Ausverkauf

Berliner Solarfirmen werden verramscht

Der Solarhersteller Inventux wird von einer südamerikanischen Investorengruppe übernommen und 70 Mitarbeiter müssen gehen.

Foto: DAPD

Geschäftsführer Christian Plesser gibt sich hoffnungsfroh. „Der Gang zum Insolvenzgericht ist uns sehr schwer gefallen, aber die Insolvenz erwies sich auch als Chance“, lässt der Chef des Berliner Solarherstellers Inventux per Mitteilung bekanntgeben. Das Marzahner Pleite-Unternehmen wird von einer südamerikanischen Investorengruppe übernommen und wird nicht vom Markt verschwinden. Statt 170 Mitarbeiter werden nur noch 100 tätig sein. Nun will man sich „neu aufstellen“, wie es heißt.

Der Schlussverkauf deutscher und Berliner Solarhersteller geht damit weiter. Einst waren Unternehmen wie der Sonnenpionier Solon aus Adlershof vermeintlich neue Industriegiganten und galten als Wegbereiter einer zukunftsweisenden Technologie. Jetzt werden sie wie andere deutsche Firmen geradezu verramscht. Das Ganze erinnert an einen Saisonausverkauf im Einzelhandel. Es dokumentiert ein Scheitern: Trotz milliardenschwerer Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ist keine neue Schlüsselindustrie entstanden. Wenn in Zukunft die Stromerzeugung aus Sonnenlicht profitabel sein sollte, werden andere das Geschäft machen.

Solon wurde aus der Insolvenz an das indische Unternehmen Microsol verkauft. Inventux geht nun an Südamerikaner. An diesem Donnerstag will Insolvenzverwalter Rolf Rattunde weitere Details bekannt geben. Am dritten Unternehmen schließlich, Soltecture aus Adlershof, ist der chinesische Konzern Hanenergy interessiert. Noch ist unklar, ob die Chinesen den Hersteller von Dünnschichtmodulen wirklich kaufen wollen. „Die verhandeln doch schon seit über einem halben Jahr“, sagt ein Insider. Hanenergy seien zahlreiche deutsche Unternehmen angeboten worden.

Die Tristesse passt nicht zu jenen Visionen, die sich auch die Landespolitik noch vor kurzem erträumte. Vor zwei Jahren, in Berlin war Wahlkampf, besuchte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Inventux in Marzahn. Rund um das Unternehmen hat der Bezirk den „Cleantech Business Park“ errichten lassen. „Mit dem Aufbau des ‚Clean Tech Business Park' in Marzahn wird Berlin in den kommenden Jahren zu einem weltweit führenden Standort für die Solarbranche werden“, sagte der Politiker damals. Danach sieht es wirklich nicht aus.

Vielmehr ist die Realität gut 24 Monate nach Wowereits Rede folgende: Von einstmals fast 200 Mitarbeitern schieden 82 aus. Zwölf wurden entlassen, weitere wechseln in eine sogenannte Transfergesellschaft. Dort bekommen sie fünf Monate lang statt 63 nun 80 Prozent ihres letzten Nettogehalts. Zudem werden sie bei Bewerbungen, Jobsuche und Qualifizierung unterstützt.

„Die südamerikanischen Investoren setzen auf Made in Germany und wollen die Produktion in Berlin dauerhaft fortführen. Damit ist es uns gelungen, die zukunftsweisende Technologie zur Herstellung von schadstofffreien und besonders effizienten Dünnschichtmodulen in Deutschland zu erhalten“, sagte Insolvenzverwalter Rattunde.

Für deutsche Hersteller gilt: Angesichts des globalen Preisverfalls für Solarmodule können sie nicht mit großen Konkurrenten vor allem aus China konkurrieren. Zwar bekommen die Hersteller aus Asien umfangreiche Hilfen vom Staat, wogegen der deutsche Marktführer Solarworld jüngst eine Klage in den USA anstrengte. Allerdings ist es den meisten deutschen Firmen nicht gelungen, konkurrenzfähige Massenproduktion hinzubekommen. Somit haben sie bei der Auslese, die nun begonnen hat, wenig Chancen.