Swiss-Life-Tochter

Klagewelle treibt Finanzdienstleister AWD ins Minus

Das von Carsten Maschmeyer gegründete Unternehmen schwächelt: Die mutmaßlichen Falschberatungen von AWD kosten den Konzern Millionen.

Foto: dpa

Die Klagewelle gegen den Finanzdienstleister AWD wegen mutmaßlicher Falschberatung hat dem Unternehmen einen Gewinneinbruch beschert. Aufgrund von Rückstellungen für die Rechtsfälle in Höhe von 9,3 Millionen Euro fiel der Ertrag bei AWD im ersten Halbjahr 2012 mit 13,1 Millionen Euro deutlich tiefer aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das geht aus der am Freitag vom AWD-Mutterkonzern Swiss Life vorgelegten Halbjahresbilanz hervor.

Für die ersten sechs Monate 2011 hatte der Versicherungskonzern für die Tochter AWD noch einen Ertragsbeitrag von 21,8 Millionen Euro ausgewiesen. Auch insgesamt verdiente Swiss Life im ersten Halbjahr unter dem Strich real deutlich weniger. Auch weil der Konzern ein Jahr zuvor von einer außerordentlichen Steuergutschrift profitiert hatte, ging der Reingewinn nun gegenüber 2011 um 10,4 Prozent auf 361 Millionen Franken (300 Millionen Euro) zurück. Bereinigt um Sonder- und Währungseffekte legte der Gewinn allerdings um 15 Prozent zu, wie Swiss Life erklärte.

Das Unternehmen sei trotz „historisch tiefer Zinsen sowie den anhaltend volatilen Märkten“ erfolgreich, erklärte Konzernchef Bruno Pfister. Swiss Life sei in wichtigen Geschäftsfeldern gewachsen. „So im Unternehmenskundengeschäft in der Schweiz, dem Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland sowie dem Kranken- und Risiko-Geschäft in Frankreich.“

Vor Gericht hatte der AWD kürzlich erneut einen Teilerfolg erreicht. Das Landgericht Hannover wies am 27. Juli in neun weiteren Fällen Vorwürfe von Anlegern gegen das von Carsten Maschmeyer gegründete Unternehmen ab. Dabei ging es um die Frage, ob AWD-Berater zu hohe Prämien für den Vertrieb von Medienfonds einstrichen.

In der Zeit um den Börsengang des Unternehmens im Jahr 2000 hatten viele Anleger in vom AWD vertriebene Finanzprodukte investiert und später Verluste erlitten. Dafür wollen sie entschädigt werden. Am Landgericht Braunschweig und Oberlandesgericht Naumburg hatten Kläger Erfolg, der AWD legte Rechtsmittel ein. Maschmeyer zog sich inzwischen aus dem Verwaltungsrat von Swiss Life zurück.