieten. Im Bundesdurchschnitt kostet eine Kilowattstunde Strom in der Grundversorgung laut Verivox derzeit 26,9 Cent. Für eine durchschnittliche Familie entstehen so Kosten von 1077 Euro im Jahr.

Verbraucher sollten sich zunächst informieren, ob ihr bisheriger Versorger einen günstigeren Tarif zu bieten hat als den bisherigen. Ist das nicht der Fall, lohnt die Online-Suche nach anderen Anbietern über eines der Vergleichsportale. Dazu brauchen Nutzer ihre Postleitzahl und den letzten Jahresverbrauch, den sie ihrer jüngsten Gas- oder Stromrechnung entnehmen können.

Bei der Auswahl eines neues Tarifs ist es entscheidend, die Vertragsbedingungen genau zu prüfen. Oft hatten Portale lange Zeit nicht die von Verbraucherschützern gewünschten Voreinstellungen. So wurden teilweise Boni mit in die Preise eingerechnet, die jedoch nur dann zum Tragen kamen, wenn der Kunde mindestens ein Jahr beim Anbieter blieb. Auch Tarifvorgaben wie Vorauskasse oder Preisbindung gelten in der Regel nicht als empfehlenswert. „Bei Vergleichsportalen gibt es heute deutlich mehr Transparenz als früher – auch auf Druck von uns Verbraucherzentralen“, sagt Holfert. Verivox empfiehlt mittlerweile Verträge mit einer kurzen Laufzeit von maximal einem Jahr und einer kurzen Kündigungsfrist von etwa vier Wochen. Eine Preisgarantie sollte zudem der Vertragslaufzeit entsprechen.

Die meisten Wechselformulare lassen sich herunterladen oder online ausfüllen. Dafür sollten Kunden die Nummer ihres Zählers und unter Umständen ihre alte Kundennummer bereithalten. Um alles Weitere kümmert sich der neue Versorger. Dass ein Verbraucher in der Zeit des Wechsels plötzlich ohne Gas oder Strom dasteht, ist gesetzlich verboten.